TU Dresden Studierende entwerfen Pläne für Lingner-Areal

Seit Dresdens gescheiterter Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025 ist unklar, was mit dem Lingner-Areal in der Innenstadt passieren soll. Studierende der TU Dresden haben Entwürfe für die 27 Hektar große Fläche um die ehemalige Robotron-Kantine entwickelt. Die Ideen unter dem Leitbild "Stadt der Zukunft" sind derzeit im Hygienemuseum ausgestellt.

Auf einem Entwurf sind verschiedene Häuser auf einem Platz zu sehen, über denen zwei Heißluftballons schweben
Bildrechte: Viktor Stiebe

13 Architekturstudenten der TU Dresden haben sich ein Sommersemester lang überlegt, wie das sogenannte Lingner-Areal in der Innenstadt aussehen könnte. Die Konzepte des Projekts "Lingner.Park.Stadt" wollen die Studierenden Anfang November mit dem Stadtplanungsamt besprechen, kündigte die Professorin für Städtebau, Angela Mensing-de Jong, an. Die Ideen der Nachwuchsarchitekten zum Gebiet rings um die alte Robotron-Kantine sind derzeit im Deutschen Hygienemuseum ausgestellt.

Die Professorin für Städtebau an der TU Dresden, Angela Mensing-de Jong
Angela Mensing-de Jong ist Professorin für Städtebau an der TU Dresden und leitet das Semesterprojekt zur Neugestaltung des Lingner-Areals. Bildrechte: Peter Selb/HTW Dresden

Alte Robotron-Kantine unbedingt erhalten

Die Vorgabe an die Studierenden sei es gewesen, unter dem Leitsatz "Stadt der Zukunft" Konzepte für eine nachhaltige Nutzung der Fläche vorzulegen, so Mensing-de Jong. Dabei strebe man eine sogenannte Mischnutzung an, die zum einen Wohnungen, zum anderen aber auch Platz für wissenschaftliche und kulturelle Einrichtungen vorsehe. Wichtig sei, dass das Gebäude der ehemaligen Robotron-Kantine erhalten bleibe. Das Bauwerk aus den 1970er-Jahren sei ein "wichtiger Motor für das kreative Quartier", betont Mensing-de Jong. Die TU Dresden wolle das Gebäude künftig gerne wissenschaftlich nutzen und setze sich für den Erhalt der ehemaligen Kantine ein.

Mehr Grün, mehr Platz

Viktor Stiebe studiert im 13. Semester des Diplom-Studiengangs Architektur an der TU Dresden. Beim Stichwort "Stadt der Zukunft" denke er zunächst vor allem an eine Mobilitätswende. "Dresden hat fantastische Lagen, die allerdings vom Autoverkehr mitunter zerstört werden", sagt der Student. In der Nähe mehrspuriger Straßen sinke die Aufenthaltsqualität.

Eine Karte zeigt den Entwurf eines Bebauungsplan für das sogenannte Lingner-Areal in Dresden
Student Viktor Stiebe setzt bei seinem Entwurf auf eine kleinteilige Bebauung mit Grünflächen. Bildrechte: Viktor Stiebe

Sein Entwurf für das Robotron-Areal stehe unter dem Motto "Interpretation statt Rekonstruktion". Vor der Zerstörung im zweiten Weltkrieg sei das Gelände in der Nähe des Großen Gartens durch eine starke Durchmischung sozialer Schichten gekennzeichnet gewesen, so Stiebe. Zudem habe es kulturelle Einrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten gegeben. Sein Entwurf habe das Ziel, diese historischen Gegebenheiten zu berücksichtigen. So sehe sein Plan für das Gelände eine "Flächenumverteilung" vor: Die Verkehrsschneisen am Rande des Areals wolle er gerne schließen. Zudem solle die Bürgerwiese bis in die Innenstadt erweitert werden.

Auf einem Entwurf ist eine Häuserzeile zu sehe, vor der einige Menschen unterwegs sind
Der Entwurf von Viktor Stiebe zeigt die Perspektive auf die Pirnaische Straße: Der Architekturstudent will Abwechslung durch verschiedene Geschosshöhen schaffen Bildrechte: Viktor Stiebe

Autofreie Zonen

Zudem setzt der Student auf eine kleinteilige Bebauung. Die Autos der künftigen Anwohner und Anwohnerinnen sollen in Quartiersgaragen am Rande des Viertel geparkt werden, um eine autofreie Zone zu ermöglichen. Die ehemalige Robotronkantine gliedere sich in seinem Entwurf als frei stehendes Gebäude in die Parkanlagen um das Hygienemuseum ein.

Entscheidung liegt beim Eigentümer

Ob die Entwürfe der Studierenden in der tatsächlichen Bebauung in den kommenden Jahren berücksichtigt werden, ist noch nicht absehbar. Das Amt für Stadtplanung entscheidet in Kooperation mit dem Eigentümer des Geländes, der Düsseldorfer Gerchgroup, über die weitere Bebauung der Fläche. Für einen 66.000 Quadratmeter großen Teil des Areals sei der Bebauungsplan allerdings schon rechtskräftig festgelegt, hier könne keine Rücksicht mehr auf die studentischen Arbeiten genommen werden, so das Statement der Gerchgroup.

Robotron-Kantine
Im Dezember 2019 hat die Düsseldorfer Gerchgroup das Gelände rund um die ehemalige Robotron-Kantine nahe der Altstadt gekauft. Bildrechte: Carl Ahner

Quelle: MDR/iz

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen