18.06.2020 | 11:56 Uhr Dresdner Friedhöfe in Not - Träger bitten Stadtrat um mehr Mittel

In Dresden gibt es 58 Friedhöfe. Doch viele wertvolle Grabdenkmale verfallen, weil das Geld für den Erhalt fehlt. In einem gemeinsamen Schreiben haben sich kommunale, evangelisch-lutherische, katholische und jüdische Friedhofsträger an die Dresdner Stadtratsfraktionen gewandt. Sie bitten darin um die Erhöhung städtischer Fördermittel.

Frau steht vor abgesperrten Gräbern.
Lara Schink vom Verband der Annenfriedhöfe Dresden vor einer verfallenden Grabanlage der Ostterrasse, am Rande des sogenannten Camposanto. Er wurde nach italienischen Vorbildern 1875 gebaut und ist einmalig in Deutschland. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Die meisten der 58 Friedhöfe in Dresden befinden sich in kirchlichem Besitz. Einige, wie der St. Pauli-Friedhof, wurden zu Parkanlagen ohne aktuelle Bestattungen umgewidmet. Andere wie der alte Eliasfriedhof in Johannstadt oder der alte Jüdische Friedhof in der Neustadt werden schon lange nicht mehr genutzt.

"Klimawandel setzt Mauern und Bäumen zu"

Lara Schink vom Verband der Annenfriedhöfe Dresden sagte MDR SACHSEN, Jahrzehnte der Verwahrlosung würden jetzt dazu führen, dass alles gleichzeitig kaputt gehe - gerade bei den Kulturdenkmälern. "Bei Bäumen gibt es jetzt durch den Klimawandel mehr Handlungsbedarf und auch bei den Gebäuden und Mauern ist durch die Trockenheit einiges beschleunigt worden." Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen möchte deshalb am Friedhofskonzept von 2018 festhalten und es trotz derzeitiger Haushaltssperre weiter umsetzen.

Die vielen Friedhöfe sind ein echter Schatz, deshalb haben wir das Friedhofskonzept auch gemacht.

Eva Jähnigen Umweltbürgermeisterin in Dresden

Friedhofskonzept sieht Mehrbedarf

Ziel des Konzepts ist der Erhalt der Friedhöfe als Naturräume auch nach der eigentlichen Nutzung. Doch dafür fehlt das Geld. 2019 erhielten die Friedhöfe 624.000 Euro für Baumaßnahmen und den Erhalt von Grabdenkmalen und Grabstätten besonderer Persönlichkeiten. Im Friedhofskonzept wird der jährliche Bedarf dagegen mit rund 1,2 Millionen Euro angegeben. Die Umweltbürgermeisterin denkt deshalb auch über eine Erhöhung der Mittel nach, um die denkmalgeschützte Substanz zu erhalten. "Ich glaube, dort brauchen wir auch Unterstützung aus Kulturbudgets und Denkmalschutzförderung", so Jähnigen.

Eliasfriedhof Dresden
Der Eliasfriedhof in Dresden Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Die Friedhofsträger kritisieren, dass der beantragte Mehrbedarf trotz des Konzeptbeschlusses nicht bereits im Doppelhaushalt 2019/2020 Berücksichtigung fand. Immerhin bekommen zwei Dresdner Friedhöfe Geld aus dem Förderprogramm "National wertvolle Kulturdenkmäler" des Bundes. Damit können nun weitere Grabmale und Grufthäuser auf dem Johannisfriedhof in Tolkewitz und dem Eliasfriedhof in der Johannstadt restauriert werden.

Quelle: MDR/wn/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.06.2020 | 14:30 Uhr im Regional-Report aus Dresden

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