Staatsanwaltschaft Kassel Ermittlungen gegen Ex-Anwalt von Lübcke-Angeklagtem

Der mutmaßliche Haupttäter Stephan E. (l) im Juli mit seinem Verteidiger Frank Hannig.
Der mutmaßliche Haupttäter Stephan E. (l) im Juli mit seinem damaligen Verteidiger Frank Hannig aus Dresden. Bildrechte: dpa

Wegen eines mutmaßlich erfundenen Geständnisses des Hauptangeklagten im Mordfall Walter Lübcke ermittelt die Staatsanwaltschaft Kassel nun gegen seinen Ex-Anwalt. Es sei ein Verfahren gegen einen früheren Verteidiger wegen des anfänglichen Verdachts der Anstiftung zur falschen Verdächtigung eingeleitet worden, sagte ein Behördensprecher. Der Mord am nordhessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke wird momentan vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main verhandelt. Anfang Dezember könnte das Urteil fallen.

Vertrauensverhältnis zwischen Stefan E. und Hannig zerrüttet

Frank Hannig aus Sachsen hatte dort bis Juli den Verdächtigen Stephan E. verteidigt und soll für ihn Teile eines Geständnisses erfunden haben. E. wird vorgeworfen, im Juni 2019 Lübcke auf dessen Terrasse im Kreis Kassel erschossen zu haben. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Motiv aus. Stefan E. hatte verschiedene Geständnisse zur Tat abgegeben. In einem beschuldigte er den Mitangeklagten Markus H., den Schuss abgefeuert zu haben. Das hat E. inzwischen widerrufen. Er beschuldigt Hannig, ihn zu der falschen Aussage gedrängt zu haben.

Der Hauptangeklagte hatte sich im laufenden Prozess von dem Pflichtverteidiger getrennt, das Vertrauensverhältnis sei zerrüttet. Im dem Prozess gegen E. und H. war im September auch Hannig als Zeuge vorgeladen worden. E. hatte ihn zuvor in Teilen von der Schweigepflicht entbunden. Angesichts einer drohenden Strafverfolgung gegen seine Person hatte sich der Dresdener Jurist aber auf ein Aussage-Verweigerungsrecht berufen.

Hannig und Anwalt bieten Kooperation an

Zu dem nun eingeleiteten Verfahren sagte Hannigs Rechtsanwalt Alfred Dierlamm: "Meinem Mandanten ist der Vorwurf bislang nicht offiziell bekannt gegeben worden. Wir haben uns bereits mit der Staatsanwaltschaft Kassel in Verbindung gesetzt und unsere Kooperation bei der Sachverhaltsaufklärung angeboten." Zu Einzelheiten werde man sich nur gegenüber den Ermittlungsbehörden äußern. Bis zu einem rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung.

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Quelle: MDR/dk/dpa

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