Schweden statt Spanien Dank Erasmus die Liebe des Lebens in Dresden getroffen

Sie studieren, gehen mit dem Austauschprogramm Erasmus der Europäischen Union für ein Jahr an eine andere Universität. Und dann? Lernen sie neue Leute kennen, verlieben sich, schmieden neue Pläne - und es kommt alles ganz anders, als sie es je gedacht hätten. Wie zum Beispiel bei Ulrike in Dresden. Sie freute sich schon auf Lateinamerika, als ein Erasmusstudent an ihrer Tür klingelte...

von Kathrin König

Ulrike (rechts) und Nils Samuelsson sind seit 2002 verheiratet. Die beiden wohnen in Dresdenund haben über das Erasmus-Austuschprogramm viele neue menschen kennengelernt. Auch sich selbst.
Bildrechte: MDR/Kathrin König

Nach ihrem Erasmus-Jahr in Irland wollte Ulrike Samuelsson ihr Soziologie-Studium in Dresden zügig beenden und durch Südamerika reisen. Spanisch fand sie toll. Den Trip hatte sie einer Freundin in Dublin lange versprochen. Soweit ihr Plan. Doch dann klingelte ein Austauschstudent an Ulrikes WG-Tür in der Dresdner Neustadt auf der Suche nach einer Bleibe. "Bist du der Schwede?", hörte der damals 32-Jährige zur Begrüßung. Das war vor mehr als 20 Jahren. Seitdem sind Ulrike und Nilsson ein Paar, seit 2002 auch verheiratet und haben drei Söhne im Alter von neun bis 15 Jahren. An die Spaghetti vom ersten Abend kann sich der Schwede noch gut erinnern. "Die waren super." Seine Frau sagt lachend: "Und ich hatte nie einen Skandinavienfimmel, mich reizte eher der Süden oder Spanien."

Ohne das Austauschprogramm wäre ich viel weniger gereist. Ich habe so viele Freunde in Dublin kennengelernt.

Ulrike Samuelsson war als Studentin ein Jahr in Irland
Blick über den Riddarfjarden auf die Stadt und die Insel Riddarholmen.
Ein Jahr lang verbrachten Nilsson und Ulrike gemeinsam in Schweden. Dann ging es zurück nach Dresden. Bildrechte: dpa

Sie habe viel Frust auf Schweden geschoben, wenn es Probleme im Alltag mit Behörden gab. "Ich habe auch öfter mal geschimpft, dass die Schweden zwar immer freundlich, aber oberflächlich sind und nie gerade heraus antworten." In schwedische Freundschaftskreise gelange man nur, wenn man mit den Leuten schon in der Grundschule gewesen sei.

Ich bin jeden Tag unendlich dankbar für das tolle Leben, das wir in Europa führen.

Nilsson Samuelsson zog von Stockholm nach Dresden

Wenn Ulrike sein Heimatland so beurteilt, muss Nilsson Samuelsson lachen und sich an seine ersten Eindrücke in Dresden in den 1990er Jahren erinnern. "Ich fand die Umgangsformen damals sehr direkt und extrem konservativ mit Händeschütteln und dieser Siezerei. So etwas kannte ich nur aus alten Kinofilmen." Trotz aller kulturellen Unterschiede stellten die beiden schnell fest, dass Schweden und Deutschland "sehr nah beieinander liegen".

Ich will, dass Europa weitergeht. Wenn ich irgendetwas bin, dann Europäerin. Das will ich auch bleiben.

Ulrike Samuelsson Soziologin und Mutter
Brunnenanlage an der Flaniermeile Prager Straße in Dresden
Nilsson Samuelsson interessierte sich von Anfang an in Dresden für Architektur der DDR. Bildrechte: IMAGO

Nach dem gemeinsamen Jahr in Stockholm wollten sie da hinziehen und leben, wo einer zuerst einen Job bekommt, von dem beide leben können. "Da habe ich ein Angebot aus Dresden erhalten und mich sehr darüber gefreut", erinnert sich Ulrike. "Dresden ist nicht die schlechteste Wahl", meint der schwedische Architekt. Er fand Dresdens Historie, Brüche und DDR-Moderne spannend, jobbte zeitweise auch als Gästeführer und stellte interessierten Besuchern DDR-Gebäude und denkmalgeschützte Anlagen in Dresden vor. Viele davon gibt es heute nicht mehr im Stadtbild zu sehen. Mittlerweile arbeitet Samuelsson als Stadtplaner für die Stadt.

Ich wünsche mir, dass wir uns alle zusammensetzen und überlegen, wie wir gut in Europa weitermachen und nicht nur darüber reden, wie es zu Grunde geht.

Nilsson Samuelsson Architekt und Familienvater

Über das europäische Austauschprogramm Erasmus sagen die beiden: Es sei eine Chance für junge Leute und ein echter Wirtschaftsankurbler. "Man reist hin und her. Es ist auch ein Multiplikator für Familien, die sich über Ländergrenzen hinweg kennenlernen und besuchen", erklärt Ulrike Samuelsson. Ihr Mann nickt. "Meine Mutter wäre niemals in die Sächsische Schweiz in den Urlaub gefahren." Die Söhne der Samuelssons sind zweisprachig aufgewachsen, lernen Englisch und Französisch in der Schule. "Sie haben da keine Hemmungen, auch wenn nicht alles fehlerfrei ist, reden sie einfach drauflos", freut sich die 47 Jahre alte Ulrike.

ERASMUS - was ist das? Die Europäische Union hat das Förderprogramm 1987 gestartet.
Es soll die Mobilität und Sprachkenntnisse von Studenten fördern und das Studieren in 33 Ländern ermöglichen.

Der Name erinnert an Erasmus von Rotterdam, einen Humanisten der Renaissance.

Seit 2014 gibt es das Programm ERASMUS + das für allgemeine und berufliche Aus- und Weiterbildung, Jugend und Sport. Dabei fördert die EU Praktika, berufliche Weiterbildungsmaßnahmen. Damit bekommen auch Berufstätige die Möglichkeit, mit einem Mobilitätsprojekt einen Kostenzuschuss für einen Sprachkurs im Ausland. Das Programm läuft noch bis 2020.

Quelle: Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 26.05.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 08. Mai 2019, 22:56 Uhr

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