16.11.2019 | 14:12 Uhr | Update LKA ermittelt nach angezündetem Hentschke-Transporter in Dresden

In Dresden haben Unbekannte am frühen Freitagmorgen einen Kastenwagen der Baufirma Hentschke in Brand gesetzt. Durch die Flammen und auslaufendes Benzin wurden drei weitere Fahrzeuge beschädigt. Es entstand nach ersten Schätzungen ein Schaden von rund 50.000 Euro, wie ein Polizeisprecher sagte.

Das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) des Landeskriminalamts Sachsen hat Ermittlungen aufgenommen. Es werde in alle Richtungen ermittelt, ein politisch motivierter Hintergrund nicht ausgeschlossen, hieß es. Unklar ist auch noch, wie das Feuer gelegt wurde. Zeugen werden gesucht.

Zeugensuche Wer am 15.11.2019 gegen 1:45 Uhr verdächtige Beobachtungen im Bereich dsr Holzhofgasse in Dresden Neustadt gemacht hat, wird gebeten, sich telefonisch unter 0800/855 2055 oder bei einem Polizeiposten zu melden.

Immer wieder Hentschke-Bau-Baustellen betroffen

Zuletzt hatten Fahrzeuge der Baufirma in Bautzen gebrannt. Auch auf der Baustelle des künftigen Großgefängnisses in Zwickau wurden im August Fahrzeuge der Firma "Hentschke Bau GmbH" in Brand gesetzt. In Rodewisch brannte ein Baufahrzeug einer Firma, die mit dem Bautzner Unternehmen Hentschke zusammenarbeitet. In diesen Fällen ermittelt ebenfalls das PTAZ.

Bildergalerie Dresden: Auto von Hentschke-Bau geht in Flammen auf

Erst hat ein Transporter von Hentschke-Bau in der Dresdner Neustadt gebrannt. Dann griff das Feuer auf andere Autos über. Brandermittler der Polizei untersuchen den Fall.

Kripo bei der Suche nach der Brandursache bei einem ausgebranntem Auto.
Ermittler sind am Werk. Bildrechte: MDR/xcitepress-Christian Essler
Kripo bei der Suche nach der Brandursache bei einem ausgebranntem Auto.
Ermittler sind am Werk. Bildrechte: MDR/xcitepress-Christian Essler
Polizisten sichern Spuren an einem ausgebrannten Auto
Sie untersuchen den mutmaßlichen Tatort der Brandstiftung. Bildrechte: MDR/Tino Plunert
Polizisten sichern Spuren an einem ausgebrannten Auto
Auch in der Nähe geparkte Autos wurden beschädigt. Bildrechte: MDR/Tino Plunert
Polizisten sichern Spuren in einem ausgebrannten Auto
Im Innern des ausgebrannten Fahrzeugs such die Experten der Kripo nach verwertbaren Spuren. Bildrechte: MDR/Tino Plunert
Ein Polizist untersucht einen ausgebrannten Kleintransporter.
Bei Tageslicht wurde der Totalschaden an den Transporter sichtbar. Bildrechte: MDR/Christoph Stelzner
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Brandstifter aus linksextremer Szene?

Die Täter der Brandstiftungen werden im linksextremen Spektrum vermutet. Nach den Brandanschlägen in Bautzen und Rodewisch ist auf dem linken Szeneportal Indymedia ein Bekennerschreiben veröffentlicht worden. Die unbekannten Verfasser behaupten darin, mit dem Anschlag gegen den Bau von Gefängnissen zu protestieren. "Beide Firmen haben Aufträge zum Bau der neuen JVA in Zwickau-Marienthal angenommen und ziehen dort fleißig die neuen Knastmauern hoch", heißt es. Ob das Bekennerschreiben echt ist, wird nun vom Landeskriminalamt geprüft.

Für einen Anschlag aus der linksextremen Szene könnte auch sprechen, dass die Firma Hentschke Bau GmbH als Unterstützer der AfD gilt. Im Jahr 2017 hat das Unternehmen laut Rechenschaftsbericht der politischen Parteien des Deutschen Bundestages 19.500 Euro an die Alternative für Deutschland gespendet.

Die mediale Berichterstattung mit politisch motivierten Hintergründen sei für das Unternehmen sehr schwierig, sagte Geschäftsführer Thomas Alscher MDR SACHSEN. "Wir kennen die Verursacher nicht. Wir wissen auch nicht aus welcher Richtung die Angriffe kommen." Deshalb hoffe man einfach auf die Ermittlungsarbeit der Polizei. Damit unsere Mitarbeiter wieder in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen können.

Mich ärgert persönlich an dieser ganzen Geschichte, dass die Firma Hentschke als Adressat dieser Taten eigentlich der falsche Adressat ist. Denn wir sind ja nicht der Auftraggeber bei dem Gefängnisbau in Zwickau. Wir führen ja nur aus.

Thomas Alscher Geschäftsführer Hentschke Bau GmbH

Seine Mitarbeiter hätten die Vorkommnisse als schrecklich empfunden. Selbst Mitarbeiter, die nicht unmittelbar betroffen waren, "fragen sich, wenn sie als Projektleitung für den Gefängnisbau in Zwickau tätig sind, welche Auswirkungen hat das für mich privat?", so Alscher. Wenn in Leipzig schon eine Prokuristin persönlich angegriffen werde, dann seien diese Ängste der Mitarbeiter natürlich auch berechtigt. Aber die Anteilnahme sei groß. Die Firma bekäme zahlreiche Mails und SMS, in denen Menschen aus der Region ihnen ihre Unterstützung bekunden.

Schaden im sechsstelligen Bereich

Was die Schadenshöhe betrifft, sagte Geschäftsführer Thomas Alscher MDR SACHSEN, dass er von einem Schaden von rund 250.000 Euro ausgehe. Bezug nehmend auf die hohen Belohnungen, die für Hinweise zur Aufklärung der Brände ausgesetzt wurden, erklärte Alscher, er leite daraus ab, "dass ein sehr hohes Ermittlungsinteresse da sei.

Quelle: MDR/lam/dpa/st/cnj

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - das Sachsenradio | 15.11.2019 | 06:30 Uhr im Polizeireport aus Dresden

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2019, 14:16 Uhr

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