Fakt ist!-Diskussion am Montagabend Das sagen Zuschauer: Zurück zur Partnerschaft mit Russland?

So mancher Ostdeutsche wünscht sich wieder eine Annäherung mit Russland. Woher kommt das und wie wäre das überhaupt umsetzbar? Darüber diskutierte "FAKT IST!" am Montagabend vor Publikum im Militärhistorischen Museum. MDR SACHSEN hat einige Gäste gefragt.

Fakt ist! geliebter Feind Russland
Nicole Bauermeister "Mich hat die Diskussion aus privaten und beruflichen Gründen interessiert. Ich stamme aus Russland, aus der Nähe von Moskau und bin vor 22 Jahren nach Deutschland gekommen. Heute arbeite ich für den Dresdner Standort der Linde AG. Das Unternehmen beschäftigt sich unter anderem mit dem Bau von Chemieanlagen und ist von den Sanktionen gegen Russland betroffen. Besonders in den vergangenen Jahren haben wir gemerkt, dass russische Unternehmen ihre Investitionen zurückgezogen haben. Es hat sich zwar in diesem Jahr ein wenig gebessert, doch ich schließe nicht aus, dass wir keine Aufträge mehr bekommen. Durch die große Inflation in Russland und den Verfall des Rubels fehlt vielen Unternehmen Geld. Gleichzeitig können bestimmte Teile für Anlagen nicht geliefert werden weil sie auf der Sanktionsliste stehen. Privat habe ich entfernte Verwandte, Bekannte und auch Freunde in Russland, die vom Verfall des Rubels stark betroffen sind. Das Thema ist ambivalent. Einerseits kann ich die Sanktionen verstehen, Grenzen müssen gesetzt werden. Andererseits schaden die Sanktionen vielen Seiten – auch Deutschland." Bildrechte: MDR/Katrin Tominski
Fakt ist! geliebter Feind Russland
Nicole Bauermeister "Mich hat die Diskussion aus privaten und beruflichen Gründen interessiert. Ich stamme aus Russland, aus der Nähe von Moskau und bin vor 22 Jahren nach Deutschland gekommen. Heute arbeite ich für den Dresdner Standort der Linde AG. Das Unternehmen beschäftigt sich unter anderem mit dem Bau von Chemieanlagen und ist von den Sanktionen gegen Russland betroffen. Besonders in den vergangenen Jahren haben wir gemerkt, dass russische Unternehmen ihre Investitionen zurückgezogen haben. Es hat sich zwar in diesem Jahr ein wenig gebessert, doch ich schließe nicht aus, dass wir keine Aufträge mehr bekommen. Durch die große Inflation in Russland und den Verfall des Rubels fehlt vielen Unternehmen Geld. Gleichzeitig können bestimmte Teile für Anlagen nicht geliefert werden weil sie auf der Sanktionsliste stehen. Privat habe ich entfernte Verwandte, Bekannte und auch Freunde in Russland, die vom Verfall des Rubels stark betroffen sind. Das Thema ist ambivalent. Einerseits kann ich die Sanktionen verstehen, Grenzen müssen gesetzt werden. Andererseits schaden die Sanktionen vielen Seiten – auch Deutschland." Bildrechte: MDR/Katrin Tominski
Fakt ist! geliebter Feind Russland
Dr. Wolfgang Schälike "Die Frage, warum die Ostdeutschen mit Blick auf Russland anders ticken, wurde für mich in der Diskussion nur unzureichend beantwortet. Mit dem Deutsch-Russischen Kulturinstitut beschäftigen wir uns seit 25 Jahren mit Kultur aus dieser Beziehung. Zwischen 1945 und 1994 waren etwa 8,5 Millionen russische Soldaten in der DDR stationiert. Die Bevölkerung hat den einfachen Soldaten zwar nicht kennengelernt, doch gelegentlich ist es doch zu Kontakten gekommen. Was ich sagen will: Im Westen kursierten immer antibolschewistische, später antisowjetische und antirussische Interpretationen. Viele DDR-Bürger hatten vor den Russen jedoch keine Angst, keine Furcht. Sie wurden hineingeboren und mit russischen Einflüssen sozialisiert. Viele Westdeutsche hingegen haben bis heute Ostdeutschland nicht kennengelernt, geschweige denn Russland. Die westdeutsche Elite ist amerikanisch, transatlantisch geprägt. Ostdeutsche Eliten wurden zum großen Teil durch Menschen aus Westdeutschland ersetzt. Bis heute wird der Diskurs durch sie geprägt. Kritisieren möchte ich auch die Kulisse der Diskussion - vor den Panzern hier im Militärhistorischen Museum. Dies gleicht einer Drohkulisse und ist einer objektiven Diskussion abträglich." Bildrechte: MDR/Katrin Tominski
Fakt ist! geliebter Feind Russland
Lisa Oehlrich Ich studiere Politikwissenschaften in Dresden und habe in meinem Studium noch nicht so viel über Russland gehört. Deswegen bin ich zur Fakt ist!-Diskussion gekommen. Russland ist in den Medien sehr präsent, permanent wird darüber berichtet. Wissenschaftlich spielt es in meinem Studium jedoch leider kaum eine Rolle. Die Diskussion war aufschlussreich, vieles erscheint mir – ich bin 1997 geboren – jedoch sehr weit weg. Ich fand den Ansatz gut, auch aus der Perspektive Russlands zu denken und diese Sichtweise besser kennenzulernen. Bildrechte: MDR/Katrin Tominski
Fakt ist! geliebter Feind Russland
Dr. Eberhard König Seit 25 Jahren arbeite ich für die Gemeinschaft für Menschenrechte. Die Perspektive der Dresdner Friedensinitiative hat mich hierher – zur Fakt ist!-Diskussion gerufen. Denn wenn der Frieden gefährdet ist, ist er es an der russischen Grenze. Kritisieren möchte ich das Übergewicht von Personen - wie im Übrigen bei vielen anderen Diskussionen auch -, die die DDR nicht erlebt haben. Sabine Adler hat gesagt, die DDR sei schlecht gewesen. Was jedoch immer vernachlässigt wird, ist der Fakt, dass wir auch so viele menschliche Kontakte hatten. Es war eine Kultur des Zusammenlebens und auch Zusammenwirkens. Das ist keine komische Nostalgie, sondern ein Teil unserer Lebenswelt gewesen. In wissenschaftsleitender Funktion im Bezirk Dresden habe ich die "Dresdner Tage" im damaligen Leningrad - heute Sankt Petersburg - betreut. Im Rahmen von Wissenstransfer und wissenschaftlichem Austausch sind enge Verbindungen, professioneller und menschlicher Natur, zwischen den Wissenschaftlern aus beiden Ländern entstanden. Bildrechte: MDR/Katrin Tominski
Alle (4) Bilder anzeigen

Mehr aus Dresden und Radebeul