Tipps von der Feuerwehr Wohnungsbrände: Vorbeugen und richtig handeln

Ob Kurzschluss, ein defektes Elektrogerät oder Unachtsamkeit: Brandgefahren lauern im ganzen Haus. Jedes Jahr kommen auch in Sachsen Menschen bei Bränden ums Leben und es entstehen Sachschäden in Millionenhöhe. Wie kann man sich und seine Familie vor Bränden schützen? Wie handelt man im Notfall richtig? Sollte man sich einen Rauchwarnmelder zulegen und ist es ratsam, in der Urlaubszeit alle Geräte vom Netz zu nehmen? MDR SACHSEN fragt nach beim Pressesprecher der Feuerwehr Dresden, Michael Klahre.

Ein Feuerwehrmann steht in der Garage seiner Feuerwache und hält lächelnd drei verschiedene Rauchmelder in die Kamera
Bildrechte: IMAGO

Sind Feuermelder in Wohnungen Pflicht in Sachsen?

Die Rauchwarnmelder sind ein sehr geeignetes und wichtiges Element für eine Brandfrüherkennung. Bei Neubauten bzw. wenn bei Gebäuden eine Nutzungsänderung stattfindet, muss in Sachsen ein Rauchwarnmelder eingebaut werden. Ansonsten besteht keine Pflicht.

Wie sensibel sind Rauchwarnmelder eigentlich?

Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Modellen. Es gibt zwei grobe Kategorien für den Privatanwender. Es gibt fotooptische Rauchmelder, da ist eine Fotozelle eingebaut und je nach Konzentration des Rauches, der Rauchpartikel oder des Dampfes, springt dieser an. Und es gibt thermooptische Rauchmelder. Die reagieren auf Temperatur oder auf Rauch. Bei raschem Anstieg von Temperatur oder Rauch, lösen diese aus. In der Küche empfiehlt es sich, einen Rauchwarnmelder zu installieren, der eher auf Temperatur anspringt und nicht auf Rauch oder Dampf. Der würde also erst dann auslösen, wenn die Temperatur rasch ansteigt.

Wie oft müssen Sie zu Fehlalarmen ausrücken?

Das passiert häufig. Einerseits kann der Rauchwarnmelder einen technischen Defekt haben oder es hat schon eine Zigarette in unmittelbarer Nähe ausgereicht, um den Rauchwarnmelder auszulösen. Die besonders günstigen Modelle sind aus unserer Erfahrung sehr empfindlich. Modelle von höherer Qualität sind schon in der Lage zwischen Zigarettenrauch und einem richtigen Brandrauch zu unterscheiden.

Einsatzfahrzeug der Feuerwehr vor einem Hochhaus.
Kommt immer häufiger vor: Feuerwehren, die zu Fehlalarmen ausrücken müssen Bildrechte: Marko Förster

Auf was sollte man beim Kauf achten?

Die Rauchmelder müssen das GS-Siegel für geprüfte Sicherheit in Deutschland haben. Es kann auch ein Schnäppchen aus dem Baumarkt sein Geld wert sein. Man sollte sich genau überlegen, wo man den Rauchmelder anbringen möchte und sich dann für das geeignete Modell entscheiden.

Sollte man vor dem Urlaub alle Geräte aus den Steckdosen ziehen und die Hauptsicherung ausschalten?

Das ist eine hochaktuelle Frage. Wenn man die Wohnung über einen längeren Zeitraum verlässt, macht es Sinn, die Geräte vom Netz zu trennen, die nicht unbedingt notwendig sind. Der Kühlschrank zählt nicht dazu. Fernseher, Radio und ähnliche Geräte, die nicht in Betrieb sein müssen, die empfehlen wir vom Netz zu nehmen. Denn von diesen Geräten kann unter Umständen eine Brandgefahr ausgehen. Die Hauptsicherung bleibt drin.

Wie können technische Geräte im Haushalt in Brand geraten?

Das kann durch einen technischen Defekt in diesem Gerät passieren. Es kann auch sein, dass die Geräte überhitzen. Die Geräte sind meistens mit Netzteilen ausgestattet, auch das kann eine Brandursache sein. Auch eine Überlastung der Geräte ist möglich. Mehrfachsteckdosen bürgen eine Gefahr. Nicht zu vergessen, sind Bügeleisen oder ähnliche Kandidaten, die unsachgemäß verwendet werden.

zwei schwarze Stecker in einer Steckdosenleiste
Gehören zu den häufigsten Auslösern von Bränden: Mehrfachsteckdosen Bildrechte: Colourbox.de

Kommt es immer zu einer Notöffnung der Wohnung, wenn die Feuerwehr durch einen Rauchmelder-Alarm gerufen wird?

Wenn wir vor Ort sind, müssen wir in die Wohnung und schauen, ob der Rauchmelder bestimmungsgemäß ausgelöst hat. Dazu müssen wir die Wohnung öffnen. Zuerst schauen wir, ob wir ohne Schaden hineinkommen, zum Beispiel über ein angekipptes Fenster. Für die Wohnungstür haben wir spezielles Werkzeug, um das Schloss ziehen und die Tür schadenfrei öffnen zu können. Wenn kein Brand vorliegt, stellen wir die Verschlusssicherheit der Wohnung wieder her. Wir bauen das Schloss wieder ein oder ein anderes. Die Polizei nimmt die Schlüssel mit. Im Briefkasten finden Sie dann eine Benachrichtigung, wo Sie die Schlüssel, zum Beispiel nach dem Urlaub, abholen können.

Wer kommt für die Kosten auf, wenn es ein Fehlalarm war?

Die Kosten für den Einsatz trägt die Allgemeinheit. Es gehört zur Daseinsfürsorge, dass die Feuerwehr kommt, wenn ein Brand gemeldet wird. Sie bekommen keine Rechnung.

Was sind die häufigsten Gründe für Brände in Privathaushalten?

Es gibt da verschiedene statistische Erhebungen. Im Jahr 2019 sind 30 Prozent aller Brände in Privathaushalten von der Elektrizität ausgegangen. Ganz oben schwimmt auf dieser Welle menschliches Fehlverhalten, Fahrlässigkeit, Leichtsinn, aber auch Vorsatz.

Interview mit Michael Klahre von der Dresdner Feuerwehr

Muss man einen Feuerlöscher zu Hause stationiert haben?

Eine gesetzliche Vorgabe, einen Feuerlöscher zu Hause vorzuhalten, gibt es nicht. Es ist aber sinnvoll, einfache Geräte zum Löschen von Bränden in Griffweite zu haben. Das kann ein Feuerlöscher, eine Löschdecke, ein Eimer Wasser oder Sand sein. Wir Feuerwehrleute sind da manchmal etwas zwiegespalten, weil solche Gerätschaften eine zu große Sicherheit generieren. Einen Entstehungsbrand kann man damit bekämpfen. Sobald Sie merken, dass der Brand ein Ausmaß annimmt, dass nicht mehr beherrschbar ist, bitte aber sofort die Feuerwehr anrufen.

Quelle: MDR/th/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.08.2020 | 10:00 - 13:00 Uhr

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