Wald- und Forstwirtschaft Das große, leise Leiden in den Wäldern Sachsens

Tausende Besucher sind am Wochenende zum Fisch-& Waldfest rings um den Moritzburger Schlossteich gekommen. MDR SACHSEN wollte vom Pressesprecher des Staatsbetriebs Sachsenforst, Dr. Renke Coordes, wissen, wie groß die Festtagslaune tatsächlich ist nach dem diesjährigen Extremsommer.

von Kathrin König

Blick in einen herbstlichen Wald.
Herbststimmung aus Melancholie, Farben und einem letzten Rest Sommererinnerung - auch das findet sich im Herbst in Sachsens Wäldern, die ein schweres Jahr durchstehen mussten. Bildrechte: imago/Westend61

Am Wochenende wird in Moritzburg Waldfest gefeiert. Wie geht es dem sächsischen Wald aktuell?

Renke Coordes: Der durchlebt eine äußerst schwierige, angespannte Zeit. Extremwetterlagen im Sommer und die Stürme Herwart und Friederike haben seine Vitalität massiv beeinflusst. Viele Bäume haben kaum mehr Abwehrkräfte. Konkret in Zahlen muss man sagen, dass die Sturmschäden deutlich über die Schäden des berüchtigten Sturmtiefs Kyrill hinausgehen. Der Schaden beläuft sich auf 2,6 Millionen Kubikmeter Holz. An wenigen Sturmtagen sind mehr Bäume umgefallen als eine normale Holzernte in einem Jahr in Sachsen einbringt.

Und wie sehr hat der trockene, heiße Sommer dem Wald zu schaffen gemacht?

Der Pressesprecher des Staatsforstes Sachsenforst, Dr. Renke Coordes, studierter Diplom-Forstwirt
Diplom-Forstwirt Dr. Renke Coordes sagt: Der Sommer 2018 wird auch in den nächsten Jahrzehnten Folgen für Sachsens Wälder haben. Bildrechte: Sachsenforst

Nach der Sturmsaison folgten ausgeprägte Kälte und gleich darauf Dürre und Hitze. In einigen Waldregionen wurden weniger als 30 Prozent der sonst üblichen Niederschläge gemessen. Am ausgeprägtesten war die Dürre in Nordsachsen. Überall in Sachsen hat sie dazu geführt, dass frisch gepflanzte Bäume vertrocknet sind. Wir haben in diesem Bereich Waldschäden auf 3.000 Hektar. Dazu kommt eine massenhafte Vermehrung des Borkenkäfers, der vor allem Fichten befällt und sich vermehrt. Die Schäden liegen bei aktuell 400.000 Kubikmetern Holz. Das sind die schwersten Schädigungen seit dem Zweiten Weltkrieg. Im Vergleich zu den Schäden durch Sturm und Käfer fallen die durch Waldbrände eher gering aus, obwohl die Anzahl und auch die Brandfläche über den Vorjahreswerten liegen. Die meisten Brände konnten schnell gelöscht  werden. Die Holzpreise auf dem Markt sind teilweise um die Hälfte eingebrochen. Im Grunde ist es seit einem Jahr so, dass immer, wenn wir eine Bilanz vorlegen wollten, neue Schäden hinzukamen. Alle Waldschäden seit Herbst 2017 zusammengerechnet, gehen in die Millionen.

Was ist jetzt dringend zu tun?

Im Staatsforst, aber auch für die meisten der 85.000 privaten Waldbesitzer in Sachsen, heißt die wichtigste Aufgabe im Winter: das Schadholz aufräumen für eine saubere Waldwirtschaft. Nur so können wir die Brutstätten für den Borkenkäfer entfernen. Es liegt noch viel Holz herum. Man kann befallene Bäume auch entrinden oder mit Insektiziden behandeln. Aber das ist sehr aufwendig. Sachsenforst lenkte alle verfügbaren Kräfte in die Aufarbeitung der Schäden. Problematischer ist es für die kleinen Waldbesitzer. Für sie sind Waldberäumungen schwerer zu organisieren. Schon heute ist klar, dass es auch im nächsten Jahr massive Borkenkäferschäden geben wird – selbst wenn überall beräumt wird und die Witterung normal ausfällt. Sollte es wieder so extrem trocken werden, dann können die Bäume flächenweise ausfallen.

So viele schlechte Nachrichten zum Waldfestwochenende in Moritzburg…

So ein Fest ist eine gute Gelegenheit, über die vielfältigen Funktionen unserer Wälder zu informieren, was wir bei der Präsentation auf dem Schlossparkplatz in Moritzburg auch tun werden. Es geht ja nicht nur um Holzwirtschaft und dass man schön im Wald spazieren gehen kann. Wenn die Wälder weg wären, hätte das dramatische Folgen für alle Menschen, fürs Klima, für den Wasserschutz, für die Böden und Artenvielfalt. Trotz aller Waldschäden nach den extremen Wetterlagen 2018 dürfen wir nicht vergessen, dass der Waldumbau seit 1990 gut vorangekommen ist. Wir pflanzen jedes Jahr alleine im Staatswald fünf bis sechs Millionen junge Bäume, damit Mischwälder entstehen. Die Wälder stehen in Sachsen weitaus besser da als früher. Der Waldumbau mit Eichen, Buchen und Weißtannen bleibt aber weiter das wichtigste Generationenprojekt im Wald und größtes Naturschutzprojekt in Sachsen.

Apropos Tanne: Bald beginnt die Weihnachtsbaumsaison - worauf müssen sich die Käufer einstellen?

Das Angebot an einheimischen Weihnachtsbäumen ist leicht rückläufig. Die Preise sind möglicherweise höher als voriges Jahr. Die Plantagen haben unter der Dürre und Sonneneinstrahlung besonders gelitten, weil sie ja keine Beschattung haben.

O Tannenbaum, wie teuer sind deine Blätter? Nach Einschätzung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SWD) werden Weihnachtsbäume 2018 teurer als im vorigen Jahr. Etwa 50 Cent bis 1 Euro mehr je Meter müssten für Nordmanntannen bezahlt werden: 18 bis 24 Euro pro Baum sind realistisch.

Drastischere Preissteigerungen erwartet der Verband der deutschen Weihnachtsbaum- und Schnittgrün-Erzeuger. Er rechnet mit einem Preisanstieg von zehn Prozent.

2017 wünschten sich bei einer emnid-Umfrage Dreiviertel aller Sachsen einen echten Weihnachtsbaum zum Fest.
Bundesweit wurden 2017 schätzungsweise 29,5 Millionen Weihnachtsbäume verkauft (Quelle: Statista)

Mehrere Tannen mit farbigen Bändchen um die Spitze.
Die Bäumchen einer Weihnachtsbaumschonung sind für den Verkauf markiert worden. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 27.10.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2018, 10:26 Uhr

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