Die Spitze der Dreikönigskirche
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22.10.2019 | 14:45 Uhr Wie geht es nach dem Rücktritt von Landesbischof Rentzing weiter?

Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing tritt zum 31. Oktober zurück. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin wird erst am 29. Februar und 1. März gewählt. Wie geht es in der Zwischenzeit weiter? MDR SACHSEN- Kirchenredakteur Wolfram Nagel beantwortet die wichtigsten Frage zum Übergang.

Die Spitze der Dreikönigskirche
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Wer übernimmt bis zur Neuwahl Ende Februar das Bischofsamt?

Wolfram Nagel: Es gibt in der sächsischen Landeskirche keinen stellvertretenden Bischof. "Das Amt ist verwaist", heißt es in der Kirchenverfassung, wenn ein Bischof stirbt oder zurücktritt, aus welchen Gründen auch immer. Einige Aufgaben von Carsten Rentzing übernimmt Oberlandeskirchenrat Thilo Daniel, Dezernent für theologische Grundsatzfragen im sächsischen Landeskirchenamt. Er vertritt den Bischof z.B. bei repräsentativen Terminen wie Gottesdienste, etwa am Reformationstag im Meißner Dom.

Über das Bischofsamt Die reguläre Amtszeit eines Landesbischofs beträgt laut sächsischer Kirchenverfassung zwölf Jahre. Als führender Geistlicher soll er laut Verfassung die Einheit der Landeskirche bewahren und stärken. Der Landesbischof pflegt die Verbindung mit anderen Kirchen und repräsentiert die Landeskirche in der Öffentlichkeit. Ist das Amt des Landesbischofs verwaist, so regelt laut Verfassung die Kirchenleitung seine Vertretung bis zur Wahl eines neuen Landesbischofs.
Quelle: epd

Bleiben Aufgaben liegen oder müssen Entscheidungen aufgeschoben werden?

Der Bischof ist einer von drei Stützpfeilern in der sächsischen Landeskirche, neben dem Präsidenten des Landeskirchenamtes und der Landessynode. Richtungsentscheidungen werden kollektiv in der Kirchenleitung besprochen. Die Entscheidung für den Rücktritt erfolgte einvernehmlich mit Landesbischof Rentzing. Zusammen mit dem Vertreter, also Thilo Daniel, wurden nun nächste Schritte beschlossen. Das heißt, die Landeskirche ist ohne Bischof nicht handlungsunfähig. Allerdings fehlt der oberste Seelsorger und Ratgeber.

Warum macht der Landesbischof nicht bis Ende Februar weiter?

Es war sein ausdrücklicher Wunsch zurückzutreten. Offiziell bleibt er bis 31. Oktober, also bis zum Reformationstag weiter im Amt, ist aber von allen Aufgaben entbunden. Kirchenleitung und Synode suchen nun nach geeigneten Kandidaten für die Nachfolge. In der stellen sich erfahrene Theologen oder Theologinnen zur Wahl. Am 29. Februar und am 1. März 2020 wird die Synode einen neuen Landesbischof wählen oder eine Landesbischöfin. Die Kirche braucht in dieser Krise einen Neuanfang.

Was bedeutet das verwaiste Bischofsamt für die Weihnachtsfeiertage? Wie werden diese ablaufen?

Die großen Weihnachtsgottesdienste werden ohne einen amtierenden Landesbischof stattfinden. Auch die weihnachtliche Vesper vor der Frauenkirche. Aber es gibt ja versierte Theologen im Land, die ebenso die Weihnachtsgeschichte nach Lukas auslegen können. Ebenso muss Ersatz für die Andachten bei MDR SACHSEN gefunden werden und für die Weihnachts- und Neujahrsbotschaft, die der evangelische Landesbischof alljährlich an die Hörer richtet.

Wie geht es mit Rentzing persönlich weiter?

Ob Carsten Rentzing in den Pfarrdienst der Landeskirche zurückkehrt, ist derzeit offen. Er war bis zu seiner Wahl Ortspfarrer in Markneukirchen im Vogtland, wo er bis heute viele Unterstützer hat. Wie der künftige Dienst des Theologen aussehen wird, soll nach dessen Urlaub gemeinsam mit ihm im Landeskirchenamt beraten werden.

Was bedeutet der Rückzug für die Landeskirche. Mehr Spaltung oder mehr Einigung?

Durch den Rücktritt des Landesbischofs ist die Spaltung der Kirche in zwei große Lager offensichtlich geworden. Auf der einen Seite die liberal-weltoffenen Protestanten im Leipziger Land oder in Städten wie Leipzig und Dresden, repräsentiert unter anderem durch das Forum "Frei und Fromm". Die liberalen Christen sehen die gleichgeschlechtliche Orientierung als von Gott gewollt an und haben kein Problem mit dem Segen für schwule oder lesbische Paare. Evangelikale, bibeltreue Christen besonders im Erzgebirge und im Vogtland ("Sächsischer Bible Belt") lehnen Homosexualität als Sünde ab. Auch Carsten Rentzing hatte damit ein Problem, lehnte die kirchliche Trauung homosexueller Paare ebenso ab, wie das Zusammenleben homosexueller Pfarrer mit ihrem Partner im Pfarrhaus. Der Rücktritt des Landesbischofs hat die Spaltung nicht verursacht, er hat sie eher vertieft. Denn nun geht es auch um politische Gesinnung. Rentzing sagt dazu in einer Erklärung:

Versuche der politischen Instrumentalisierung meiner Person von links und vor allem rechts weise ich entschieden von mir. Sie schaden dem Evangelium meines Herrn Jesus Christus. All jene, die mich unterstützen und ihre Hoffnung auf mich setzen, bitte ich mit mir gemeinsam den Weg des Respektes vor der Entscheidung der Kirchenleitung zu gehen.

Carsten Rentzing

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 21.10.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2019, 14:45 Uhr

6 Kommentare

DER Beobachter vor 2 Wochen

Was allerdings positiv zu betonen ist, ist seine jetzige klare Stellungnahme, er wünsche nicht von Extremisten ausgenutzt zu werden. Das Bewusstsein dessen wäre ihm früher zu wünschen gewesen...

Kirchenmitglied vor 3 Wochen

In unseren Medien wird immer so getan, als sei die Kirche ausschließlich dazu da, die Menschen für die Zeit nach ihrem irdischen Tod auf den Himmel zu vertrösten. Dabei wird vergessen, dass sie ganz "fleischliche" Aufgaben bewältigt, wie die Betreuung von alten und schwer behinderten Menschen, von Obdachlosen und von psychisch Kranken. Die ganze Diskussion um Sinn oder Unsinn der Kirche zeigt, dass sich das Gros der hiesigen Bevölkerung einen Dreck um die genannten Menschengruppen zu kümmern scheint - allerdings nur so lange, wie man nicht selbst davon betroffen ist.

Der Satz im Beitrag "Allerdings fehlt der oberste Seelsorger und Ratgeber." ist großer Unfug. Für alle Gläubigen ist nicht der Bischof der oberste Seelsorger, sondern Jesus Christus. Deshalb wird es mit der ev. Kirche auch nach Rentzing und zwischenzeitlich auch ohne Bischof weiter gehen. Die Gemeinden an der Basis haben ihre Aufgaben, an denen sie weiterhin arbeiten werden.

Eveline vor 3 Wochen

Guten Morgen an das MDR TEAM, ich möchte mich gerne dazu äußern. Ich bin der Meinung, wenn der Bischof früher in irgendeiner Form in einem Verein in einer Organisation oder sonstwas war ist das Geschichte. Wenn er heute noch solche verstaubten Ansichten mit sich rumschleppt ist sein Rücktritt gerechtfertigt. Es muss endlich einmal aufhören, das Kinder im Namen Gottes gezüchtigt, verängstigt, ständig korrigiert und von den anderen Misttaten ganz zu Schweigen leiden sollen. Erziehung ist keine Dressur, sondern mit Liebe und Schutzhat man Kinder zu begleiten. Gott ist nicht in der Kirche sondern draussen bei den Menschen, alles andere ist SCHEINHEILIGKEIT. NACH OBEN LECKEN, NACH UNTEN TRETEN. SO, ich wünsche Euch allen vom MDR RADIO SACHSEN EINEN HERVORRAGENDEN TAG UND FREUE MICH AUF HEUTE ABEND,,,HALLO SACHSEN."🤓👍👍👍👍🤭😘🤗🌈🙏💌🛌🏻

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