29.06.2020 | 13:14 Uhr Gedenkort für Dresdner Kaffee-Revolutionärin Melitta Bentz

Der erste Melitta-Kaffeefilter und ein Foto seiner Erfinderin Melitta Bentz
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Die Erfinderin der Kaffeefiltertüte, Melitta Bentz, ist am Montag in Dresden geehrt worden. Der Landesfrauenrat Sachsen hat für das Projekt "Frauenorte Sachsen" eine Gedenktafel zu Ehren der Dresdnerin feierlich eingeweiht. Die Tafel wurde an der ehemaligen Produktionsstätte "M. Bentz" in der Wilder-Mann-Straße an einer restaurierten Sandsteinsäule angebracht.

Warum eine Gedenktafel für Melitta Bentz?

Kaffeefilter auf Kaffeebohnen
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In ihrem Geburtsort Dresden tüftelte Melitta Bentz an einer neuen Art, Kaffee zuzubereiten. Sie störte der Kaffeesatz im Mund, der beim damals üblichen Aufbrühen und anschließenden Trinken unweigerlich zwischen die Zähne gelangte. Melitta Bentz bohrte Löcher in den Boden eines Messingbechers, auf den Boden legte sie Löschpapier. Dieser Ur-Filter war der erste Melitta-Filter, den die Erfinderin weiterentwickelte und dafür im Juni 1908 Gebrauchsmusterschutz beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin anmeldete. Die Geschäftsidee, Kaffee durch feines Papier zu filtern, war geboren.

Damit revolutionierte sie den Kaffeegenuss auf der ganzen Welt – und legte das Fundament für eine einzigartige Marke.

aus der Historie des Kaffeefilterherstellers Melitta

Die erfinderische Unternehmerin

Amalie Auguste Melitta Bentz mit ihrem Ehemann Johannes Emil Hugo Bentz
Amalie Auguste Melitta Bentz mit ihrem Mann Johannes Emil Hugo Bentz. Die Unternehmerin erfand viele weitere Kniffe für Haushaltsgeräte und veränderte die Werbung in Deutschland. Ab 1926 promoteten sogenannte Vorführdamen Melitta-Produkte direkt in den Fachgeschäften. Bildrechte: dpa

Melitta Bentz ließ ihr Unternehmen "M. Bentz" beim Dresdner Gewerbeamt eintragen und wirtschaftete erfolgreich mit ihrem Ehemann. 1929 zog das Familienunternehmen ins westfälische Minden in eine ehemalige Schokoladenfabrik um. Dort hatte das Unternehmen mehr Platz und mehr Steuervorteile als in Sachsen. Alle Maschinen und das Inventar wurden in Eisenbahnwaggons von Dresden nach Minden transportiert und dann wieder montiert. Anfang der 1930er-Jahre arbeiteten 360 Menschen für Familie Bentz. Noch heute hat die Melitta Group ihren Sitz in Minden.

Wenn Sie durch Sachsens Straßen gehen, wie oft finden Sie da die Benennung einer Frau? Sollten etwa schon immer nur Männer die Welt erklärt, Erfindungen und Entdeckungen gemacht, die Wirtschaft bewegt haben?

Susanne Köhler Vorsitzende des Landesfrauenrats Sachsen

Das sind Frauenorte in Sachsen

Mit dem Projekt "Frauenorte Sachsen" ehrt der Landesfrauenrat Sachsen e.V. seit 2016 Frauen, die außerordentliches Engagement gezeigt und Sachsen auf allen gesellschaftlichen Ebenen mit geprägt haben. Bislang sind in zwölf Städten insgesamt 19 Frauenorte zu finden, die an mutige und engagierte Frauen erinnern, darunter Juristinnen, Textilarbeiterinnen, Künstlerinnen, Pädagoginnen und Politikerinnen aus fünf Jahrhunderten.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 29.06.2020 | 19:00 Uhr

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