Gedenken Heidefriedhof
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mahnen und Erinnern Dresden gedenkt Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg

Mit Demonstrationen, Mahnwachen und Versammlungen erinnern die Dresdner an die Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Dazu wurde am Abend wieder eine symbolische Menschenkette gebildet. Auch die Städtepartnerschaft zwischen Coventry und Wrocław steht im Mittelpunkt.

Gedenken Heidefriedhof
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Dresden erinnert am Mittwoch mit einem Gedenktag an die Opfer des Zweiten Weltkrieges vor 74 Jahren. Die Veranstaltungen stehen unter dem Motto "Geteilte Geschichte - gemeinsame Zukunft". Zunächst gab es auf mehreren Friedhöfen der Stadt Gedenkveranstaltungen. Die Frauenkirche lud am Mittag zur Friedensandacht.

Mit der Menschenkette setzten nach Angaben der Stadtverwaltung mehr als 11.500 Menschen am Abend ein Zeichen für Frieden und Toleranz. Zum Auftakt der Menschenkette hatten sich am Mittwochabend rund 250 bis 300 Menschen vor dem Rathaus der Stadt versammelt. Sie stelle "einen virtuellen Schutzring um die Innenstadt gegen den Missbrauch des Jahrestags der Zerstörung von Dresden durch radikale Kräfte dar", sagte der Versammlungsleiter und Rektor der Technischen Universität, Hans Müller-Steinhagen. Die etwa vier Kilometer lange Menschenkette führte über alle zentralen Plätze der Innenstadt, darunter den Altmarkt und den Neumarkt, sowie über zwei Elbbrücken. Vor der Frauenkirche soll aus hunderten Lichtern wieder eine große Kerze auf dem Pflaster gebildet werden.

Wir suchen die aktive Auseinandersetzung, statt rückwärtsgewandter Ritualisierung. Nur so können wir erkennen, dass es natürlich noch immer und aktuell wieder Versöhnungslücken gibt. Das zerstörerische Feuer nationalistischer Strömungen in Deutschland, Großbritannien und Polen wird gerade auch von alten Ressentiments geschürt. Deshalb ist es unsere Aufgabe, diese Versöhnungslücken zu schließen.

Dirk Hilbert Oberbürgermeister Dresden

Bildergalerie Gedenken zum 13. Februar in Dresden

Auf zahlreichen Veranstaltungen gedenkt Dresden am Mittwoch der Opfer des 13. Februar 1945. Vertreter aus Politik und Gesellschaft legten unter anderem auf dem Altmarkt und dem Heidefriedhof Kränze nieder.

Gedenken Dresden
Vor der Frauenkirche wurde am Abend symbolisch eine Kerze geformt. Bildrechte: xcitePRESS
Gedenken Dresden
Vor der Frauenkirche wurde am Abend symbolisch eine Kerze geformt. Bildrechte: xcitePRESS
Gedenken Dresden
Oberbürgermeister Dirk Hilbert und Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf reihten sich am Neumarkt in die Menschenkette ein. Bildrechte: xcitePRESS
Gedenken Dresden
Ministerpräsident Michael Kretschmer und sein Vize Martin Dulig nahmen ebenfalls an der Menschenkette teil. Bildrechte: xcitePRESS
Teilnehmer einer Menschenkette stehen am Ufer der Elbe nebeneinander.
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Gedenken Dresden
Auftakt zur "Menschenkette" an der Goldenen Pforte am Rathaus. Bildrechte: xcitePRESS
Gedenken in Dresden: Zahlreiche Blumen und Grablichter erinnern an der im Boden eingelassenen Inschrift auf dem Altmarkt an die Todesopfer des Bombenangriffs, die auf dem Platz verbrannt sind.
Gedenken in Dresden: Zahlreiche Blumen und Grablichter erinnern an der im Boden eingelassenen Inschrift auf dem Altmarkt an die Todesopfer des Bombenangriffs, die auf dem Platz verbrannt sind. Bildrechte: Xcitepress/Christian Essler
Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (re.) und CDU-Stadtratsfraktionschef Jan Donhauser legen auf dem Altmarkt einen Kranz nieder.
Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (re.) und CDU-Stadtratsfraktionschef Jan Donhauser legen auf dem Altmarkt einen Kranz nieder. Bildrechte: xcitepress
An einer Gedenkschrift auf dem Altmarkt liegen Blumen und Kränze neben vielen Grablichtern. Daneben steht ein hölzernes Kreuz auf einem Sockel mit der Inschrift "Wie viele starben? Wer kennt die Zahl? An deinen Wunden sieht man die Qual der Namenlosen, die hier verbrannt im Höllenfeuer aus Menschenhand". Inzwischen wurde es laut Stadt entfernt, weil es dafür keine Genehmigung gab und es bei den geplanten Demonstrationen eine Gefahr darstellen könnte. Die Blumen durften an der Stelle bleiben.
An einer Gedenkschrift auf dem Altmarkt liegen Blumen und Kränze neben vielen Grablichtern. Daneben steht ein hölzernes Kreuz auf einem Sockel mit der Inschrift "Wie viele starben? Wer kennt die Zahl? An deinen Wunden sieht man die Qual der Namenlosen, die hier verbrannt im Höllenfeuer aus Menschenhand". Inzwischen wurde es laut Stadt entfernt, weil es dafür keine Genehmigung gab und es bei den geplanten Demonstrationen eine Gefahr darstellen könnte. Die Blumen durften an der Stelle bleiben. Bildrechte: xcitepress
Polizisten stehen an der mit Gittern abgesperrten Gedenkstelle zum 13. Februar 1945 auf dem Altmarkt Dresden.
Weil am Nachmittag in der Innenstadt verschiedene Gedenkveranstaltungen geplant sind, sperrt die Polizei einige Bereiche ab. Bildrechte: xcitepress
Polizisten und Streifenwagen stehen auf dem Neumarkt in Dresden.
Auch auf dem Neumarkt zeigt die Polizei Präsenz. Bildrechte: xcitepress
Vor dem Polizeipräsidium Dresden stehen zwei Wasserwerfer, ein gepanzertes Einsatzfahrzeug und mehrere Polizisten.
Vor dem Polizeipräsidium stehen unter anderem zwei Wasserwerfer und ein gepanzertes Einsatzfahrzeug bereit. Bildrechte: xcitepress
Vertreter aus Politik und Gesellschaft haben sich am Mittwochvormittag auf dem Heidefriedhof in Dresden zu einer Kranzniederlegung versammelt. Anwesend sind dabei auch Gäste aus den Partnerstädten Coventry und Wroclaw.
Vertreter aus Politik und Gesellschaft haben sich am Mittwochvormittag auf dem Heidefriedhof in Dresden zu einer Kranzniederlegung versammelt. Anwesend waren dabei auch Gäste aus den Partnerstädten Coventry und Wroclaw. Bildrechte: xcitepress
Gedenken Heidefriedhof
Heidefriedhof Dresden Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Protest gegen AfD-Veranstaltung

Traditionell läuten um 21.45 Uhr, zum Zeitpunkt des ersten Bombenangriffs auf Dresden am 13. Februar 1945, die Glocken der Innenstadtkirchen. In der Frauenkirche lädt die "Nacht der Stille" bis spät in die Nacht zu einem besinnlichen Gedenken ein.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot in der Innenstadt unterwegs, darunter rund 30 Beamte in sogenannten Kommunikationsteams, um Konflikten vorzubeugen. "Der Tag ist bisher geprägt von friedlichem und stillem Gedenken", sagte ein Sprecher der Polizeidirektion am Mittwoch. Für den späteren Abend hatte sich die AfD auf dem Altmarkt angekündigt, das Bündnis "Dresden Nazifrei" hielt im Vorfeld mit einer Kundgebung dagegen. Nach eigenen Angaben versammelten sich rund 400 Menschen, um gegen die AfD zu protestieren.

Leid und Ursachen im Fokus

Oberbürgermeister Dirk Hilbert sagte im Vorfeld der Gedenkveranstaltungen, es gebe in der Stadt einen breiten Konsens darüber, wie das Gedenken zu gestalten sei. Neben der Erinnerung an das Leid stehe auch die Auseinandersetzung über die Ursachen der Zerstörung im Fokus. Auch das Engagement für Frieden, Demokratie und Menschenrechte gehöre dazu. Neben Hilbert hatten auch Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur sowie Gewerkschaften und die Jüdischen Gemeinde zur Beteiligung aufgerufen. Insgesamt wurden rund um den 13. Februar in Dresden mehr als 20 Demonstrationen, Mahnwachen und Versammlungen angemeldet.

Städtepartnerschaften mit Coventry und Wrocław feiern Jubiläum

Bereits im Vorfeld des Gedenktages feierte Dresden das 60-jährige Bestehen der Städtepartnerschaften mit Coventry und Wrocław. Dafür waren unter anderem der Bischof Christopher Cocksworth von Coventry und der Bischof der Diözese Wrocław, Waldemar Pytel, in die sächsischen Landeshauptstadt gekommen. Die zerstörte Kathedrale von Coventry, der in Trümmern liegende Wrocławer Dom und die Ruine der Dresdner Frauenkirche seien zu "Symbolen für die Grausamkeit des Zweiten Weltkriegs" geworden, erklärte Hilbert. Die drei Städte verbinde aber auch der Wille, "nicht in der Opferrolle zu verharren". In diesem Zusammenhang hat Bischof Cocksworth am Dienstag ein Nagelkreuz der Kathedrale Coventry an die Gedenkstätte Busmannkapelle in Dresden übergeben. Das Kreuz aus drei Zimmermannsnägeln der zerstörten Kathedrale ist das christliche Symbol für die Idee der Versöhnung der Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Partnerschaft mit Coventry wurde am 13. Februar 1959, die mit Wrocław am 7. Mai 1959 geschlossen.

25.000 Tote und eine zerstörte Stadt

Vom 13. bis zum 15. Februar 1945 wurde Dresden bei mehreren Luftangriffen britischer und US-amerikanischer Bomberverbände schwer getroffen. Bis zu 25.000 Menschen kamen ums Leben. Zu diesem Ergebnis kam eine Historikerkommission in ihrem Abschlussbericht 2010. Über genauen Opferzahlen wird bis heute kontrovers gestritten. Große Teile der Innenstadt wurden zerstört. Darunter auch die Frauenkirche.

Quelle: MDR/mar/dpa/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.02.2019 | ab 05:10 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 13.02.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2019, 20:25 Uhr

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