Neun Jahre nach rassistischem Angriff Gedenken vor Dresdner Landgericht an ermordete Marwa El-Sherbini

Sie hatte erst ein Jahr lang in Dresden gelebt, als ein Rassist sie im Landgericht Dresden ermordete. Zum neunten Mal haben heute Dresdner der Mutter Marwa El-Sherbini gedacht.

Am Sonntagnachmittag haben der Ausländerrat Dresden, Bürger und Politiker vor dem Landgericht Dresden der ermordeten Ägypterin Marwa El-Sherbini gedacht. 2009 war die Pharmazeutin und Handballnationalspielerin Opfer eines rassistischen Angriffs geworden. Sie hatte als Zeugin gegen einen ausländerfeindlichen Russlanddeutschen ausgesagt. Der ermordete die Frau mit 18 Messerstichen beim Verlassen des Landgerichts. Der gewaltsame Tod der schwangeren Frau verursachte damals weltweit Schlagzeilen.

"Auch in diesem Jahr denken wir wieder gemeinsam an diese mutige und starke Frau, die einem Rassisten auf schreckliche Art und Weise zum Opfer fiel", sagte Sachsens Gleichstellungs- und Integrationsministerin Petra Köpping vor dem Gedenktag in Dresden. Das tägliche Ringen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt stehe immer noch ganz oben auf der Agenda, betonte die SPD-Politikerin. Sie verlangte: "Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Gemeinschaft auseinanderdriftet und sich ein Klima ausbreitet, das geprägt ist von Hass und Angst."

Im Gerichtsgebäude soll es am Montag ein weiteres stilles Gedenken geben, zu dem Vertreter der Stadt Dresden und des Landes Sachsen erwartet werden.

Was passierte 2009 vor dem Landgericht? - 2008 hatte der Russlanddeutsche Alex W. die junge Mutter Marwa El-Sherbini auf einem Spielplatz beschimpft. Ein Zeuge alarmierte die Polizei. Der Vorfall landete vor dem Amtsgericht.
- Gegen den Strafbefehl mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je elf Euro ging W. in Widerspruch.
- In der Hauptverhandlung bekam er eine höhere Strafe und beleidigte das Opfer abermals. Die Staatsanwaltschaft ging erneut in Berufung und verlangte eine höhere Strafe.
- Nach der Berufungsverhandlung am 1. Juli 2009 griff der Angeklagte die Zeugin mit einem Messer an, ermordete sie mit 18 Messerstichen und verletzte den Ehemann, der als Genforscher in Dresden arbeitete, lebensgefährlich.
- Ende 2009 wurde W. zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest und betonte die niederen Beweggründe des Rassisten, nämlich Ausländerhass.

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 01.07.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2018, 16:31 Uhr

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