10.01.2020 | 17:20 Uhr Gespräch mit Jacob Perry über die Ermittlungen der israelischen Sicherheitsfirma

Journalisten aus dem ARD-Studio Tel Aviv haben mit dem CGI-Chef Jacob Perry über die Ermittlungen seiner Firma bezüglich des Juwelen-Diebstahls im Grünen Gewölbe gesprochen. Lesen Sie hier das komplette Interview.

Jacob Perry
Bildrechte: BR / ARD Studio Tel Aviv

Jacob Perry: Wir haben eine E-Mail aus dem Darknet bekommen. Wir haben versucht, darauf zu antworten und nachzufragen. In der E-Mail steht, dass sie Juwelen (eine Achselband, ein grünes Stück) für neun Millionen Euro anbieten und verhandeln wollen. Darauf haben wir geantwortet und sie haben zurück geschrieben. Ihre Antwort ist aber etwas kompliziert, sodass wir (die Firma CGI) beschlossen haben, alle E-Mails an den Staatsanwalt in Dresden zu senden. Bis jetzt haben wir aber noch keine Rückmeldung von ihm.

Was genau stand in den Mails?

Sie haben das Achselband mit dem besonderen grünen Stein angeboten. Dafür verlangen sie neun Millionen Euro. Und sie sagten, sie seien bereit, darüber zu verhandeln und wollen es für diesen Preis verkaufen. Darauf haben wir ihnen geschrieben, dass wir mehr Details wollen. Sie haben uns dann auf eine Art und Weise geantwortet, die keinen Sinn ergab. Dann haben wir entschieden, sie an die Behörden in Deutschland zu übermitteln.

Was wissen Sie über den Absender? Sie sprechen immer in der Mehrzahl?

Es scheint eine Gruppe zu sein und kein Individuum. Aber das kann ich nicht sicher sagen.

Wollen die "Händler" an das Museum verkaufen oder an andere?

Das haben sie nicht gesagt. Sie sagten nur, dass sie bereit seien, zu verkaufen. Aber nicht, dass sie es an das Museum zurückgehen sollen. Sie haben nur ein "Geschäftsangebot" gemacht.

Können die vermeintlichen Verkäufer auch Betrüger sein?

Absolut! Es kann gefälscht oder echt sein. Alles ist möglich, denn es wurde eine Belohnung ausgerufen. Also vielleicht will da jemand nur "spielen" und hat das Mail-Angebot verschickt.

Warum sind Sie so sicher, dass der Diebstahl ein Insider-Job war?

Wir haben noch andere Informationen, nicht die Kaufangebot-Mails, dass ein Mann, der zum Sicherheitsteam im Museum gehört, vor dem Diebstahl mit einem der Täter in Kontakt war. Auch diese Informationen haben wir dem deutschen Staatsanwalt mitgeteilt.

Wie sind Sie an diese Information gelangt?

Dazu kann ich keine Details nennen. Wir arbeiten für Klienten und das ist das Maximum, was wir verraten dürfen.

Sie haben die Informationen dem Museum gegeben. Was passiert jetzt?

Ich hoffe, dass die deutsche Polizei oder die Behörden herausfinden, wer diejenigen sind, die verhandeln wollen – wenn es stimmt. Wenn es nicht stimmt, sollten sie das enthüllen. Und natürlich sollten sie den- oder diejenigen identifizieren, der/die aus dem Museum an dem Diebstahl beteiligt war/waren.

Wer genau hat sie beauftragt? Denn das Museum hat einen Auftrag bestritten.

Wir wurden von einer Anwaltskanzlei beauftragt, die den Verwaltungsrat des Museums vertritt.

Denken Sie, dass die Juwelen gefunden werden?

Das ist wohl die Eine-Million-Euro-Frage (lacht). Ich weiß es nicht, aber ich hoffe es, denn sie sind wirklich wertvoll und historisch und ich hoffe, dass die deutsche Polizei ihren Job erfolgreich macht. Wir wünschen ihnen sehr viel Erfolg!

Vielen Dank für das Interview!

Quelle: MDR SACHSEN

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 10.01.2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2020, 17:24 Uhr

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