Gläserne Frau im Hygienemuseum
Die Gläsernen Figuren waren eine Sensation. Haut und Muskelgewebe sind durchsichtig und geben den Blick auf das Skelett, die inneren Organe sowie Blutgefäße und Nervenbahnen frei. Bildrechte: IMAGO

19.09.2019 | 19:01 Uhr Gläserne Figuren im Hygienemuseum Dresden sollen langsamer altern

Die im 20. Jahrhundert zu Anschauungszwecken am Deutschen Hygiene-Museum Dresden gefertigten Gläsernen Figuren sind nicht zu restaurieren. Stattdessen haben Experten einen Lösungsansatz gefunden, wie der Alterungsprozess der Kunstobjekte verlangsamt werden könnte.

Gläserne Frau im Hygienemuseum
Die Gläsernen Figuren waren eine Sensation. Haut und Muskelgewebe sind durchsichtig und geben den Blick auf das Skelett, die inneren Organe sowie Blutgefäße und Nervenbahnen frei. Bildrechte: IMAGO

Die Gläsernen Figuren im Deutschen Hygiene-Museum Dresden waren einst Sensation und Anschauungsmodell zugleich. Mittlerweile sind die Figuren geschrumpft, verformt und vergilbt statt glasklar. Rund 100 Experten aus Museen und Sammlungen diskutierten am Donnerstag über die Ergebnisse eines Forschungsprojektes zum Altersprozess an den Skultpuren. Ziel der Forschung sei es nicht, "die Figuren wieder schön zu machen", sagte Christoph Herm von der Dresdner Hochschule für Bildende Künste. "Aber der Alterungsprozess kann verlangsamt werden."

Restaurierung nicht möglich

Als Vermittlerin in der Rassismus-Ausstellung im Dresdner Hygiene-Museum.
Die Gläsernen Figuren sind nicht restaurierbar. Experten wollen die historischen Anschauungsobjekte dennoch erhalten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Anders als es der Name vermuten lässt sind die Gläsernen Figuren aus Celluloseacetat. Das Material wird vor allem im Film- und Fotobereich verwendet. Allerdings seien die Forschungen aus diesem Gebiet wegen der Dreidimensionalität der Figuren nicht übertragbar. Außerdem lassen sich Veränderungen an dem Werkstoff nur schwer beseitigen, erklärte Friederike Waentig von der Technischen Hochschule Köln und plädierte dafür, "die Veränderungen des Materials zu akzeptieren".

Lagerung unter optimalen Bedingungen

Zum Erhalt der Gläsernen Figuren sollen Konzepte entwickelt werden. Die Wissenschaftler definierten für die Lagerung konkrete Grenzwerte. Optimal wäre eine Temperatur von 15 Grad und 30 Prozent Luftfeuchte. Im Depot des Hygiene-Museums sind es "derzeit um die 20 Grad", bestätigte Sammlungsleiterin Susanne Roeßiger.

Hygienemuseum Dresden
Aktuell lagern elf Gläserne Figuren im Deutschen Hygienemuseum. Unter den Skulpturen finden sich eine Kuh, ein Pferd und eine Schwangere. Bildrechte: imago/Torsten Becker

Figuren werden Zeitzeugen

Nach Angaben von Roeßiger sind weltweit noch 38 der Gläsernen Figuren erhalten. Diese wurden zwischen 1925 und 2000 im Hygiene-Museum hergestellt. Beim Ur-Mann, der 1930 gefertigt wurde, lassen sich alle wesentlichen Bestandteile des Körpers in Funktion betrachtet. "Damals war das eine Sensation", bestätigt Roeßiger. Haut und Muskelgewebe sind durchsichtig und geben den Blick auf das Skelett, die inneren Organe sowie Blutgefäße und Nervenbahnen frei. Mit dem Aufkommen neuer Medien zur Betrachtung des Körperinneren hat sich ihre Bedeutung geändert, sagte Roeßiger. "Aus dem anatomischen Erklärmodell ist ein kulturhistorisches Objekt geworden."

Quelle: MDR/fg

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2019, 19:00 Uhr

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