Interview Hoflößnitz: Glühwein to go als letzter Hoffnungsschimmer im Weihnachtsgeschäft

Die Beschränkungen im Zuge der Corona-Maßnahmen verhageln vielen Händlern das Weihnachtsgeschäft. Weihnachtsmärkte sind inzwischen überall abgesagt, in vielen Städten gibt es Ausschankverbote für Alkohol und damit auch für Glühwein. Was bedeutet das für die Hersteller? MDR SACHSEN hat mit Jörg Hahn, Geschäftsführer des Weinguts Hoflößnitz in Radebeul bei Dresden, gesprochen. Er möchte noch keine Bilanz ziehen, hofft aber darauf, dass im nächsten Jahr alles wieder seinen normalen Gang geht.

Ein Glas mit weißem Glühwein mit Weihnachtsdekoration darum
Glühwein gehört zur Weihnachtszeit. In diesem jahr ist allerdings einiges anders als gewohnt, auch für die Hersteller. Bildrechte: Colourbox.de

Herr Hahn, Sich mit Freunden nach Feierabend auf dem Weihnachtsmarkt zum Glühwein trinken treffen, ist verboten. Merken Sie, dass das fehlt?

Natürlich fehlt das. Logisch. Zum Einen ist die Abendzeit, in der ich sonst aktiv sein muss, nicht mehr so intensiv. Zum Anderen merke ich es am Absatz des losen Weines. Der geht nicht so wie geplant oder wie es in den normalen Jahren der Fall ist.

Kann man das an Zahlen festmachen? Wie viel weniger ist es zurzeit?

Es gibt so einen klassischen Spruch: "Abgerechnet wird zum Schluss." Und so würde ich es auch halten wollen. Alles andere wäre orakeln. Die Saison geht bis Ende Dezember. Wir machen auch noch im Januar bei uns auf dem Hoflößnitz das "Hoflößnitzer Weinbergglühen", an allen Wochenenden im Januar und Februar. Erst danach kann man sagen, ob die Saison gelaufen oder nicht gelaufen ist. Jetzt wäre das schwierig zu definieren.

Blick das Haupthaus des Weingutes Hoflößnitz.
Auf dem Hoflößnitz läuft die Glühweinsaison bis in den Februar. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Das heißt, sie schauen wahrscheinlich sehr genau auf den Inzidenzwert. Schärfere Maßnahmen sollen ja bei einem Inzidenzwert über 200 getroffen werden. Ab dann heißt es ja auch kein Alkoholausschank. Das wäre für sie natürlich schwierig, oder?

Das wäre auf jeden Fall schwierig. Denn damit würde man uns diesen kleinen Hoffnungsschimmer, den wir in unserem Weingut haben, nehmen. Wir bieten hier noch Glühwein to go an, was positiv angenommen wird. Das funktioniert auch nach allen strengen Corona-Richtlinien und wäre so die letzte Glühbirne, die man ausknipst, um es dunkel zu haben.

Was erhoffen sie sich für die nächste Saison, wenn wir schon so weit gucken wollen?

Da uns Corona noch eine Weile begleiten wird, hoffe ich, dass es spätestens im Sommer alles wieder normale Bahnen läuft. So, dass wir nächstes Jahr wieder komplett auf altem Niveau anknüpfen und auch so produzieren können. Aber zum Glück gibt es ja ein paar Alternativen. Es gibt ja bei uns auch noch den Onlinehandel und unsere Vinothek verkauft unseren Glühwein. Durch diese Aktionen im Handel können wir versuchen, den Bedarf einigermaßen zu decken. Aber das ist natürlich schwierig.

Quelle: MDR/bj

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.12.2020 | 06:50 Uhr

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