Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)

27.11.2019 | 17:19 Uhr Kunstdiebstahl im Grünen Gewölbe Dresden: Etwa 20 Stücke fehlen

Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)

Zwei Tage nach dem Juwelendiebstahl im Historischen Grünen Gewölbe in Dresden gibt es einen ersten genaueren Überblick über die gestohlenen Gegenstände. Die Staatlichen Kunstsammlungen veröffentlichten am Mittwochnachmittag eine Liste der fehlenden Schmuckstücke. Die Diebe erbeuteten demnach elf komplette Objekte, Teile von zwei Objekten sowie mehrere diamantbesetzte Rockknöpfe. Damit fehlen insgesamt etwa 20 von insgesamt knapp 100 Einzelteilen der drei Juwelengarnituren. Kurz nach Bekanntwerden des Einbruchs am Montagmorgen war noch befürchtet worden, dass sämtliche Kunstgegenstände aus der zertrümmerten Vitrine verschwunden sind.

Überblick über die gestohlenen Kunstwerke
Diamantrosengarnitur Brillantgarnitur Diamantschmuck und Perlen der Königinnen
Degen Hutschmuck, sogenannter Reiherstutz Große Brustschleife der Königin Amalie Auguste
Zwei gewölbte Schuhschnallen Achselband oder Epaulette mit dem Sächsischen Weißen Brillanten Aigrette für das Haar in Form einer Sonne
Kleinod des Polnischen Weißen Adler-Ordens Bruststern des Polnischen Weißen Adler-Ordens Teilstück eines Muffhakens
Hutagraffe   Brillantkollier der Königin Amalie Auguste (in Teilen erhalten)
Große Diamantrose    
Epaulette (Teilstück vorhanden)    
10 Rockknöpfe (einzelne erhalten)    

Diese Kostbarkeiten verschwanden aus der Vitrine im Grünen Gewölbe

Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Das Juwelenzimmer in der Schatzkammer des sächsischen Kurfürsten mit der Schmuckvitrine, als sie noch vollständig war. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Das Juwelenzimmer in der Schatzkammer des sächsischen Kurfürsten mit der Schmuckvitrine, als sie noch vollständig war. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur
Die Diamantrosengarnitur Überblick über alle Teile der Diamantrosengarnitur Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinski
Degen (Diamantrosengarnitur)
Diamantrosengarnitur Degen aus der Diamantrosengarnitur Bildrechte: Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Jürgen Karpinski
Zwei gewölbte Schuhschnallen aus der Diamantrosengarnitur
Diamantrosengarnitur Zwei gewölbte Schuhschnallen aus der Diamantrosengarnitur Bildrechte: Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Kleinod des Polnischen Weißen Adler-Ordens: Er trägt 225 größere und kleinere Diamanten. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Hutagraffe: Der Diamant in der Schleife oben hat 24,98 Karat. Der Mittelstein unten in der Rosette zeichnet sich durch 16,5 Karat aus. Die Hutkrempe besteht aus 13 großen und 103 kleineren Diamanten, aus Silber und Gold. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Große Diamantrose (Diamantrosengarnitur)
Diamantrosengarnitur Große Diamantrose Bildrechte: Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Achselschleife (Epaulette) - Teilstück vorhanden: Das Schmuckstück trägt 20 große und 216 kleine Diamanten, besteht aus Gold und Silber. Die größte Diamantrose in der Mitte der Doppelschleife hat 31,5 Karat. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
10 Rockknöpfe aus der Diamantrosengarnitur
Diamantrosengarnitur 10 Rockknöpfe aus der Diamantrosengarnitur (einzelne erhalten) Bildrechte: Jörg Schöner
Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Überblick über die Brillantgarnitur Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinski
Hutschmuck, sogenannter Reiherstutz aus der Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Hutschmuck, sogenannter Reiherstutz Bildrechte: Jürgen Karpinski
Epaulette mit dem sog. "Sächsischen Weißen" aus der Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Epaulette mit dem sog. "Sächsischen Weißen" Bildrechte: Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Brillantgarnitur Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinksi
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Diese große Brustschleife gehörte Königin Amalie Auguste. Der Schmuck stammt aus dem Jahr 1782 und trägt 51 große und 611 kleine Brillanten. Die Steine werden von Gold- und Silbereinfassungen gehalten. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Aigrette für das Haar in Form einer Sonne Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
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Mindestens vier Täter

Die Ermittler gehen inzwischen von mindestens vier Beteiligten an dem Kunstdiebstahl aus. Das habe die Auswertung von vorliegendem Videomaterial ergeben, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Demnach warteten offenbar zwei der Täter im Fluchtwagen. Auf dem veröffentlichten Überwachungsvideo aus den Museumsräumen sind die anderen beiden Täter zu sehen, die den Einbruch ausführten.

Mehr als 200 Hinweise

Bei der Polizei gehen seit einem Zeugenaufruf und dem Freischalten eines Online-Portals immer mehr Hinweise ein. Wie ein Sprecher am Mittwoch erklärte, waren es bis zum Mittag bereits 205. Die Ermittler hoffen dabei nicht nur auf Beobachtungen zum Tatgeschehen am Dresdner Residenzschloss und zum Aussehen der Einbrecher, sondern beispielsweise auch zu möglichen Komplizen, zur Fluchtroute und einem möglichen weiteren Fluchtfahrzeug, nachdem der erste Pkw in einer Tiefgarage in Dresden-Mickten in Brand gesteckt wurde.
Die Hinweise würden ausgewertet und "priorisiert abgearbeitet", hieß es. Ermittler werten nach Polizeiangaben weiter Aufnahmen verschiedener Überwachungskameras aus.

Die laufende Auswertung der Tatortspuren stellt die Ermittler weiter vor große Herausforderungen. Grund ist das Pulver aus einem Feuerlöscher. Diesen hatten die Einbrecher offenbar entleert, um Spuren zu verwischen. Dadurch gestalte sich die Spurenanalyse sehr aufwändig, erklärte die Polizei.

Wieder Museumsbetrieb im Schloss

Unterdessen sind im Residenzschloss alle Museen mit Ausnahme des Historischen Grünen Gewölbes seit Mittwochvormittag wieder geöffnet. Die Spurensicherung der Kriminalpolizei an der Einbruchstelle im Außenbereich des Schlosses ist abgeschlossen. Dort schlossen Handwerker inzwischen die Lücke in dem massiven Fenstergitter. Der von den Einbrechern abgetrennte Teil wurde provisorisch durch Stahlstreben ersetzt. Auch in den Ausstellungsräumen des Grünen Gewölbes sind inzwischen Handwerker tätig. Zuvor hatten Restauratoren die noch vorhandenen Stücke aus der zertrümmerten Vitrine fachgerecht geborgen, um weitere Beschädigungen zu vermeiden. Noch ist nicht klar, ob beispielsweise die Perlenketten durch das versprühte Feuerlöschpulver angegriffen wurden.

Der Münchner Kunsthistoriker Christian Fuhrmeister appellierte an die Staatlichen Kunstsammlungen und ihre Besucher, trotz des schmerzlichen Verlustes den Blick jetzt nach vorn zu richten.

Kunst und Kunstschätze sind prinzipiell immer gefährdet. Das, was da ist, verdient unsere Wertschätzung. Nun haben wir im Grünen Gewölbe die Lücken und die Verletzung. Gleichzeitig ist aber so viel anderes da. Man darf es nicht übertreiben und sich nur noch auf den Verlust konzentrieren. Es gibt im Grünen Gewölbe noch so viel mehr zu bestaunen, zu lernen und zu entdecken. Wir sollten uns von so einer brutalen und gemeinen Sache nicht davon ablenken lassen, auf die anderen schönen Dinge zu achten.

Christian Fuhrmeister Kunsthistoriker am Zentralinstitut für Kunstgeschichte München

Reparaturarbeiten am und im Historischen Grünen Gewölbe Dresden

Grünes Gewölbe Dresden Außenansicht, repariertes Gitter, Schließschild
In das Fenster ganz links hinter dem Zaun waren die Diebe am frühen Montagmorgen eingestiegen. Bildrechte: xcitepress
Grünes Gewölbe Dresden Außenansicht, repariertes Gitter, Schließschild
In das Fenster ganz links hinter dem Zaun waren die Diebe am frühen Montagmorgen eingestiegen. Bildrechte: xcitepress
Reparaturarbeiten am Fenstergitter
Spezialisten schlossen am Mittwochvormittag die von den Einbrechern geöffnete Lücke. Bildrechte: xcitepress
Reparaturarbeiten am Fenstergitter
Ob die Einbrecher das abgestrennte Gitterstück mitgenommen haben oder es für die Spurensuche gesichert wurde, ist nicht mitgeteilt worden. Bildrechte: xcitepress
Grünes Gewölbe Dresden Außenansicht, repariertes Gitter, Schließschild
Die Handwerker passten ein Provisorium in die Lücke ein. Bildrechte: xcitepress
Grünes Gewölbe Dresden Außenansicht, repariertes Gitter, Schließschild
Wann das Historische Grüne Gewölbe wieder für Besucher öffnet, steht noch nicht fest. Bildrechte: xcitepress
Handwerker bringen Werkzeug ins Historische Grüne Gewölbe Dresden
Nach Abschluss der Spurensicherung durften zuerst die Restauratoren an den Tatort, danach die Handwerker. Bildrechte: xcitepress
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Quelle: MDR/stt/AFP/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.11.2019 | ab 05:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 27. November 2019, 17:19 Uhr

63 Kommentare

Noergelchen vor 1 Wochen

Ich begreife es nicht. Der Freistaat zahlt Unsummen für technische Sicherheit und Secutityfirmen und wenn es darauf ankommt funktioniert nichts! Die mit der Bewachung beauftragten Leute schließen sich lieber in der sicheren Wachstube ein, anstatt die Einbrecher zu stellen. Angeblich hatten sie Bedenken wegen der rohen Gewalt, mit der die Täter auf die Vitrinen eingeschlagen haben. Nur wie wären sie sonst mangels des Vitrinenschlüssels an die hinter Panzerglasscheiben aufbewahrten Juwelen herangekommen? Das Glas hätte eigentlich den Schlägen viel länger widerstehen müssen.
Weiterhin irritiert mich die relative Emotionslosigkeit der für das Museum Verantwortlichen. Ich persönlich bin über diese Frechheit furchtbar wütend, schließlich sind diese Wertsachen mit dem Fleiß und der Armut unserer Altvorderen erkauft worden und niemand hat das Recht, sie unserem Volk zu rauben.

DER Beobachter vor 1 Wochen

„Es sind mehrere Alarme ausgelöst worden, beim Einbruch selbst, durch die Bewegungsmelder im Raum, beim Aufbrechen der Vitrine und die Polizei ist beim ersten Alarm informiert worden.“ (Merkur) Das wirft noch mehr Fragen auf (also verstrichen mindestens 2 Minuten nach diesem ersten Alarm, bis infolge des Notrufes der erste Wagen hinrückte?) , zumal ebenda auch erwähnt wurde, dass der Bruch beim Rundgang des einen geschah ...

DER Beobachter vor 1 Wochen

Ich fand die Geschwindigkeit der Polizeipräsenz ja auch völlig in Ordnung, und logisch, dass Zeit wenig. Aber warum nicht Alarmkopf (was immer er noch auslöst/auslösen soll) UND Notruf mit nötigen Infos? Und warum erst über 1 Minute nach Beginn des Videos, eben wo die Scheiben offen sind?

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