19.01.2020 | 12:09 Uhr | Update Besetzer von drei Häusern in der Dresdner Neustadt wollen bleiben

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Der Spruch "Lerchstand zu Freiraum" leitet sich vom Motto "Leerstand zu Freiraum" ab und ist an den Namen des Geschäftsführers der Castello AG, Roman Lerch, angelehnt. Das Unternehmen besitzt nach Angaben der Aktivisten viele Wohnungen in Dresden, wofür sie in deren Kritik stehen, da der Wohnraum nicht gerecht verdient sei und Menschen dafür ausgebeutet und verdrängt würden. Bildrechte: xcitePRESS

Aus Protest gegen steigende Mieten und Leerstand besetzen Demonstranten seit Freitag in der Dresdner Neustadt drei leerstehende Häuser. Wie sie am Sonntag auf Anfrage mitteilten, wollen sie die Aktion unbefristet fortsetzen. Die Polizei sei nicht mehr vor Ort, mit den Besitzern der Häuser, der Argenta Group aus München, stehe man in Kontakt.

Nach Angaben der Polizei versammelten sich bereits am Freitagabend vor dem Gelände rund 50 Personen mit Transparenten zu einer Spontandemonstration. Anmelderin sei die Linken-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel gewesen. Die Versammlung habe sich gegen 22 Uhr freiwillig aufgelöst.

Die Besetzer blieben. Am Sonnabend luden sie Interessierte zum Frühstück ein. "Wir wollen das Gelände halten und möglichst bald für alle zugänglich machen!", hieß es im Blog der Aktivisten. Es seien Interessierte gekommen, hieß es. Zu einer Kundgebung waren Samstagabend nach Angaben der Hausbesetzer rund 150 Demonstranten gekommen. Auch am Sonntag soll eine Kundgebung stattfinden

Ziel: Gelände der Öffentlichkeit zugänglich machen

Im Gespräch mit MDR SACHSEN erklärte ein Sprecher am Freitag, man wolle, dass das Gelände der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde. Demnach sollen die Gebäude in der Königsbrücker Straße zum Wohnen, für Vereine und als Veranstaltungsräume genutzt werden. Die Gruppe habe dem Eigentümer, der Argenta Group aus München, bereits entsprechende Pläne vorgelegt.

Ein besetztes Haus
Die Hausbesetzer wollen vorerst bleiben. Bildrechte: MDR/xcitepress

Die Ortsgruppe der Piratenpartei stellte sich ebenfalls hinter die Aktion: Die Forderungen der Gruppe "Wir besetzen Dresden" könne man "vorbehaltlos unterstützen", teilte Stadtbezirksrat Jan Kossick am Freitag mit. "Unser Anliegen ist, eine Luxusbebauung durch Investoren zu verhindern", so Kossick. Im Dresdner Stadtrat sei vergangenen Montag über die Zukunft des Geländes diskutiert worden, welches sich zurzeit in Privatbesitz befindet.

Die Polizei hat eigenen Angaben zufolge Kontakt mit einem Vertreter des Eigentümers aufgenommen. Dieser behalte sich weitere Schritte vor und wolle von sich aus die Öffentlichkeit informieren, sagte ein Polizeisprecher MDR SACHSEN.

Die Gruppe "Wir besetzen Dresden" hat in der Vergangenheit schon mehrfach leerstehende Immobilien in Dresden besetzt. Für größere Aufmerksamkeit sorgte die Besetzung einer alten Villa am Basteiplatz.

Quelle: MDR/cb/jr/lam/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.01.2020 | 18:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2020, 12:07 Uhr

110 Kommentare

nemesis77 vor 5 Wochen

90 Tage sollten reichen um entsprechenden Druck aufzubauen. Denn Kapital ist wie ein scheues Reh... usw. Rechtssicherheit sollte nicht nur für die Interessen der Kapitalgesellschaften und deren Anleger gelten(ich bin auch einer davon), sondern auch die Gesellschaft vor den negativen auswüchsen Selbiger schützen. Deshalb Klagewege verkürzen, Fristen straffen und ultima ratio enteignen. Aber eben nicht 20 Jahre warten. Ist mir wirtschaftlich auch unerklärlich warum die in dieser Wohnlage nicht anfangen zu sanieren.

nemesis77 vor 5 Wochen

Mir gefällt die Vieldeutigkeit von Nemesis. Die gr. mythologische ist aber am treffendsten. Auch wenn Nemesis eigentlich eine Göttin ist und ich selbst zum anderen Geschlecht gehöre. :-) Aber das ist auch eine Errungenschaft der freiheitl. Demokratie.

nemesis77 vor 5 Wochen

Vielen Dank für die Informationen. Ich war SaZ mit Studium. Danach viele Jahre selbständig und jetzt Angestellt in der Nahrungsmittelindustrie. Selbst und ständig geht mit Familie irgendwann an die Substanz, auch wenn gut honoriert. Seit meinem Offz-Lehrgang in DD liebe ich diese Stadt. Das Grundlegende Problem, bei vielen Diskussionen und Kommentaren die ich lese ist, es gibt nirgends die Möglichkeit mal eine "real Life" Diskussion in einem kleinen Rahmen zu starten und sich mal von Angesicht zu Angesicht Argumente auszutauschen. Ich verorte mich selbst eher in der konservativen Ecke und stehe, auf Grund eigener Erlebnisse und Erfahrungen, dem Zustrom ungebildeter, meist muslimischer junger Männer sehr skeptisch gegenüber. Immobilienspekulationen, die das grundlegende Problem und Auslöser für die Besetzung in DD sind, lehne ich ebenfalls ab. Deshalb finde ich abweichende Haltungen und Meinungen wichtig, aber ohne "Schaum vorm Mund" u. unter Einbeziehung der vorhandenen Schnittmengen.

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