27.06.2020 | 14:15 Uhr Hilfe! Mein Kind will studieren - Studienkompass zeigt Wege

eine Frau sitzt vor einer Videokonferenz. Auf dem Bildschirm sieht man 20 junge Menschen einzeln ebenfalls vor Computer sprechen. Die 20 sind die diesjährien Absolventen des Karrierecoachings Studienkompass. Die jungen Leute wurden drei Jahre lange begelitet von der 11. Klasse bis zum Abitur und im 1. Studienjahr.
Wegen der Corona-Einschränkungen konnten sich die 20 Dresdner Absolventen des Studienkompass-Jahres zur Abschlussrunde nur virtuell per Videoschalte treffen und voneinander verabschieden. Bildrechte: Anja Bartschat

"Was will ich später mal machen? Ist das das Richtige für mich und woher soll ich denn wissen, was es alles gibt?" Diese Fragen kennen Schulabsolventen nur all zu gut. Auch Mandy Tennert und Lissy Höbelt haben sich damit lange herum geplagt. In der 11. Klasse hörten sie in der Schule von der Möglichkeit, sich für ein Förderprogramm namens "Studienkompass" zu bewerben. Das Projekt richtet sich an junge Leute, die die Ersten in ihren Familien sind, die studieren wollen.

Die Studentin Sissy Höbelt aus der Nähe von Freiberg steht vor den Niagarawasserfällen in die USA und lächelt in die Kamera.
Sissy Höbelt aus der Nähe von Freiberg studiert mittlerweile in Jena. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Ich war lange sehr unsicher, was ich studieren will", sagt Sissy Höbelt aus Sohra bei Freiberg. Ihre Familie habe es anfangs eher befürwortet, dass sie sich eine Ausbildung sucht, wollte sie aber auch in ihrem Wunsch unterstützen, zu studieren. Nur was? Das blieb lange die große Frage. "Ich wusste auch nicht wirklich, was ich einmal studieren will", erzählt Mandy Tennert aus Dresden. Ihr Vater hätte eine Lehre besser gefunden und meinte, da hätte man gleich etwas in der Hand. Beide Schülerinnen bewarben sich 2017 um einen Platz beim Studienkompass und wurden angenommen, ebenso wie 18 weitere Schüler aus der Region Dresden und 280 weitere Teenies bundesweit in dem Jahr.

Vor Berufswahl Selbstvertrauen und Wissen stärken

In fünf Workshops wurden erst ihre Stärken und Wünsche besprochen und gefiltert. Später informierten sich die junge Leute darüber, was man wie und wo alles studieren kann und wie man ein Studium finanziert. Auch das baue Ängste und Vorbehalte ab. "Es ist wichtig zu wissen, was es alles gibt. Immerhin sind es mehr als 1.000 Berufe und Studienangebote. Zudem verändern sich Berufe heutzutage schnell", erklärt der Studienkompass-Leiter Ulrich Hinz MDR SACHSEN.

Workshops klingt immer so anstrengend. Die haben aber richtig Spaß gemacht, wir konnten viele Fragen stellen.

Sissy Höbelt über ihre Erfahrung als Studienkompass-Teilnehmerin

Das gemeinnützige Programm wolle gleiche Chancen für alle ermöglichen und den Blick für die vielen Berufswege im Leben öffnen. "Talente und Neigungen sollen Karrieren bestimmen, nicht die Herkunft", meint Hinz. Und: "auch nicht allein die Vorstellung der Eltern, die ihren Sohn unbedingt Arzt werden lassen wollen, wenn er lieber Sport studieren möchte."

Oft haben Eltern besonders hohe Vorstellungen und üben Druck aus. Es kommt aber darauf an, was der junge Mensch will. Berufe kann man sich nur gezielt aussuchen, wenn man weiß, was man besonders gut kann.

Ulrich Hinz Leiter Studienkompass

Begleitung in entscheidenden Übergangsphasen

Ein Mädchen steht vor einem Canyon und lächelt in die Kamerra.
Mandy Tennert aus Dresden reist gern und spricht fließend Englisch. Das nützt ihr beim englischsprachigen Wirtschaftsstudium mit Tourismusschwerpunkt in Stralsund. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Drei Jahre lang begleitet der Studienkompass die jungen Leute - über das Abitur hinaus bis zum Ende des ersten Studienjahres. Damit solle verhindert werden, dass die Neu-Studenten vorschnell ihre akademische Ausbildung abbrechen. Laut Studienkompass-Analyse beenden weniger als fünf Prozent der Programm-Teilnehmer später ihr Studium vorzeitig. Zum Vergleich: 2017 und 2018 warf bundesweit jeder dritte Bachelorstudent sein Studium vorzeitig hin.

Ich frage mich, ob ich auch von selbst auf meine Studienwahl gekommen wäre - ohne den Studienkompass.

Mandy Tennert studiert Wirtschaft und Tourismus

Sissy Höbelt hat ihrer Meinung nach "genau das richtige gefunden". Sie studiert im 2. Semester Psychologie in Jena und würde gern in die Klinische Psychologie gehen. "Ich bin sehr froh, dass ich mich so entschieden habe", sagt die heute 21 Jahre alte Akademikerin.

Auch Mandy Tennert ist mit ihrer Wahl glücklich. Sie studiert Leisure and Tourism Management an der Hochschule Stralsund, ein englischsprachiger Wirtschaftssudiengang mit Tourismusaspekten. Sie wünscht sich für viele Schüler in Abschlussklassen, dass es mehr Informationsangebote gibt. "Es wäre gut, wenn erfahrene Studenten in die Klassen gehen würden und dort erzählen könnten, was sie mit ihrem Abschluss machen wollen und wie das alles so läuft."

Was steckt hinter dem Studienkompass? Der Studienkompass wurde 2007 von der Accenture-Stiftung, der Deutsche Bank Stiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) gegründet. Weitere Stiftungen, Firmen, Großaktionäre und Wirtschaftsverbände unterstützen die Initiative.

Bislang wurden nach Stiftungsangaben 4.250 Jugendliche gefördert.
Der nächste Jahrgang mit 250 Schülern startet im September 2020.

Auch wer kein Absolvent des Programms ist, kann sich die gleichnamige App herunterlunterladen und sich einen Überblick über Studienangebote verschaffen.

Quelle: MDR/kk

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