Grünes Gewölbe Dresden Außenansicht, repariertes Gitter, Schließschild
Bildrechte: xcitepress

02.12.2019 | 10:05 Uhr | Update Grünes Gewölbe: Das ist zum Einbruch in Dresden bekannt

Grünes Gewölbe Dresden Außenansicht, repariertes Gitter, Schließschild
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Was ist aktuell über den Juwelendiebstahl bekannt?

Bei dem Einbruch in das Grüne Gewölbe sind etwa 20 Stücke gestohlen worden. Das gaben die Staatlichen Kunstsammlungen zwei Tage nach dem Einbruch (der war am 25. November 2019) nach einer Bestandsaufnahme bekannt. Die Diebe erbeuteten demnach elf komplette Objekte, Teile von zwei Schmuckstücken sowie mehrere diamantbesetzte Rockknöpfe. Die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen, Marion Ackermann, sagte, es sei weniger gestohlen worden als zunächst angenommen. Unbekannte hatten 25. November 2019 eine Vitrine mit dem wertvollsten Schmuck der Sammlung im Juwelenzimmer aufgebrochen. In der Vitrine lagen drei hochkarätige Schmuckensembles mit insgesamt 100 Einzelstücken.

Bildergalerie Diese Kostbarkeiten verschwanden aus der Vitrine im Grünen Gewölbe

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben nun mitgeteilt, welche Schmuckstücke am Montagmorgen gestohlen worden. Für die Schäden haftet der Freistaat, eine eigene Versicherung gibt es nicht.

Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Das Juwelenzimmer in der Schatzkammer des sächsischen Kurfürsten mit der Schmuckvitrine, als sie noch vollständig war. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Das Juwelenzimmer in der Schatzkammer des sächsischen Kurfürsten mit der Schmuckvitrine, als sie noch vollständig war. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur
Die Diamantrosengarnitur Überblick über alle Teile der Diamantrosengarnitur Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinski
Degen (Diamantrosengarnitur)
Diamantrosengarnitur Degen aus der Diamantrosengarnitur Bildrechte: Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Jürgen Karpinski
Zwei gewölbte Schuhschnallen aus der Diamantrosengarnitur
Diamantrosengarnitur Zwei gewölbte Schuhschnallen aus der Diamantrosengarnitur Bildrechte: Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Kleinod des Polnischen Weißen Adler-Ordens: Er trägt 225 größere und kleinere Diamanten. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Hutagraffe: Der Diamant in der Schleife oben hat 24,98 Karat. Der Mittelstein unten in der Rosette zeichnet sich durch 16,5 Karat aus. Die Hutkrempe besteht aus 13 großen und 103 kleineren Diamanten, aus Silber und Gold. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Große Diamantrose (Diamantrosengarnitur)
Diamantrosengarnitur Große Diamantrose Bildrechte: Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Achselschleife (Epaulette) - Teilstück vorhanden: Das Schmuckstück trägt 20 große und 216 kleine Diamanten, besteht aus Gold und Silber. Die größte Diamantrose in der Mitte der Doppelschleife hat 31,5 Karat. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
10 Rockknöpfe aus der Diamantrosengarnitur
Diamantrosengarnitur 10 Rockknöpfe aus der Diamantrosengarnitur (einzelne erhalten) Bildrechte: Jörg Schöner
Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Überblick über die Brillantgarnitur Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinski
Hutschmuck, sogenannter Reiherstutz aus der Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Hutschmuck, sogenannter Reiherstutz Bildrechte: Jürgen Karpinski
Epaulette mit dem sog. "Sächsischen Weißen" aus der Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Epaulette mit dem sog. "Sächsischen Weißen" Bildrechte: Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Brillantgarnitur Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinksi
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Diese große Brustschleife gehörte Königin Amalie Auguste. Der Schmuck stammt aus dem Jahr 1782 und trägt 51 große und 611 kleine Brillanten. Die Steine werden von Gold- und Silbereinfassungen gehalten. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Aigrette für das Haar in Form einer Sonne Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
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Welche Juwelen wurden gestohlen?

Es handelt sich um den Staatsschatz aus dem 18. Jahrhundert. August der Starke wollte unbedingt die wertvollsten Juwelen besitzen und sammelte Diamanten und Brillanten in Ensembles. Teile von drei solcher zusammengestellten Garnituren wurden gestohlen. Sie bestehen aus insgesamt rund 100 Broschen, Knöpfen, Knäufen, Orden und Schnallen. Das Besondere dieser Garnituren sei ihre Zusammenstellung als Gruppe und die Bearbeitung der Edelsteine mit speziellen alten Schleiftechniken.

Diese Garnituren sind laut Kunstsammlungen nicht vom Einbruch betroffen:

  • die Achatgarnitur (80 Teile)
  • die Saphirgarnitur (67 Teile)
  • die Karneolgarnitur (124 Teile)
  • die Smaragdgarnitur (55 Teile)
  • die Rubingarnitur (66 Teile)
  • die Schildplattgarnitur (129 Teile)
  • die Topasgarnitur (85 Teile)

Wie hoch ist der Wert der Juwelen?

Ein genauer finanzieller Schaden lasse sich nicht beziffern, sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann. "Wir können es gar nicht in einem Wert auflösen, da es unverkäuflich ist - es gibt keinen finanziellen Wert, mit dem wir arbeiten." Der materielle Wert sei gar nicht so hoch, aber eben der ideelle, betonte die Generaldirektorin. Die drei gestohlenen Garnituren galten als die kostbarsten der Sammlung.

Es gibt keine europäische Sammlung mit so einer Juwelensammlung. Es ist eine Art Weltkulturerbe.

Dirk Syndram Direktor Grünes Gewölbe

Können solche Schätze auf dem Kunstmarkt überhaupt verkauft werden?

Die Staatlichen Kunstsammlungen setzen auf den Bekanntheitsgrad der Juwelen, die im Grunde auf dem offiziellen Markt unverkäuflich sind. Sollten die Garnituren aus Diamanten und Brillanten zerstört, zerschnitten oder anderweitig zerstückelt werden, "dann wäre das schrecklich", urteilte Generaldirektorin Ackermann.

Es wäre eine Dummheit, das zu machen.

Dirk Syndram Museumsdirektor Grünes Gewölbe

Die gestohlenen Brillant- und Diamantgarnituren sind für das Museum unersetzlich und für die Diebe unverkäuflich, sagte auch der Museumschef Dirk Syndram. "Das sind alles Schliffe des 18. Jahrhunderts, man kann solche Steine nicht einfach zu Geld machen." Die Historizität und der Erhalt der Schmuckstücke machten deren Wert aus, herausgebrochene Diamanten entwerteten sie. "Es wäre eine Dummheit, das zu machen."

Was ist über die Täter bekannt?

Die Ermittler gehen inzwischen von mindestens vier Beteiligten an dem Kunstdiebstahl aus. Das habe die Auswertung von vorliegendem Videomaterial ergeben, teilte die Polizei mit. Demnach warteten offenbar zwei der Täter im Fluchtwagen. Auf dem veröffentlichten Überwachungsvideo aus den Museumsräumen sind die anderen beiden Täter zu sehen, die den Einbruch ausführten.

Die Museumsleitung geht davon aus, dass die Täter über detailliertes Wissen über das Grüne Gewölbe verfügten. Es stelle sich die Frage über eine mögliche Mittäterschaft in den eigenen Reihen. Dies müsse die Polizei jetzt herausfinden, erklärte SKD-Chefin Marion Ackermann am Dienstag. "Das wäre bei uns die Schrecklichste aller Vorstellungen."

Wie sind die Juwelendiebe ins Grüne Gewölbe gelangt?

Die Polizei sagte, die Täter haben ein Gitterfenster zerschnitten, eine Fensterscheibe eingeschlagen und sind durchs Fenster eingestiegen. Dann sind sie durch den Pretiosensaal ins Juwelenzimmer gelaufen und zielgerichtet auf eine Vitrine zugegangen. Dort haben sie das Sicherheitsglas mit mindestens zwölf Axthieben zertrümmert, drei Juwelen-Garnituren gestohlen und sind durchs Fenster zurück ins Freie gelangt.
Die Sicherheitsmitarbeiter haben auf den Videoaufzeichnungen auch ein Fluchtauto gesehen, das vor dem Residenzschloss gewartet haben soll. Weil es morgens kurz nach 5 Uhr noch dunkel war, konnten sie nicht viel erkennen, erklärte die Polizei.

Eine dunkle Gestalt hat eine Taschenlampe in der Hand, funzelt damit in einem Museumsraum herum und hackt dann mit einer Axt auf die Glasvitrine ein.
Bildrechte: Polizei Dresden/Screenshot

Wurde kein Alarm ausgelöst?

Laut Kunstsammlungen wurde am Montagmorgen kurz hintereinander dreimal Alarm in der Sicherheitszentrale ausgelöst. Das Wachpersonal sah die Einbrecher auf der Überwachungskamera. Daraufhin rief ein Wachmann per Telefon die Polizei. Unklar ist, was außerhalb des Gebäudes passiert ist. Es wurden keine Angaben gemacht, ob Videoaufzeichnungen vom Einstieg der Diebe durch das Fenster in der Sophienstraße existieren.

Wie lief der Polizeieinsatz ab?

Der Dresdner Polizeipräsident Jörg Kubiessa stellte auf der Pressekonferenz am Montagmittag den bekannten zeitlichen Ablauf der Tat und des Polizeieinsatzes vor:

  • 4:59 Uhr - Eingang des Notrufes vom Sicherheitspersonal bei der Polizei
  • 5:04 Uhr - erster Funkstreifenwagen vor Ort - Funkrundspruch
  • 5:05 Uhr - erster Hinweis auf Fluchtfahrzeug durch das Wachpersonal (über Videokamera)
  • 5:08 Uhr - Kriminaldauerdienst trifft vor Ort ein
  • 5:09 Uhr - alle verfügbaren 16 Funkstreifenwagen sind vor Ort
  • 5:09 Uhr - erste Hinweise auf Stromausfälle
  • 5:21 Uhr - Meldung über defekten Stromverteiler am Theaterkahn
  • 5:22 Uhr - Bundespolizei, Polizeidirektionen Görlitz und Chemnitz und die Polizei Brandenburg werden informiert
  • 7:00 Uhr - Tatortgruppe des Landeskriminalamtes wird angefordert, um "objektive Spuren" zu sichern

Wie wird ermittelt?

Die Polizei hat eine Soko eingerichtet. Ihr gehören in zwischen 40 Beamte an. Die Abteilung Organisierte Kriminalität der Staatsanwaltschaft Dresden hat die Ermittlungen übernommen. Mittlerweile arbeiten drei Staatsanwälte schwerpunktmäßig an dem Fall. Staatsanwaltschaft und Polizei haben eine halbe Million Euro Belohnung für Hinweise ausgelobt.

Am 3. Dezmber waren 516 Hinweise bei der Polizei eingegangen. Die Ermittler hoffen nicht nur auf Beobachtungen zum Tatgeschehen am Dresdner Residenzschloss und zum Aussehen der Einbrecher, sondern beispielsweise auch zu möglichen Komplizen, zur Fluchtroute oder dem Fluchtfahrzeug. Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet. Allein darüber waren in den vergangenen Tagen 160 Hinweise eingegangen.

Eine Woche nach dem Einbruch stellten Polizei und Staatsanwaltschaft den Einbruch nach. Dabei wurden die Zeitabläufe draußen am vergitterten Fenster überprüft und die Abläufe in der Sicherheitszentrale des Museums abgeglichen.
Bei der Aufklärung des Einbruchs hilft die Hochschule Mittweida mit. Im Auftrag der Sonderkommission sollen Experten in erster Linie das umfangreiche Videomaterial analysieren und dessen Qualität verbessern. Davon erhoffen sich die Ermittler neue Fahndungsansätze.

Polizeieinsatz am Dresdner Grünen Gewölbe.
Bildrechte: xcitePRESS

Die Fahnder haben verschiedene Tätergruppen im Blick: Die Täter könnten für den Diebstahl eingereist sein, als reisende Täter in Deutschland unterwegs gewesen sein oder auch Bezug zu anderen Kunstdiebstahl-Fällen haben. Deshalb prüft die Polizei Verbindungen zum Diebstahl im Bode-Museum Berlin. Dort hatten jugendliche Diebe eines Familienclans 2017 eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze gestohlen und per Schubkarre in Sicherheit gebracht.

Was ist mit dem Fluchtauto?

In einer Tiefgarage stehen Feuerwehrleute neben einer ausgebrannten Limousine. Sie war am 25.11.2019 in Brand geraten. Die Feuerwehr musste insgesamt vier Autos löschen. Ist unter den Autos auch das Fluchtfahrzeug der Kunsträuber des Grünen Gewölbes Dresden? Spekulationen dazu gibt es. Die Polizei Dresden ermittelt.
Bildrechte: Roland Halkasch

15 Minuten nach dem Notruf vom Grünen Gewölbe wurde die Feuerwehr zu einem Brand in einer Tiefgarage in Pieschen gerufen. In der Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses in der Kötzschenbroder Straße (nahe der Autobahn A4) brannten vier Autos. Bei einem Audi A6 haben laut Polizei alle vier Autotüren offen gestanden. Zudem hat es nach Benzin gerochen. Der Besitzer hatte das Auto abgemeldet. Am Dienstag bestätigte die Polizei, dass es sich bei dem Auto um das Fluchtfahrzeug handelt. In dem Auto sei unter anderem Einbruchwerkzeug gefunden worden.

Gibt es Zusammenhänge mit einem Stromausfall ganz in der Nähe am frühen Morgen?

An einem Verteiler nahe der Augustusbrücke war ein Brand gemeldet worden. Um 5:10 Uhr morgens rückte dort die Feuerwehr aus. Der Löscheinsatz ging bis 7 Uhr morgens. In Folge des Brandes fielen die Straßenlaternen rings um das Residenzschloss aus. Auch hier prüft die Polizei einen Zusammenhang mit dem Juwelendiebstahl. Fest stand am Dienstag: Der Brand wurde vorsätzlich gelegt und legte die Straßenbeleuchtung lahm. Ob auch die Stromversorgung im Residenzschloss unterbrochen war, ist nicht bekannt.

Was könnte hinter dem Diebstahl stecken?

Theoretisch könnten die Räuber Lösegeld für die Beute verlangen. Dafür gibt es laut Dresdner Polizei bislang keine Erkenntnisse. Gemutmaßt wird auch, dass der Juwelendiebstahl eine Auftragstat war - womöglich von einem Privatmann initiiert, der den Schmuck in seinem eigenen Umfeld haben will. Aber auch das ist rein spekulativ.

Wann können Besucher wieder ins Grüne Gewölbe?

Die Museen im Residenzschloss haben seit 27.11.2019 wieder regulär geöffnet. Das Historische Grüne Gewölbe bleibt für die Besucher für längere gesperrt.

Im Außenbereich haben Handwerker inzwischen die Lücke in dem massiven Fenstergitter geschlossen. Der von den Einbrechern abgetrennte Teil wurde provisorisch durch Stahlstreben ersetzt. Auch in den Museumsräumen sind inzwischen Handwerker tätig. Die polizei bewacht das Gelände ringsum.

Quelle: MDR/kk/jr/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 25.11.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2019, 09:47 Uhr

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