Reportage Bauarbeiten am Dresdner Hauptbahnhof in heißer Phase

Ferienzeit ist Baustellenzeit. Während viele Menschen in klimatisierten Büros sitzen und der Hitze so entkommen können, leisten Menschen auf dem Bau bei dieser Hitze Höchstleistungen. Auch an der Baustelle am Dresdener Hauptbahnhof wird bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Celsius-Marke gearbeitet.

Absperrung am Gleis im Dresdner Hauptbahnhof
In Teilen gesperrt: Am Dresdner Hauptbahnhof werden Bahnsteige erneuert und Fluchttunnel gebaut. Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

9 Uhr morgens und schon 27 Grad Celsius im Schatten. Für die Bauarbeiter der Firma "Sächsische Bau" ist das Alltag. Seit März 2018 sanieren sie die Mittelhalle des Dresdner Hauptbahnhofs, bauen einen Fluchttunnel und erneuern gleichzeitig die Bahnsteige.  

Bahnhofsdach wird zum Brennglas

Axel Bormann ist der Oberbauleiter dieses Projekts. Mit einer orangenen Weste bekleidet, öffnet er den Bauzaun, auf dem ein großes Schild hängt: Fußgänger haben hier keinen Zutritt. Er deutet in die hohen Hallen des Bahnhofs. Gerade zum Nachmittag, wenn die Sonne durch das Glas auf die Baustelle scheint, "steigen hier die Temperaturen, wie unter einem Brennglas". So beschreibt Bormann die Gewächshaus-Atmosphäre.

Mann mit roter Weste (Bauleiter Axel Bormann) vor Baustelle im Dresdner Hauptbahnhof
Oberbauleiter Axel Bormann weiß, wie erdrückend heiß sich diese Temperaturen für "seine Männer" anfühlen können. Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

In den Sommerferien zu arbeiten, sei weniger schlimm, sagt er: "Aber grade für unsere Jungs, die auf der Baustelle vor Ort sind und jeden Tag schwere körperliche Arbeit machen, da ist es natürlich schon eine große Belastung bei Temperaturen über 30 Grad." Um diese Belastung etwas abzufedern und die Bauarbeiter vor Hitze und Sonne zu schützen, hat der Bauleiter für seine Mitarbeiter vorgesorgt: "Also Wasser steht von der Firma auf jeden Fall zur Verfügung. Wir stellen auch eine Tube Sonnencreme hin und es können natürlich mehr Pausen gemacht werden, während der Arbeit, sodass man sich mal in den Schatten stellen kann für zehn Minuten und mal was trinken kann in Ruhe. Aber viel mehr können wir da leider nicht machen."

Auf dem Bau nicht praktikabel: Arbeitszeit in Morgenstunden verschieben

Noch eine Möglichkeit wäre, die Arbeit in die Nacht oder die frühen Morgenstunden zu verlegen. Doch das sei leider nicht überall möglich, so Bormann. Vor allem auf innerstädtischen Baustellen, so wie der am Dresdner Hauptbahnhof, sei das wegen der Lärmschutzbestimmungen eher schwierig. Früher zu Arbeit kommen wäre für die Bauarbeiter kein Problem, aber nur wenn dann auch die Arbeitszeiten eingehalten würden. In seinem Team klappt das aber nicht immer. Die Mitarbeiter ziehen meist bis zum Nachmittag durch und hätten nicht immer ihre reguläre Arbeitszeit im Blick.

Baustelle im Dresdner Hauptbahnhof, Absperrungen und Geräte unter großer Stahlgerüst-Halle
Die Glasdecke wirkt am Nachmittag wie ein Brennglas und für die Bauarbeiter wird es anstrengender. Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Die Bauarbeiter gehen mit den hohen Temperaturen und der Hitze gelassen und pragmatisch um: "Da können wir nicht viel dran ändern", sagt einer von ihnen. Sie sind es gewohnt, im aufgeheizten Baucontainer ihre Frühstücksschnitten zu essen und ihren Kaffee zu schlürfen - so auch am Dienstag. Die meisten von ihnen arbeiten schon jahrelang auf dem Bau. Ihre Tipps gegen die Hitze: "Viel trinken, Kopfbedeckung und eincremen!". Wenn Bauleiter Bormann also häufiger zu Pausen rät, nehmen seine Männer sich diesen Ratschlag gern zu Herzen.

Wenn es gar nicht mehr geht, besteht schon die Möglichkeit, dass man auch mal eine Pause öfter einschiebt und zehn Minuten in den Schatten geht.

Bauarbeiter

Zeitverzug bei Bauarbeiten

Kaum hat er das ausgeprochen, reißt er seine grüne Paprika mit den Händen in zwei Hälften und beißt hinein. Sein Kollege ergänzt nach einem Schluck aus seiner Wasserflasche: "Mir tun ja immer die Leute leid, die bei dieser Arbeit Asphalt machen müssen oder irgendwas, das ist echt krank!". Schlimmer geht anscheinend nimmer, so sehen es die Bauarbeiter und gehen wieder zurück an ihre Arbeit. Gebaut werden muss schließlich, auch im Sommer. Die Bauvorhaben an Bahnsteigen und Fluchttunneln im Dresdner Hauptbahnhof sollten eigentlich schon in den letzten Zügen sein. Aber auch die Hitze trägt mit dazu bei, dass nicht alles termingerecht fertig wird. Mitte 2020 sollten hier bereits wieder Züge rollen. Bormann und sein Team wollen im April 2021 nun endgültig fertig werden.

Bagger und roter Betonmischer auf Bahnsteig am Dresdner Hauptbahnhof
Seit März 2018 saniert die "Sächsische Bau" die Mittelhalle des Dresdner Hauptbahnhofs. Dazu gehört auch ein neuer Fluchttunnel und neue Bahnsteige. Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow
Viktoria Schackow
Bildrechte: MDR

Über die Autorin Die rheinische Frohnatur Viktoria Schackow zog wegen des Studiums vor sechs Jahren von Düsseldorf nach Magdeburg. Nach einem Bachelor in Anglistischen Kulturwissenschaften folgte ein Masterstudium, Sozial- und Gesundheitsjournalismus, an der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Sie war schon als freie Mitarbeiterin in Hörfunk und Online bei MDR SACHSEN-ANHALT tätig. Seit März ist sie Volontärin beim MDR.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.08.2020 | 16:20 Uhr

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