30.07.2019 | 05:20 Uhr Städtebahn Sachsen ist insolvent - viele Fragen offen

Die Städtebahn Sachsen ist zahlungsunfähig. Einen Tag nach der Kündigung des Betreibervertrages durch den Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) hat das zuständige Amtsgericht Aschaffenburg am Montag das Insolvenzverfahren eröffnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Stephan Laubereau aus Aschaffenburg bestellt. Wie Städtebahn-Geschäftsführer Torsten Sewerin mitteilte, musste er am vergangenen Freitag "vor dem Hintergrund, dass uns Alpha Trains die Betriebsmittel entzogen hat", einen Insolvenzantrag für das Unternehmen stellen. Demnach hatte Alpha Trains als Eigentümer der eingesetzten 15 Triebwagen den Leasingvertrag am 17. Juli gekündigt und eine Woche später die Abstellung der Züge gefordert.

Vier Strecken ohne Züge

Weil die Städtebahn daraufhin den Zugverkehr eingestellt hat, nahm der Verkehrsverbund Oberelbe ein Sonderkündigungsrecht wahr. Derzeit ist auf den betroffenen vier Strecken Dresden-Königsbrück (RB 33), Dresden-Kamenz (RB 34), Pirna-Neustadt-Sebnitz (RB 71) und Dresden-Heidenau-Kurort Altenberg (RB 72, RE 19) ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Die Städtebahn hatte als Grund für die Einstellung des Zugverkehrs Schäden an Zügen genannt und dafür die DB Netz AG verantwortlich gemacht. Diese habe die Trassen nicht von Vegetation frei gehalten. Die Bahn wies die Vorwürfe zurück. Wegen der Schäden hatte der Eigentümer der Züge, Alpha Trains, am vergangenen Mittwoch den Mietvertrag gekündigt. Am Montag nannte Geschäftsführer Sewerin in einer Mitteilung Zahlen. Danach hat es zwischen 2011 und 2018 im Netz der Städtebahn 60 betriebsgefährliche Zusammenstöße mit "Bäumen im Gleis" gegeben. In 32 dieser Fälle sei es zu Kollisionen mit erheblichen Sachschäden in Höhe von 1,6 Millionen Euro gekommen. "Beim schlimmsten Fall führte die Kollision mit einem Baum zu einer Entgleisung", teilte die Städtebahn mit.

VVO weist Anschuldigungen der Städtebahn zurück

Der Leasinggeber Alpha Trains ließ auf Anfrage von MDR SACHSEN alle Fragen unbeantwortet - auch diese, ob die Städtebahn mit Zahlungen von Leasingraten im Rückstand ist. Eine Sprecherin von Alpha Trains erklärte, "da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, können wir uns derzeit nicht zu den Inhalten äußern". Ähnlich äußerte sich ein VVO-Sprecher. Er wies aber Anschuldigungen der Städtebahn zurück, man habe die Städtebahn als mittelständisches Unternehmen mutwillig aus dem Markt drängen wollen. "Dafür gibt es gar keinen Grund. Nach Zugausfällen wegen fehlenden Personals vor einem Jahr lief der Verkehr zuletzt störungsfrei und es gab kaum noch Kundenbeschwerden", so der Verbundsprecher. Er blieb bei seiner Darstellung, der VVO sei von der Betriebseinstellung überrascht worden und habe diese einer Pressemitteilung entnommen. Die Städtebahn hingegen erklärte, man habe über die Probleme mit dem Leasinggeber den VVO vorher informiert.

Die Züge der Städtebahn stehen nach Angaben des VVO-Sprechers derzeit an verschiedenen Endbahnhöfen der ehemaligen Strecken. Die Zügen seien mit Hilfe der VVO unlängst modernisiert worden. Sie sollen in Absprache mit Alpha Trains in Sachsen bleiben, um schnell wieder einsatzbereit zu sein. Zugleich bestätigte er Pläne, wonach möglichst schon ab Fahrplanwechsel zwischen Dresden und Kamenz im Halbstundentakt gefahren werden soll. Diese Zusatzzüge sollen an DB Regio vergeben werden. Zuvor habe es eine Ausschreibung gegeben, so der Sprecher. Allerdings stehen die Finanzmittel des Freistaates für den Verdichterverkehr noch aus. Damit hätten Städtebahn und DB Region die RB-34-Linien gemeinsam bedienen sollen.

Desiro-Triebwagen der Städtebahn Sachsen
Die Triebwagen der Städtebahn lässt der Leasingeber vorerst in Sachsen stehen. Bildrechte: MDR/L. Müller

Neuer Betreiber für Strecken gesucht

Unterdessen sucht der VVO ein neues Eisenbahn-Unternehmen für die Wiederaufnahme der von der Pleite der Städtebahn betroffenen Verbindungen. Wie der Verkehrsverbund mitteilte, soll der Zugverkehr auf den regionalen Strecken um Dresden durch eine Notvergabe schnellstmöglich wieder rollen. Dazu habe es Gespräche mit dem Verkehrsministerium, der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) und dem Betriebsrat der Städtebahn Sachsen gegeben. Dabei sei es unter anderem auch um den Betriebsübergang der Bahnmitarbeiter gegangen. Der Verkehrsverbund hoffe, dass die Eisenbahner der Städtebahn nicht zu Güterverkehrsanbietern wechselten, die bundesweit händeringend Lokführer suchten, so der VVO-Sprecher.

Man habe bei der Suche nach neuen Betreibern des Dieselnetzes zunächst mit den Bahnunternehmen gesprochen, die bereits in der Region aktiv sind. Der VVO-Sprecher sagte, eine Entscheidung müsse innerhalb von Wochen fallen. Er verwies auf Nachfrage darauf, dass mit Schuljahresbeginn die jetzt eingesetzten Ersatzbusse teilweise für den Schülerverkehr benötigt würden.

Quelle: MDR/dpa/ms/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.07.2019 | 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus Dresden

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3 Kommentare

31.07.2019 00:36 Zelli 3

Wann ist eigentlich mal Schluss mit diesen vielen verkehrsverbünden. Die denken alle nur an sich. Städte wie (Döbeln, Roßwein, Nossen) werden einfach ausgelassen(nur noch Bus) sehr Umweltfreundlich.

30.07.2019 11:49 Grosser, Klaus 2

„Städtebahn Sachsen ist insolvent – viele Fragen offen“, diese Überschrift wundert mich, wäre es nicht die Aufgabe der Onlineredaktion des MDR Sachsen Antworten auf diese Fragen zu bekommen?
Also werden sie endlich journalistisch tätig.
Als Erinnerung, die journalistischen Grundsätze von Radio Bremen:
https://www.radiobremen.de/unternehmen/aktuell/journalistische-grundsaetze102.html„Städtebahn Sachsen ist insolvent – viele Fragen offen“, diese Überschrift wundert mich, wäre es nicht die Aufgabe der Onlineredaktion des MDR Sachsen Antworten auf diese Fragen zu bekommen?
Also werden sie endlich journalistisch tätig.
Als Erinnerung, die journalistischen Grundsätze von Radio Bremen:
https://www.radiobremen.de/unternehmen/aktuell/journalistische-grundsaetze102.html

30.07.2019 11:38 Nichts dazugelernt 1

Das kommt davon,
wenn die wirtschaftliche und operative Zuverlässigkeit von
EVU vor Auftragsvergabe nicht intensiv genug geprüft wird.

Es recht eben nicht,
sich irgendwelche
Schienenfahrzeuge
zu besorgen und mit Dumpingangeboten
die Konkurrenz auszustechen.

Das müsste sich inzwischen eigentlich herumgesprochen haben.

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