01.08.2019 | 07:59 Uhr Insolvenzverwalter plant vorübergehende Geschäftsaufnahme der Städtebahn Sachsen

Städtebahn Sachsen
Bildrechte: Diana Köhler

Nachdem die Städtebahn Sachsen ihre Zahlungsunfähigkeit angemeldet hat, hat sich der vorläufige Insolvenzverwalter Stephan Laubereau einen ersten Überblick verschafft. "Unser Ziel ist es, vorübergehend den Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen, bis eine endgültige Lösung gefunden ist", teilte der Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter aus Aschaffenburg mit. So schnell wie möglich solle der Zugverkehr auf den regionalen Dieselstrecken um Dresden wieder rollen. Die Städtebahn hatte vor einer Woche überraschend den Betrieb eingestellt.

Dutzende gefährliche Zusammenstöße mit Bäumen

Als Grund für die Einstellung des Zugverkehrs hatte die Städtebahn Schäden an Zügen genannt und dafür die DB Netz AG verantwortlich gemacht. Diese habe die Trassen nicht von Vegetation frei gehalten. Die Bahn wies die Vorwürfe zurück. Wegen der Schäden hatte der Eigentümer der Züge vor neun Tagen den Mietvertrag gekündigt. Der Städtebahn-Geschäftsführer Torsten Sewerin nannte in einer Mitteilung Zahlen zu seinen Vorwürfen: Danach habe es zwischen 2011 und 2018 im Netz der Städtebahn 60 betriebsgefährliche Zusammenstöße mit "Bäumen im Gleis" gegeben. In 32 dieser Fälle sei es zu Kollisionen mit erheblichen Sachschäden in Höhe von 1,6 Millionen Euro gekommen.

Werkstattbetrieb der Städtebahn nicht betroffen

Die Geschäftsführung der Städtebahn Sachsen erklärte unterdessen, dass der Servicebetrieb STS Städtebahn Service GmbH als eigenständiges Unternehmen nicht von der Insolvenz betroffen ist. Die Mitarbeiter in der Werkstatt in Laußnitz bei Königbrück würden weiterhin Eisenbahnfahrzeuge auch für andere Unternehmen warten und reparieren. Zudem gebe es mobile Wartungsteams. In der Servicefirma würden auch zahlreiche Ersatzteile für die Triebwagen, die nicht mehr hergestellt werden, vorgehalten. Geschäftsführer Thomas Sewerin kündigte an, diese sowie Reparturdienstleistungen auch Nachfolgeunternehmen auf dem bisherigen Städtebahn-Netz anbieten zu wollen.

Ferner kündigte Sewerin an, rechtliche Schritte gegen den Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) zu prüfen, weil dieser versucht haben soll, vor der Insolvenz und damit verbundenen Kündigungen Mitarbeiter abzuwerben. Ein VVO-Sprecher hatte bereits vor einigen Tagen gesagt, es stehe dem Verbund zu, sich um Mitarbeiter der Städtebahn zu sorgen. Es habe aber keine Abwerbeversuche gegeben, sondern lediglich Gespräche mit Gewerkschaften. Der VVO beschäftige schließlich keine Eisenbahner und kein Werkstattpersonal.

Alpha Trains äußert sich erstmals

Das Leasingunternehmen Alpha Trains teilte am Donnerstag mit, "die Städtebahn Sachsen GmbH als unser Vertragspartner" sei "wesentlichen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachgekommen. Deshalb "war die Kündigung der Leasingverträge über die 15 Triebzüge leider unvermeidbar". Details würden wegen der "Vertraulichkeitsverpflichtungen" nicht genannt. Man bedauere die nun entstandene Situation.

Ersatzbusse kommen bei vielen Pendlern an

Unterdessen sucht der VVO ein neues Eisenbahn-Unternehmen für die Wiederaufnahme der Verbindungen. Nach einer Notvergabe solle der Zugverkehr auf den regionalen Strecken um Dresden schnellstmöglich wieder rollen, teilte der Verbund in Dresden. Aktuell fahren Busse auf den betroffenen Strecken.

Wie dieser Ersatzfahrplan bei Pendlern und Passagieren ankommt und was sie nach dem Ende der Sommerferien in Sachsen befürchten, lesen Sie ausführlich hier:

Quelle: MDR/kk/lam/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 31.07.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Dresden/Elbland

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1 Kommentar

01.08.2019 09:38 EIBV 1

Wer prüft eigentlich die Zulassung dieser Firma als Eisenbahnverkehrsunternehmen?
Erfüllen die denn die rechtlichen Voraussetzungen dafür?
Warum fragt das keiner?9

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