29.01.2020 | 20:45 Uhr | Update Semperopernball: Judith Rakers steigt aus, Roland Kaiser bleibt

Die Botschaft am Mittwochabend lautet: Der 15. Semperopernball in Dresden findet statt. Wenn auch nicht so wie geplant. Judith Rakers hat nach dem Eklat um die Ordensvergabe an den ägyptischen Machthaber al-Sisi um Auflösung ihres Vertrages gebeten und wird nun nicht mehr an der Seite von Roland Kaiser den Ballabend moderieren. Der MITTELDEUTSCHE RUNDFUNK überträgt den Ball wie geplant, nachdem Ball-Chef Frey zugesichert hat, dass die Preisverleihung an al-Sisi keine Rolle spielen wird.

Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers wird den diesjährigen Semperopernball nicht moderieren. Das hat Ball-Chef Hans-Jochaim Frey am Mittwochabend bekannt gegeben. Zuvor hatte Rakers auf Twitter und Facebook mitgeteilt, sie habe bereits am Montag den Semperopernballverein um eine Auflösung des Vertrages gebeten. "Ich habe angeboten, auf jegliches Honorar - auch für bereits geleistete Arbeit - zu verzichten, wenn der Ballverein mich im Gegenzug aus dem noch bindenden Vertrag entlässt", so Rakers.

Frey teilte mit, der Semperopernball respektiere den Wunsch Rakers. "Wir haben in ihrer Rolle als Tagesschau-Sprecherin volles Verständnis dafür", so Frey. Umso mehr freue er sich, dass Rakers Moderationspartner Roland Kaiser "weiter an der Seite der Ballfreunde steht".

Roland Kaiser: "Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht"

Semperopernball
Judith Rakers sollte beim 15. Semperopernball, der am 7. Februar stattfindet, an der Seite von Roland Kaiser moderieren. Nach dem Eklat um die Ordensvergabe an den ägyptischen Machthaber al-Sisi wollte sie aussteigen. Der Ballverein hat diesem Wunsch entsprochen. Bildrechte: xcitePRESS

Kaiser hatte nahezu zeitgleich mit Rakers erklärt, weiterhin in Dresden auf der Bühne stehen zu wollen. "Letztendlich habe ich mich dafür entschieden, den Semperopernball zu moderieren - und zwar nicht trotz, sondern vielleicht gerade wegen dieses Vorfalls. Gemeinsam mit den Gästen auf der Bühne und im Publikum werde ich beweisen, dass das Herz des Semperopernballs für Pluralismus, Meinungs- und Pressefreiheit, Toleranz, Freiheit und Demokratie schlägt", so Kaiser auf Facebook. Er habe sich die Entscheidung nicht leichtgemacht, erklärte der Schlagerstar. Die Vergabe des St. Georgs-Ordens an den ägyptischen Machthaber Abdel Fattah al-Sisi widerspreche allem, wofür er als Künstler und als Mensch stehe. Er distanziere sich nachdrücklich von dieser Entscheidung. "Hätte ich vorab davon erfahren, hätte ich meine Teilnahme an der Veranstaltung nicht zugesagt."

Mit welcher Dame an seiner Seite Roland Kaiser moderieren wird, das will Ball-Chef Frey im Laufe der Woche mitteilen. Peter Maffay als Mitternachts-Act habe seine Teilnahme zugesichert, hieß es weiter.

MDR überträgt Ball wie geplant

Der MITTELDEUTSCHE RUNDFUNK, der seit Jahren den Opernball überträgt, erklärte am Abend, den Ball wie geplant im Fernsehen auszustrahlen:

Erklärung des MITTELDEUTSCHEN RUNDFUNKS zum Semperopernball Der ägyptische Machthaber Abdel Fattah al-Sisi steht für schwere Repressalien gegen Journalisten und Journalistinnen und für eine immer stärkere Einschränkung der freien Meinungs- und Pressefreiheit in Ägypten.

Der MDR hat daher keinerlei Verständnis für die Ehrung al-Sisis mit dem St. Georg Orden des Semperopernballs und lehnt sie klar ab. Der MDR hat sehr deutlich gemacht, dass wir diese Ehrung nicht in unserem Programm zeigen. Der Semperopernballverein hat nun zugesichert, dass diese bei der Veranstaltung keine Rolle spielen wird, sich für die Ehrung entschuldigt und davon distanziert.

Daher werden wir den diesjährigen Semperopernball wie geplant übertragen. Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht und haben volles Verständnis für die Entscheidung von Judith Rakers, ihre Moderation abzugeben. Gleichzeitig freuen wir uns über die Bereitschaft von Roland Kaiser, weiterhin als Moderator zur Verfügung zu stehen. Trotz der verständlichen, deutlichen Kritik an der Preisverleihung bleibt der Semperopernball ein wichtiges Stück Kultur aus Mitteldeutschland, welches jedes Jahr viele Menschen in Dresden und darüber hinaus begeistert. Auch aus diesem Grund halten wir in diesem Jahr an einer Übertragung fest. Presse- und Meinungsfreiheit sind für uns ein unverzichtbarer Wert. Genau das werden wir in unserer Sendung zum Semperopernball deutlich zum Ausdruck bringen und kritisch auf die Ehrung sowie die derzeitige Menschenrechtssituation in Ägypten schauen. Zugleich werden wir die künftige Zusammenarbeit mit dem Ballverein kritisch auf den Prüfstand stellen.

Frey distanziert sich von eigener Entscheidung

Am vergangenen Wochenende war Ball-Chef Hans-Joachim Frey nach Kairo gereist, um Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi bereits vor dem Ball den St.-Georgs-Orden zu überreichen. Frey rechtfertigte die Preisverleihung damit, dass der Orden kein politischer Preis sei, sondern im Fall al-Sisis dessen Verdienste um die Kultur in seinem Land würdigen soll.

Im Anschluss hatte es heftige Kritik an dieser Entscheidung gegeben. Der ehemalige General al-Sisi war 2013 durch einen Militärputsch unter seiner Führung an die Macht gekommen. Seitdem geht er mit harter Hand gegen Oppositionelle und Kritiker vor. Frey hat sich inzwischen für seine eigene Entscheidung entschuldigt. "Die Verleihung war ein Fehler", so Frey am Dienstag. "Wir nehmen die Debatte zum Anlass, über unser Selbstverständnis als Kulturbotschafter und wie man dieses ausgestaltet und lebt nachzudenken und werden dazu auch das Gespräch mit unseren Freunden und Partnern suchen." Ob al-Sisi der Preis wieder aberkannt wird, darüber gibt es bisher keine Informationen.

Hans-Joachim Frey übergibt Abdel Fattah al-Sisi den St.-Georgs-Orden
Bildrechte: dpa

Kritik auch an Auszeichnung des Chemnitzer Unternehmers Naumann

Doch nicht nur die Auszeichnung al-Sisis sorgt vor allem in den sozialen Medien für Unverständnis. Auch die geplante Verleihung des St.-Georgs-Ordens an den Chemnitzer Unternehmer Hans J. Naumann wird heftig kritisiert. Naumann hatte 2017 in einem Zeitungsinterview gesagt, dass die "weiße Bevölkerung zusammenstehen muss". Naumanns Meinung nach hat sich die afroamerikanische Jugend "sehr stark aus der Verantwortung gezogen". Hier brauche es einen Durchbruch, der nur dadurch erreicht werden könne, "wenn man die jungen Afroamerikaner zum Militär einzieht, ihnen dort Disziplin beibringt und eine berufliche Ausbildung ermöglicht". Er hatte später gesagt, seine Aussagen seien missverständlich gewesen.

Eine Anfrage von MDR SACHSEN, wie der Ballverein zu den damaligen Äußerungen Naumanns steht, blieb bis zum Abend unbeantwortet.

Was bisher geschah

Quelle: MDR/dk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.01.2020 | ab 20:00 Uhr in den Nachrichten

16 Kommentare

Grosser Klaus vor 22 Wochen

Wenn ich die Provinzposse um den Ex-Intendanten Herrn Hans-Joachim Frey, seinen Dresdner Opernball, seinen Fantasieorden und seine Ordensverleihungen sehe, muss ich sagen das wäre doch ein Klasse Operettenstoff.
Bei der Verleihung des Georgsorden fällt mir immer die Ordensverleihungszene aus dem Film
„Letztes aus der Da Da eR“ ein.

Ossigoire vor 22 Wochen

Kultur und Kunst ist wichtig - auch für kommunisten! Russland ist oft stolzer auf unsere und seine Dichter und Balett als hier viele Kulturbanausen. Die zahlreicchen Semperoperbesucher dienoch zu tausenden draußen verfolgen was sich drinnen abspielt beweist Kulturinteresse. Die Ordensverleihe sollte beendet werden - die letzten drei waren zum Fremdschämen.

Rasselbock vor 22 Wochen

Wenn der MDR Schneid hätte würde er diesen Spiessermüll Opernball nicht noch öffentlich rechtlich breitkratzen und Frequenzverschmutzung damit betreiben. Schneid und MDR, Fehlanzeige. Aber zur Perfektion noch ein Tipp:Eine Ehrenloge für Biedenkopf und seine Kommodendame. Sachsen und eine moderne Lebensweise, es geht einfach nicht zusammen.

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