Nach langem Streit Karl-May-Museum Radebeul gibt Häuptlings-Skalp zurück

Ein Porträt des Schriftstellers Karl May hängt im sächsischen Radebeul bei Dresden an einer Laterne vor seinem einstigen Wohnhaus und jetzigem Museum.
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Die Karl-May-Stiftung Radebeul wird einen seit rund 100 Jahren bewahrten und umstrittenen Skalp eines Indianerhäuptlings herausgeben. Er lag bisher in der Sammlung des Karl-May-Museum. Das Kuratorium genehmigte am vergangenen Wochenende den Vorstandsbeschluss, den Skalp zu rehumanisieren und aus ethischen Gründen freiwillig zurückzuführen, sagte Stiftungsvorstand Volkmar Kunze. "Im juristischen Sinn handelt es sich weder um eine unrechtmäßige Erwerbung noch Aneignung in kolonialem Kontext", sagte Kunze über die mehrheitlich getroffene Entscheidung.

Blick auf ein Skalp der Ojibwa-Indianer, der im Karl-May-Museum in Radebeul ausgestellt ist.
Der Skalp der Ojibwa-Indianer, der 2021 zurück in die USA gehen soll. Bildrechte: dpa

Gemeinsame Forschung ohne Ergebnis

Die Sault Ste. Tribe of Chippewa Indians in Michigan in den USA hatten 2014 um die Herausgabe des Skalps gebeten. Der Sammler und Mitbegründer des Karl-May-Museums Radebeul, Patty Frank (1876-1959) will die sterblichen Überreste vom Nachfahren eines Sioux-Häuptlings erworben haben. Monatelang wurde darum gestritten, dann einigten sich der Ojibwa-Stamm und die Stiftung, die Herkunft des Skalps gemeinsam zu erforschen.

Es wäre gut, wenn wieder Ruhe einkehrt.

Volkmar Kunze Stiftungsvorstand

Schlussendlich konnte die Kopfhaut nicht genau einem indigenen Volk zugeordnet und auch keine konkrete Verwandtschaft zu diesem Stamm belegt werden, erklärte Kunze. Daher erfolge die Rückführung der sterblichen Überreste aus ethischen Gründen nach den Empfehlungen des Deutschen Museumsbundes zum Umgang mit menschlichen Überresten von 2013. Die Modalitäten für die Übergabe an eine offizielle Vertretung der US-Regierung, die nur auf diplomatischem Weg möglich ist, sollen 2021 geklärt werden.

Wer war Patty Frank? - Patty Frank hieß mit bürgerlichem Namen Ernst Tobis und wurde 1876 in Wien geboren. Als Jugendlicher schloss er sich einer amerikanischen Wild-West-Artistengruppe an und zog durch Europa. Später wurde er selbst Artist und sammelte auf seinen Tourneen Gegenstände indigener Völker.

- 1928 eröffnete Karl Mays Witwe Clara das Museum des Schriftstellers in Radebeul und Patty Frank wurde dessen langjähriger Verwalter. Er brachte seine Sammlung ins Museum ein.

- Den Häuptlingsskalp, der jetzt zurückgegeben wird, will Frank 1904 dem Ojibwa-Stamm ordentlich abgekauft haben. Unklar ist, wie er tatsächlich nach Radebeul kam.

Quelle: MDR/kk/dpa

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