11.05.2020 | 18:10 Uhr Team des Karl-May-Museums Radebeul fühlt sich von Vorstand "entmündigt"

Nachdem der Direktor des Radebeuler Karl-May-Museums gekündigt hat, haben die Mitarbeiter klare Forderungen und Wünsche formuliert, damit die Arbeit im Museum weitergehen kann. Auch der Förderverein verlangt den Rückzug des noch amtierenden Stiftungsvorstandes.

Impressionen aus dem Karl-May-Museum Radebeul
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Im Karl-May-Museum in Radebeul überschlagen sich derzeit die Ereignisse: Nachdem der amtierenden Direktor Christian Wacker gekündigt hat, haben die 19 Mitarbeiter einen Betriebsrat gegründet. Zwar hätten die Mitarbeiter bereits 2018 entschieden, eine Mitarbeitervertretung zu gründen. Aber die Corona-Krise habe gezeigt, dass ein Betriebsrat die Belange der Belegschaft besser geltend machen könne. Die Gründung und Wackers Kündigung seien parallel abgelaufen. Konkret gehe es den Museumsmitarbeitern um Überstundenregelungen und bessere Bezahlung.

Mitarbeiter werfen Vorstand Vertrauensbruch und Entmündigung vor

Über das Zerwürfnis, die erhobenen Mobbingvorwürfe des Direktors gegen den noch amtierenden Stiftungsvorstand sagte Betriebsratsmitglied Ulrike Dämmig: "All diese Entwicklungen zeigen den Vertrauensbruch. Wir bemängeln, dass man uns nicht zuhört und wir respektlos behandelt werden. Ein Informationsfluss findet grundsätzlich nicht statt. Uns Mitarbeitern und Herrn Wacker wurden nur Steine in den Weg gelegt."

Anfangs irritiert, später schockiert war ich darüber, dass in der Stiftung eine Meinung vertreten werden sollte, die der eines Mitgliedes des Vorstandes entsprechen musste. Sämtliche Themen zu Karl May wurden so über eine einzige Person kanalisiert, deren Einschätzungen als regelkonforme Stiftungswahrheit galten.

Christian Wacker aus seiner Begründung zum Rücktritt

Der noch bis Ende des Monats amtierende Direktor Christian Wacker hatte in schonungsloser Offenheit über die Vorgänge hinter den Kulissen berichtet. Der Betriebsrat stellte sich hinter Wacker. In den zwei Jahren, die der international anerkannte Museumsprofi im Karl-May-Museum war, habe er nicht nur den desolaten Zustand in Angriff genommen, sondern sei auch zum "sehr geschätzten Chef und Kollegen und guten Freund" geworden, heißt es vom Betriebsrat. Die Mitarbeitervertretung nannte den Kommunkationsstil des Vorstandes dagegen "einmischend und entmündigend".

Förderverein und Betriebsrat lehnen "Restvorstand" ab, verlangen Neuwahlen

Auch der Förderverein des Museums fand deutliche Worte: Sie entziehen dem noch aktiven Vorstand der Karl-May-Stiftung - sie ist Trägerin des Karl-May-Museums - das Vertrauen und verlangen Konsequenzen. "Es wird höchste Zeit, dass endlich im Stiftungskuratorium Konsequenzen gezogen werden und der gesamte Restvorstand* im Interesse eines notwendigen Neustarts abgewählt wird", heißt es in einer Pressemitteilung des Fördervereins des Karl-May-Museums.

Wir sind unglaublich traurig, dass Dr. Wacker gekündigt hat.

Ulrike Dämmig Museumsmitarbeiterin und Betriebsrätin
Das Karl May Museum
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Die Belegschaft wiederum kündigte geschlossen an, unter den gegebenen Umständen dem Museum nicht mehr dienen zu wollen. "Wir sind das Fundament des Museums und wollen gute Arbeit leisten", sagte Ulrike Dämmig dazu. Wenn der alte Stiftungsvorstand weiterarbeite, würden Mitarbeiter ihre Konsequenzen ziehen und gehen. "Viele haben nun schon zum wiederholten Mal die Kündigung eines Direktors erlebt. Wie erhoffen uns einen neuen Vorstand."

Die geschehenen, aktuellen und eventuell auch zukünftigen Entscheidungen des Vorstandes veranlassen uns die Frage zu stellen, inwieweit unsere berufliche Zukunft noch im Karl May Museum liegt und wir mit unserem Engagement sowie unseren qualifizierten Fähigkeiten noch länger für die Karl-May-Stiftung zur Verfügung stehen.

Belegschaft Karl-May-Museum

Umgang mit Karl Mays Persönlichkeit In einem Schreiben gehen die Mitarbeiter auch auf einen Punkt ein, den Wacker in seiner Begründung für den Weggang angesprochen hatte: Den unbedingten Versuch von Teilen des Stiftungsvorstandes, eine mögliche homosexuelle Neigung Karl Mays nicht öffentlich diskutieren zu lassen. Zuletzt wurde übereinstimmenden Aussagen zufolge aus diesem Grund ein Artikel im Museumsmagazin "Der Beobachter an der Elbe" nicht veröffentlicht. "Dass […] sorgt für uns als Team, das sich den Idealen Karl Mays von Weltoffenheit, Toleranz und freier Meinungsäußerung verpflichtet sieht, für absolutes Unverständnis. Wir als Belegschaft des Museums lehnen klar jegliche Form von Homophobie und Sexismus entschieden ab und sind über das Verhalten des Vorstandes mehr als erschüttert."

Förderverein sieht großen Schaden für das Museum

Karl May
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Der Förderverein des Museums bedauert die Kündigung Wackers und dankte ihm zugleich für seine Offenheit. "Das gibt endlich Einblick in die Arbeitsweise des Stiftungsvorstandes, die wir als Förderverein bisher leider nicht hatten."

Es ist schädigend für das Museum und für den Förderverein, dass vor diesen Hintergründen keine Kontinuität in der Museumsarbeit besteht. In den letzten sechs Jahren ist es nun zum dritten (!) Mal geschehen, dass der Leiter des Museums für seine Person die Reißleine rechtzeitig zieht oder plötzlich kommentarlos gekündigt wird (was auch jedes Mal mit immensen Kosten für das Museum verbunden war, die sicherlich besser verwendet werden konnten).

Förderverein Karl-May-Museum

Mobbing-Vorwürfe gegen den Stiftungsvorstand

Der Radebeuler Oberbürgermeister und Vorstandsmitglied Bert Wendsche wollte sich auf Anfrage von MDR SACHSEN nicht weiter zu den Vorwürfen äußern. Er verwies auf eine außerordentliche Vorstandssitzung in dieser Woche. Der kritisierte Vorstand trifft sich am Dienstag, das Kuratorium am Mittwoch.

Karl-May-Stiftung - Die Karl-May-Stiftung wurde 1913 von Karl Mays zweiter Ehefrau Klara May gegründet. Sie kam damit dem testamentarischen Willen Mays nach. Die Stiftung ist Trägerin des Karl-May-Museums und Herausgeberin der Schriftenreihe. Seit 2007 ist die Stiftung neben dem Karl-May-Verlag und der Karl-May-Gesellschaft an der Herausgabe der Historisch-kritischen Ausgabe beteiligt.

- So setzt sich das Gremium zusammen:

(Noch-)Geschäftsführer: Christian Wacker

Vorstand: Thomas Grübner (Vorstandsvorsitzender, ausgeschieden), Ralf Harder (Stellvertretender Vorstandsvorsitzender), Bert Wendsche (Oberbürgermeister Radebeul), Werner Schul (ausgeschieden), Klaus Voigt

Kuratorium: Robert Straßer (Präsident), Volkmar Kunze (Vizepräsident), Ekkehard Bartsch, Thomas Grafenberg, Henry Hasenpflug, Erich Homilius, Ingwert Paulsen, Michael Petzel, Joachim Sacher, Philipp Schall, Karsten Wagner, René Wagner, Helmut G. Walther, Marco Wanderwitz, Florian Schleburg Quellen: Homepage Karl-May-Museum, Magazin Karl May & Co.

Quelle: MDR/dk/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.05.2020 | 11:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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