14.05.2020 | 19:46 Uhr Karl-May-Museum Radebeul: Debatte um Vorwürfe und Zukunft rollt langsam an

Häuptling in einer Vitrine im Karl-May-Museum Radebeul
Bildrechte: MDR/Mandy Schalast-Peitz

In die Debatte um interne Querelen, Kommunikationsstörungen und Mobbingvorwürfe gegen den amtierenden Stiftungsvorstand des Karl-May-Museums kommt Bewegung. Auf Drängen der Stadtratsfraktion von SPD und Grünen steht das Thema bei der nächsten Stadtratssitzung am 20. Mai auf der Tagesordnung. "Wir wollen im Stadtrat über die Probleme öffentlich debattieren", kündigte der Grünenstadtrat Martin Oehmichen an.

Wichtige Entscheidungen auf 27. Juni vertagt

Bert Wendsche, Oberbürgermeister von Radebeul
Der Radebeuler Oberbürgermeister Bert Wendsche. Bildrechte: Große Kreisstadt Radebeul

Nach der Kündigung des Museumsdirektors Christian Wacker hatten die Mitarbeiter des Karl-May-Museums und der Förderverein den Rücktritt des bestehenden Vorstandes verlangt. Nur so sei ein Neuanfang nach jahrelangen Querelen möglich. Der Vorstand und das Kuratorium der Karl-May-Stiftung haben sich in dieser Woche bei außerordentlichen Sitzungen dazu beraten. Ergebnis: Einen Notvorstand solle es nicht geben. "Tabula Rasa ist nicht der richtige Weg", meinte Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche, der auch im Stiftungsvorstand sitzt.

Der bestehende Vorstand mit vier Mitgliedern habe ihn einstimmig als Vorsitzenden gewählt, der bis Ende Juni das Gremium führen soll. Mit den erhobenen Vorwürfen wolle sich das Kuratorium bei einer planmäßigen Sitzung am 27. Juni befassen, wenn alle Mitglieder persönlich an einem Tisch sitzen könnten, sagte Wendsche.

Wir werden uns zu den Vorwürfen äußern und die nicht einfach so stehen lassen, weil vieles auch ehrverletzend ist.

Bert Wendsche Oberbürgermeister Radebeul und Vorstand Karl-May-Stiftung

Ende Juni soll "auch über etwaige Veränderungen im Vorstand und die Zuwahl neuer Vorstandsmitglieder entschieden werden", informierte Oberbürgermeister Wendsche. Eine personelle Erneuerung des Vorstandes werde laut Stiftung vorbereitet. Demnach gebe es geeignete Kandidaten, die zur Mitarbeit bereit seien.

Vorstand: "Vorwürfe an vielen Stellen nicht zutreffend"

In einer Pressemitteilung vom Donnerstag wirft der Vorstand dem noch amtierenden Direktor des Karl-May-Museums Christian Wacker vor, "den Weg über die Presse gewählt" zu haben und verurteilt dieses öffentliche Vorgehen: "Eine konstruktive Problem- und vor allem Lösungssuche wird dadurch nicht befördert, wohl aber der Ruf von Stiftung und Museum schwer beschädigt und der Weg zur Umsetzung  der Zukunftsvision weiter erschwert."

Wendsche kündigte an, als Vorsitzender des Vorstandes das Gespräch mit dem Betriebsrat im Museum zu suchen. "Ich will keine Konfrontation zwischen Belegschaft und Gremien", sagte er.

Museumsdirektor: "Ich will Lösungen, keine Schuldigensuche"

Der noch amtierende Direktor Christian Wacker äußerte sich nicht zur Kritik des Vorstandes an seinem öffentlichen Brief. Im Gespräch mit MDR SACHSEN betonte er, "dass es einzig um die Zukunft des Karl-May-Museums geht und um die Mitarbeiter". Die hätten mutig und couragiert ihre Stimme erhoben und hofften nun auf eine gute Zukunft. "Wie diese Zukunft aussieht, liegt in den Händen ganz vieler Menschen", sagte Wacker. Sollten Reformen stattfinden und greifen, sei er trotz seines Weggangs nach Kuwait bereit, sich ehrenamtlich für das Museum in Radebeul einzusetzen.

Es darf hier nicht um irgendwelche Machtspielchen gehen. Es ist gesagt worden, wo die Probleme liegen. Die sollte man angehen.

Christian Wacker noch bis Ende Mai Direktor des Karl-May-Museum

Laut Christian Wacker gäbe es in Radebeul Mobbing und dorfschulmeisterliche Belehrungen. Das Problem sei strukturell und kommunikativ angelegt. Als Museumsprofi mit einem Team von gut ausgebildeten Fachleuten müsse er entsprechende Freiheiten haben, denn in einem Museum als öffentlicher Ort müsse gesellschaftlicher Diskurs stattfinden. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse über das Denken und Leben von Karl May müssten zugelassen werden, auch wenn die zuweilen unbequem seien, sagte Wacker. Das Karl-May-Museum in Radebeul habe ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Quelle: MDR/kk/fg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.05.2020 | 15:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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