Geldsorgen Neuer Chef des Karl-May-Museums will Umbaupläne abspecken

Gunther Schoß
Bildrechte: MDR/Michael Schöne

Die Baupläne zur Erweiterung des Karl-May-Museums sollen finanziell noch einmal gründlich überprüft werden. Das hat der neue Geschäftsführer des Museums und Vorstandsvorsitzende der Karl-May-Stiftung, Volkmar Kunze, angekündigt. Zuerst hatte die Bild-Zeitung darüber berichtet. MDR SACHSEN sagte Kunze: "Die Frage ist, ob wir uns diese Dimensionen von 7,8 Millionen Euro Baukosten gegenwärtig leisten können."

Wir werden die Pläne wohl eindampfen müssen auf Baukosten von maximal 4,5 Millionen Euro.

Volkmar Kunze Museumschef
Dr. Volkmar Kunze, Oberbürgermeister Stadt Zeitz
Der ehemalige Oberbürgermeister und Dozent Dr. Volkmar Kunze arbeitet ehrenamtlich als Chef des Karl-May-Museums. Er will bei Umbauplänen den Rotstift ansetzen. Bildrechte: imago/Köhn

Als im Jahr 2005 die ersten Erweiterungspläne für ein neues Empfangsgebäude und Sanierung der Villen auf den Tisch kamen, sei von 2,3 Millionen Euro Baukosten gesprochen wordenm so Kunze. Nachdem der Bund Unterstützung signalisiert hatte, "kamen immer mehr Wünsche hinzu, so dass ein Idealfall konstruiert wurde", meinte Kunze. Jedoch: "So werden wir das nicht machen können."

OBM Wendsche: Bausubstanz ist verschlissen

Zur angekündigten Streichungsdebatte sagte Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche, der in den vergangenen Jahre selbst zum Stiftungsvorstand gehörte: "Das ist eine eigenständige Entscheidung der Karl-May-Stiftung. Uns als Stadt ist daran gelegen, dass das Karl-May-Museum eine tragfähige Zukunft hat." Klar sei aber auch, dass die jetzige Bausubstanz "verschlissen und nicht mehr zeitgemäß" sei.

Auch Freistaat soll Umbau unterstützen

Priorität behalte weiterhin der Umbau der Toiletten in der Villa Bärenfett, sagte Museumschef Kunze. Die seien schon lange nicht mehr zeitgemäß. Kostenpunkt: rund eine halbe Million Euro. Welche anderen Bauwünsche genau gestrichen werden könnten, müsse noch diskutiert werden.

Fest steht: Im neuen Haushaltsjahr muss das Museum 50.000 Euro Personalkosten einsparen. "Das schaffen wir, weil eine Volontärin ihre Ausbildung beendet hat und ich weiter ehrenamtlich arbeite", erklärte der Geschäftsführer und Stiftungsvorsitzende Kunze. Damit das Museum grundsätzlich um- und ausgebaut werden könne, seien Fördermittel von Bund und Land notwendig. Gespräche dazu liefen bereits auf Bundesebene . "Wir müssen um die Förderung des Landes Sachsen kämpfen. Darüber würde ich gern mit Kulturministerin Barbara Klepsch sprechen", meinte der Museumschef.

Klaffende Corona-Lücke und Geldsorgen

Nach dem Corona-Lockdown dürfen höchstens 50 Besucher gleichzeitig ins Museum. In den zurückliegenden Wochen sind laut Karl-May-Museum regelmäßig zwischen 200 und 300 Besucher gekommen. "Aber durch neun Wochen angeordnete Schließung fehlen uns 150.000 Euro Einnahmen", sagte Museumschef Kunze. Derzeit seien die zwölf festangestellten Mitarbeiter in Kurzarbeit. Ihre Arbeitszeit werde von Monat zu Monat neu geplant - auch mit Blick auf Sozialverträglichkeit.

Wogen im Haus glätten sich

Einen sozial verträglicheren Umgang mit den Museumsitarbeitern bestätigte der Betriebsrat MDR SACHSEN. Nach dem öffentlichen Streit um die Führung, dem Vertrauensentzug der Belegschaft der damaligen Karl-May-Stiftung und einer medienwirksamen Kündigung des ehemaligen Museumschefs Christian Wacker hatte es personelle Konsequenzen gegeben. Volkmar Kunze übernahm die Museumsführung. "Wir sind auf dem Weg, eine geordnete Basis der Zusammenarbeit zu finden. Es läuft ruhiger im Hause als noch vor Wochen", sagte Betriebsrätin Ulrike Dämmig zur aktuellen Lage aus Sicht der Mitarbeiter.

Kind guckt in einen Schaukasten im Karl-May-Museum Radebeul
Bildrechte: MDR/Mandy Schalast-Peitz

Kunze, der ehemalige Oberbürgermeister von Radebeul, Zeitz und Wittenberg, verwies darauf, das derzeit die Mitarbeiter in Eigenleistung den Fußboden im Little-Big-Horn-Raum renovieren. Museumspädagogische Angebote, Kindergeburtstage und Familienfeiern würden wieder öfter im Karl-May-Museum organisiert. "Wir hoffen, dass wir uns bis Jahresende konsolidiert haben", so Kunze.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.08.2020 | ab 11:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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