Eingewanderter Schädling Verband: Kirschessigfliege könnte sächsischen Kirschen den Garaus machen

Kirschessigfliege an einer Acolon-Traube.
Eine Kirschessigfliege auf einer roten Weinbeere. Bildrechte: imago stock&people

Die aus Asien eingewanderte Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) hat in diesem Jahr insbesondere den Obstbauern in Sachsen zu schaffen gemacht. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) teilte auf Anfrage mit, insbesondere Kirschplantagen seien betroffen gewesen. Das Amt überwacht die Ausbreitung des Schädlings mit Monitoring-Fallen in Obstanlagen und Weinbergen.

Bei den sächsischen Sauerkirschen sei es fast zu einem Totalausfall gekommen, so das Landesamt. Etwa 70 Hektar Anbaufläche seien von einem massiven Befall betroffen gewesen, der sich sehr schnell aufgebaut und eine Ernte unmöglich gemacht habe.

Zweiter Schädling zeitgleich in Süßkirschen

Ebenfalls stark befallen waren demnach Himbeeren und Brombeeren in Kulturanlagen. Erstmal wurde der eingewanderte Schädling auch in Erdbeeren nachgewiesen – allerdings nach der Ernte, sodass dort ein wirtschaftlicher Schaden ausblieb.

Brombeeren auf denen Kirschessigfliegen sitzen.
Wilde Brombeerhecken sind Rückzugsorte der Kirschessigfliegen. Von dort wandern sie in Obst- und Rebanlagen. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Der vergangene milde Winter habe dazu geführt, dass die Fliegen ganzjährig aktiv waren. "Die ersten Eiablagen und Larven sind im Juni in unbehandelten Süßkirschen gefunden worden, die sehr schnell zu einem Massenbefall geführt haben", erklärte das Landesamt. Dort traten die Schädlinge parallel zur Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) auf, die durch ihre Maden in Süßkirschen auch in Hausgärten bekannt ist. Beide Schädlinge hatten den Angaben zufolge mit einem zugelassenen Spritzmittel bekämpft werden können.

Verband: Sächsische Kirschen könnten aus Handel verschwinden

Udo Jentzsch, Geschäftsführer des Landesverbandes Sächsisches Obst, sagte, die wiederholten Ausfälle könnten für Landwirte mit Schwerpunkt auf Süß- und Sauerkirschen existenzbedrohend werden. Denkbar sei, dass einheimische Kirschen komplett vom Markt verschwinden könnten. Jentzsch kritisiert, dass der Handel und die Behörden bei Importware, insbesondere aus der Türkei, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln akzeptieren würden, die bei regionalen Erzeugern so nicht toleriert würden. Dort seien Spritzmittel zugelassen, die es hier nie waren, so der Branchenvertreter. Er spricht von massiver Wettbewerbsverzerrung. Die Branche prüfe daher rechtliche Schritte.

Amt: Im Weinbau kann frühe Ernte helfen

Betroffen waren auch wieder die Winzer. "Im Wein wurden die ersten Eiablagen Anfang September festgestellt. Das entspricht etwa der gleichen Zeit wie in den Vorjahren", so das Landeslandwirtschaftsamt "Allerdings wurden im weiteren Verlauf an nahezu allen Kontrollstandorten Eiablagen und ein Larvenbefall festgestellt, teilweise auf sehr hohem Niveau." Je nach Reifezustand sollten Weinbauern eine vorzeitige Ernte oder eine Behandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln in Betracht ziehen.

Aus dem Staatsweingut Schloss Wackerbarth hieß es, man habe keine wirtschaftlichen Schäden durch die Kirschessigfliege erlitten. Das Staatsweingut kann allerdings nach eigenen Angaben auch flexibel agieren und kurzfristig entscheiden, ob bedrohte Trauben mit hohem Säuregehalt für Sektgrundweine geerntet oder mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln behandelt würden und für hochwertige Rotweine ausreifen dürfen.

Deshalb ist die Kirschessigfliege so gefährlich Kirschessigfliegen sind besonders gefährlich für den Obst- und Weinbau, weil die Weibchen der aus Asien eingeschleppten Insekten mit einer Art Säge am Hinterleib die Schalen intakter Früchte aufschneiden und ihre Eier ablegen. Die Larven entwickeln sich dann sehr schnell und die Früchte faulen in wenigen Tagen - oft kurz vor der geplanten Ernte.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.11.2020 | 09:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus Dresden

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