Kirschessigfliege
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

31.07.2019 | 10:50 Uhr Kirschessigfliege in Sachsen wieder auf dem Vormarsch

Kirschessigfliege
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Sachsen ist die bei Obstbauern und Winzern gefürchtete Kirchessigfliege wieder auf dem Vormarsch. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) teilte auf Anfrage von MDR SACHSEN mit, dass in den aufgehängten Fallen in Obstplantagen Mitte Juli deutlich mehr Exemplare nachgewiesen wurden. Allein in einer Falle in einer Hecke neben einem Weinberg in Dresden-Pillnitz wurden demnach innerhalb einer Woche 61 Kirschessigfliegen gefangen. Geringer waren die Nachweise in Schirgiswalde, Stolpen und Wurzen.

Bio-Anlagen besonders gefährdet

Himbeeren und Brombeeren und Wespe
Himbeeren und Brombeeren sind attraktiv für den Schädling. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Größere Schäden durch die Fliegenlarven blieben den Ostbauern - vermutlich wegen der Hitze und Trockenheit - aber bisher erspart. Eine Sprecherin des LfULG sagte, "Erdbeeren waren in Sachsen nicht befallen." Auch Süßkirschen, die mit Spritzmitteln behandelt wurden, blieben von dem Schädling verschont. In unbehandelten Bio-Anlagen konnte jedoch den Angaben zufolge ein Befall von zwei bis 14 Prozent festgestellt werden. "In einer Anlage ist die Sauerkirschenkultur sogar durch die Kirschessigfliege total zusammengebrochen. In 50 Früchten befanden sich 315 Larven."

Nachweise in Himbeeren

Beim Beerenobst sind derzeit die Himbeeren bis zu 20 Prozent befallen. Keine Nachweise gibt es aktuell in Johannisbeeren und Brombeeren. Der Weinbau ist aktuell noch nicht gefährdet, da die Trauben unreif sind. Auf Rebflächen werden die Fallen deshalb erst ab 5. August aufgehängt.

Es besteht alljährlich die Gefahr, dass die nächsten Generationen der Kirschessigfliege von Kirschen und Beeren auf Wein übergreifen. So stellen alljährlich auch wilde Brombeeren am Rande von Weinbergen ein Risiko dar. Kirschessigfliegen bevorzugen rote Früchte.

Darum ist die Kirschessigfliege so gefährlich Das Insekt sieht harmlos aus: Knapp drei Millimeter ist es groß, der Körper ist orange-braun. Die Kirchessigfliege (Drosophila suzukii) stammt aus Südostasien und wurde vor wenigen Jahren das erste Mal in Deutschland beobachtet. Seitdem breitet sie sich rasant aus - und hinterlässt eine Spur faulender und stinkender Früchte, wo auch immer sie auftaucht. Was sie gefährlich macht, sitzt an ihrem Hinterleib: Die Weibchen tragen einen scharfen, gesägten Legeapparat. Damit können sie reife Früchte ansägen und ihre Eier hineinlegen. Die einheimischen Essigfliegen (Drosophila melanogaster) sind dazu nicht in der Lage. Die Eier liegen kurz unter der Schale, erkennbar sind sie nur an ihren feinen Luftschläuchen. Über die Einstichstelle gelangen Keime in die Früchte. Die Larven bahnen ihnen zusätzliche Wege durch das Fruchtfleisch. Die Folge: Die Früchte werden weich, zerfallen schnell, beginnen zu faulen und zu schimmeln. MDR Garten

Ingesamt kontrolliert das Landesamt in Sachsens Obst- und Weinanlagen mit 40 Essigfallen. In der Regel hängt eine Falle am Rande in Hecken und eine direkt in der Obstkultur oder den Rebzeilen. Die Köderflüssigkeit besteht aus einer Mischung aus naturtrübem Apfelessig, Wasser und Wein. Unter dem Mikroskop werden die Essigfliegen untersucht und dabei festgestellt, ob es sich tatsächlich um die gefährlich asiatische Kirschessigfliege handelt.

Fallenstandort in Sachsen
Obstbau Weinbau
Pohritzsch Cossebaude
Wurzen Diera-Zehren
Gaudlitz Diesbar-Seußlitz
Theisewitz Radebeul
Lockwitz Coswig
Coswig Meißen
Gaustitz Pillnitz
Struppen  
Stolpen  
Schirgiswalde  

Fliegen mögen keine Hitze

Heiße und trockene Sommer mit Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius bremsen die Vermehrung aus. Die Weibchen legen weniger Eier, Männchen werden steril, aus Eiern schlüpfen kein Larven und die Fliegen leben kürzer. So kamen die Obst- und Weinbauern 2018 glimpflich davon, während sie im Jahr davor massive Ausfälle durch das eingewanderte Schadinsekt verbuchen mussten. Seit 2014 ist die Kirschessigfliege in Sachsen nachgewiesen. Anfangs fehlten geeignete Pflanzenschutzmittel.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 31.07.2019 | 12:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus Dresden

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen