Keine Betreuung in den Morgenstunden Kommunale Kitas und Horte in Dresden streiken am Mittwoch

In Dresden sind viele kommunale Kitas und einige Frühhorte an Grundschulen vom Streik betroffen. Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gibt es in der Zeit von 6 bis 10 Uhr keine gesicherte Kinderbetreuung.

Zwei kleine Kinder stehen an der Tür eines wegen Streik geschlossenen Kindergartens
Symbolbild Bildrechte: dpa

Wann wird gestreikt?

In vielen städtischen Kitas in Dresden wird am Mittwoch von 6 bis 10 Uhr gestreikt. Außerdem entfällt die Frühbetreuung in einigen städtischen Horten der Grundschulen. Wie der Bezirksgeschäftsführer der Gewerkschaft Verdi, Daniel Herold, erklärt, habe man sich für den auf vier Stunden begrenzten Ausstand entschieden, um einerseits ein Zeichen zu setzen, andererseits den Eltern aber eine nicht zu große Belastung nach Corona aufzubürden. "Uns ist die gesellschaftliche Spannungslage bewusst", so Herold. Aber es herrsche auch Frust auf Seiten der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst, weil es bei den aktuellen Tarifverhandlungen keine Fortschritte gebe.

Kita-Mitarbeiter streiken am Dresdner Rathaus.
Etwas bunter streiken Mitarbeiter städtischer Kitas vor dem Rathaus in Dresden. Bildrechte: Tino Plunert

Welche Kitas sind konkret vom Streik betroffen?

Betroffen sind laut Verdi kommunale Kitas und Horte, aber nicht die Einrichtungen in freier und privater Trägerschaft. Um einen Überblick zu geben, hat die Stadtverwaltung am Mittwoch ab 6 Uhr eine Internetseite freigeschaltet, auf der eine Übersicht mit den vom Streik betroffenen Kitas zu finden ist. Zusätzlich richtet der Eigenbetrieb unter der 0351 4885111 eine Service-Hotline ein, unter der sich Eltern erkundigen können.

Gibt es eine Notbetreuung?

Nein. Wie die Stadt Dresden mitteilt, ist wegen der Corona-Situation eine Notbetreuung in anderen Einrichtungen nicht möglich. Teams und Kindergruppen aus verschiedenen Einrichtungen sollen sich schließlich nicht vermischen.

Wie verhalte ich mich meinem Arbeitgeber gegenüber?

Auf jeden Fall sollte der Vorgesetzte oder Arbeitgeber informiert werden. Laut Rechtsanwältin Dr. Kerstin Rudolph ist das der erste Schritt, um die Angelegenheit zu klären und Auseinandersetzungen zu vermeiden. Sollte sich keine alternative Betreuung etwa bei Freunden, Verwandten oder einem Babysitter finden, dürfen die Eltern bei so einem kurzfristigen Streik von der Arbeit fernbleiben, wie die Expertin für Arbeitsrecht erklärt. "Da es sich um kurze Zeiten der Abwesenheit handelt, haben sie sogar Anspruch auf Entgeltfortzahlung gemäß § 616 BGB."

Was ist, wenn Eltern im Homeoffice arbeiten?

"Sind Eltern im Homeoffice tätig, ist es oft möglich, trotz der Anwesenheit der Kinder zu arbeiten", so Rechtsanwältin Rudolph. Sei es - aus welchen Gründen auch immer -  nicht möglich, könne die Arbeitszeit verschoben oder in Abstimmung mit dem Vorgesetzten Urlaub in Anspruch genommen werden.

Die Mutter des sechsjährigen Jakob und des vierjährigen Valentin arbeitet Zuhause an einem Laptop, während ihre Kinder neben ihr malen und ein Buch ansehen.
Ist Homeoffice mit Kindern nicht möglich, kann auch in Abstimmung mit dem Chef Urlaub genommen werden. Bildrechte: dpa

Darf ich mein Kind allein zu Hause oder allein zur Kita gehen lassen?

Dazu gebe es keine gesetzliche Regelung, sagt Heike Heubner-Christa vom Kinderschutzbund in Dresden. Sie persönlich würde das bei einem Kind unter sechs Jahren mit Sicherheit nicht tun. Es gebe pädagogische Empfehlungen, ein Kind bis zum dritten Lebensjahr gar nicht unbeaufsichtigt zu lassen, ab vier Jahren könne es auch mal 15 bis 30 Minuten allein spielen. Ab sieben Jahre könnten Kinder bis zu zwei Stunden allein zu Hause sein. Allerdings sei es individuell sehr verschieden und komme auch auf die Umgebung an. "Es ist ein sehr komplexes Thema", betont Heubner-Christa.

Ein Junge spielt allein mit einer PS4-Spielkonsole
Ob ein Kind kurzzeitig allein zu Hause bleiben kann, sollten Eltern auf keinen Fall überstürzt entscheiden. Bildrechte: IMAGO

Was Kinder allein dürfen oder können, das müssten die Eltern verantwortlich anhand des jeweiligen Entwicklungsstandes entscheiden, so Heubner-Christa. Dazu gehöre auch, Kinder auf neue Bedingungen schrittweise vorzubereiten und Verhaltensweisen einzuüben. "Wie verhält man sich, wenn es an der Wohnungstür klingelt? Was macht man, wenn man auf der Straße angesprochen wird?", nennt die Geschäftsführerin des Dresdner Kinderschutzbundes zwei Beispiele.

Wann kann ich am Streiktag mein Kind in die Kita bringen?

Die Dresdner Stadtverwaltung rechnet frühestens ab 10:30 Uhr mit einem Normalbetrieb in den kommunalen Kitas. Sobald Erzieher vor Ort sind, würden die Einrichtungen auch wieder öffnen. "Es können maximal so viele Kinder betreut werden, wie nach Personalschlüssel zulässig", heißt es.

Wird es weitere Streiks bei den Kitas geben?

Man wolle das nächste Gesprächsergebnis in zwei Wochen abwarten. Je nachdem, wie es ausfalle, wolle man weiter entscheiden, so Herold von Verdi. "Es kann dann auch passieren, dass wir Kitas tageweise zumachen."

Worum geht es eigentlich bei den Streiks im Öffentlichen Dienst? Laut der Gewerkschaft Verdi ist die Grundforderung für diese Tarifrunde eine Lohnerhöhung von 4,8 Prozent. Dabei soll es eine Mindesterhöhung von 150 Euro monatlich brutto geben, sodass auch niedrige Entgeltgruppen eine Erhöhung erhalten. Für Auszubildende, Studierende und Praktikant*innen fordert die Gewerkschaft 100 Euro mehr. Auch das Thema Wochenarbeitszeit sei bei den Arbeitgebenden angesprochen worden. Schließlich gibt es im Westen die 39 Stundenwoche, während im Osten noch die 40 Stundenwoche existiert. "Also müssen die Kollegen im Osten noch mehr für das gleiche Geld arbeiten", so Verdi. Weitere Verhandlungstermine und konkrete Maßnahmen seien geplant. "Zudem wird es auf jeden Fall in den nächsten 14 Tagen bis drei Wochen immer wieder Aktionen und größere Streiktage geben, wo wir flächendeckend Betriebe zumachen werden, im Zweifel auch tageweise", teilte Verdi dem MDR mit.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.09.2020 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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