Mehrere Menschen sitzen vor Tischen während einer Sitzung.
Bildrechte: MDR / Florian Glatter

07.09.2019 | 17:43 Uhr Bundesverband der Laubenpieper gibt Kleingärtnern in Dresden gute Noten

In Deutschland gibt es rund eine Million Kleingärten. Die meisten davon im Osten. Zurzeit aber steigt der Druck auf die Kleingartenanlagen. Platzmangel in den Großstädten, Mitgliederschwund im ländlichen Raum oder die Bezahlbarkeit sind nur einige Themen, die beim 28. Bundesverbandstag in Dresden diskutiert wurden.

Mehrere Menschen sitzen vor Tischen während einer Sitzung.
Bildrechte: MDR / Florian Glatter

Zentrales Thema auf dem Bundesverbandstag in Dresden waren die Erkenntnisse aus der aktuellen Kleingarten-Studie. Für die Bestandsaufnahme wurden zwischen Juli 2017 und Mai 2019 verschiedene Landesverbände, Kommunen oder Ministerien befragt. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Kleingärten in weiten Teilen der Gesellschaft anerkannt sind, aber besser gefördert werden müssen. Dafür erfordert es neue Konzepte und vor allem viel Engagement.

Vizepräsident sieht Dresden in Vorreiterrolle

Älterer Mann mit Aktenordner sitzt an einem Tisch. Im Hintergrund ist eine Leinwand.
Vizepräsident Dirk Sielmann strahlt vor der Mitgliederversammlung. Der 54-Jährige weiß aber auch, dass die Kleingärtner vor großen Herausforderungen stehen. Bildrechte: MDR / Florian Glatter

Für Dirk Sielmann, den Vizepräsidenten des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde, hat Dresden in Sachen Kleingartenwesen eine Vorreiterrolle. Nicht nur, weil die Stadt Dresden den ortsansässigen Stadtverband unterstützt. "Der Verband ist auch gut organisiert", fügt Dirk Sielmann hinzu. So findet ein reger Austausch zwischen Mitgliedern und Vorstand statt. Ideen, beispielsweise ein Kleingartenwettbewerb, werden zusammen entworfen und stetig weiterentwickelt. Und von dem Wissen größerer Anlagen profitieren auch diejenigen, mit nur wenigen Parzellen. "Das führt letztlich auch dazu, dass der Erhalt der Kleingartenanlagen gesichert ist", meint Dirk Sielmann.

Vorteile in der Stadt | Leerstand auf dem Land

In mehr als jeder zweiten befragten Kommune ist das Interesse der Bevölkerung an Kleingärten gewachsen. Besonders in den Großstädten. Gerade in den Ballungsräumen ist die Nachfrage zum Teil so groß, dass Wartelisten geführt werden. Der Platz für neue Kleingartenanlagen fehlt meistens, da Wohn- oder Industrieräume geschaffen werden. "Wir haben hier eine große Flächenkonkurrenz", sagt Dirk Sielmann. "Da müssen wir Synergien schaffen. Ein erster Schritt wäre zu überlegen, ob bei Großbauprojekten auch neue Kleingartenanlagen geschaffen werden müssen." Ein anderer, die vorhandenen Anlagen umzugestalten. Der Bundesverband strebt an, nur noch kleinere Parzellen von maximal 300 Quadratmeter Fläche zu schaffen. Das könnte zum Beispiel dadurch gelingen, indem größere Kleingärten geteilt und saniert werden.

Bunte Blumenwiese in Kleingarten, im Hintergrund sieht man das Dach einer Holzlaube
Eine bunte Blumenwiese mit mehreren Beeten und einer kleinen Laube. So könnte die Zukunft des Kleingartenwesens aussehen. Bildrechte: MDR/Matthias Gabriel

Ich bin überrascht, wie gut in Dresden kleine Parzellen in der Nähe des Neustädter Bahnhofs bewirtschaftet werden können. Mit sehr schönen, kleinen Lauben. Da sieht man noch die ursprüngliche Tradition.

Dirk Sielmann Vizepräsident BDG

Ein ganz anderes Problem stellt sich dagegen im ländlichen Raum. Die Parzellen bleiben oft leer. In den vergangenen Jahren sind in Deutschland etwa 25.000 Kleingärten abgerissen worden. "Das kostet die Vereine viel Geld", erklärt Dirk Sielmann und appelliert an die Politik, "dass Städtebaufördermittel für den Rückbau von Parzellen zur Verfügung gestellt werden."

Kleingärten werden immer öffentlicher

Ein Gartenzaun in einer Kleingartenanlage.
Gartenzäune gehören immer öfter der Vergangenheit an. Stattdessen setzen viele Kleingartenanlagen auf Hecken oder kleine Steine als Grundstücksbegrenzung. Bildrechte: dpa

Immer mehr Kleingartenanlagen setzen auf ein öffentlich zugängliches Angebot. Hinweisschilder und Infotafeln werden an den Eingängen platziert, neue Eingangstore und Zäune sorgen für eine bessere Einsehbarkeit. In einigen Kleingartenanlagen verschwinden zunehmend die sichtbaren Grundstücksgrenzen. Statt Holzzäunen werden kleine Steine als Begrenzung gelegt oder die Grundstücke oft gemeinsam bewirtschaftet.

In einer Zeit, in der die Flächenkonkurrenz immer größer wird, müssen Kleingärtner auch für mehr Akzeptanz sorgen. Es reicht nicht nur aus, dass sie ihr eigenes Grün pflegen, auch die Nachbarn müssen etwas davon haben.

Dirk Sielmann Vizepräsident BDG

Zwischen Tradition und Moderne

Grünkohl-Pflanzen auf Beet
Die oberste Kleingärtner-Regel besagt: Mindestens 30 Prozent des Gartens müssen kleingärtnerisch genutzt werden. Beispielsweise durch Hochbeete auf denen Grünkohl wächst. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Es ist aber auch ein Spagat, den die Kleingärtner in Zukunft leisten müssen. Andere Formen wie das "Urban Gardening", also die gärtnerische Nutzung von städtischen Flächen, werden immer beliebter. Einige Vereine haben schon Hochbeete aufgestellt, die man mieten und sich im "Urban Gardening" ausprobieren kann. Die Infrastruktur muss verbessert, Wege und Gemeinschaftsräume geschaffen werden. Gleichzeitig soll der Grundgedanke erhalten bleiben. Auf mindestens 30 Prozent der Grundstücksfläche müssen Beete angelegt sowie Bäume und Sträucher gepflanzt werden, betont Vizepräsident Dirk Sielmann: "Gartenpächtern ist zu vermitteln, das kleingärtnerische Interessen und Nutzungen im Mittelpunkt stehen."

Quelle: MDR/fg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR Sachsenspiegel | 09.06.2019 | 19:00 Uhr

ausgetriebene Samen, kleine Pflanzen 4 min
Bildrechte: Daniela Dufft

Gärtnern in der Stadt geht gemeinschaftlich wie z.B. im Unigarten, wo Studierende Gemüse pflanzen oder individuell, wenn man Töpfe vors Haus stellt oder Erdstücke begrünt. Wer das macht, muss jedoch leidensfähig sein.

MDR KULTUR - Das Radio Di 09.07.2019 12:40Uhr 04:02 min

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Kleingärten 6 min
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Zuletzt aktualisiert: 07. September 2019, 17:43 Uhr

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