Neues Zentrum für Sepsis-Patienten "Ich wäre zuhause gestorben"

Anlässlich des neuen Zentrums für Sepsis-Patienten erzählt eine Betroffene ihre Geschichte. Sie hat dank durchgängiger Therapien den Weg zurück in ihr altes Leben gefunden. Davon sollen nun mehr Patienten profitieren.

Eine Frau sitzt auf einem Krankenhausbett
Ute Hinz wurde zum Jahreswechsel 2016/17 mit einer schweren Sepsis auf der Intensivstation der Dresdner Uniklinik behandelt. Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart

Es kann jeden treffen. Diese Erfahrung hat auch Ute Hinz gemacht. Weihnachten 2016 rief sie wegen hohen Fiebers den Notarzt und ließ sich einen Tag später ins Krankenhaus einweisen. Eine Woche später lag sie mit einer schweren Sepsis auf der Intensivstation der Dresdner Uniklinik. Zuhause hätte sie nicht überlebt. Die heute 51-Jährige hatte eine Atemwegsinfektion - eine häufige Ursache für eine Sepsis, die umgangssprachlich auch als Blutvergiftung bekannt ist. Die Krankheit ist die dritthäufigste Todesursache nach Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Nach drei Wochen auf der Intensiv-Station, wo Ute Hinz drei Mal ins künstliche Koma versetzt wurde, folgte ein gut dreimonatiger Aufenthalt in einer Reha-Klinik. Dort musste sie wieder laufen, sprechen und schreiben lernen. Ein solch durchgängige Behandlungskette ist bei Sepsis-Patienten noch nicht selbstverständlich. Genau da will das neue Comprehensive Sepsis Center des Dresdner Uniklinikums und der Klinik Bavaria Kreischa ansetzen.

Was passiert bei einer Sepsis? Sepsis-Patienten haben Keime im Blut. Beim Versuch des Körpers, die Infektion zu bekämpfen, greift er das eigene Gewebe an. In der Folge kann es zu lebensgefährlichem Organversagen kommen.

Ziel des klinikübergreifenden Zentrums ist die kürzere und effizientere Behandlung von Sepsis-Patienten. Die Versorgungskette liege nun in einer Hand liege, erklärt der Medizinische Vorstand der Uniklinik Dresden, Prof. Michael Albrecht, bei der Vorstellung des Konzeptes. Am 1. Oktober startet die Pilotphase, in der die Arbeit des Behandlungszentrums auch wissenschaftlich begleitet wird. Perspektivisch soll ein Netzwerk entstehen, sodass auch andere Krankenhäuser ihre Patienten vorstellen können. Außerdem soll das Projekt nach Vorstellung der Initiatoren in den Krankenhausplan des Freistaates aufgenommen werden.

Zahlen und Fakten - 13 Prozent der Intensiv-Patienten an der Dresdner Uniklinik haben eine Sepsis, 30 Prozent davon überleben die Krankheit nicht
- 60 Prozent der Sepsis-Patienten infizieren sich außerhalb des Krankenhauses
- mit jeder verzögerten Stunde bis Behandlungsbeginn steigt das Sterberisiko um sieben Prozent

Zurück im alten Leben

Anderthalb Jahre nach der schweren Krankheit ist Ute Hinz wieder in ihrem Alltag angekommen. Sie geht sogar seit einem Jahr wieder arbeiten. An den Schicksalsschlag erinnert heute ein Tattoo an ihrem linken Unterarm. Zudem ist sie seitdem Asthmatikerin, doch die Lungenbeeinträchtigung ist der einzige gesundheitliche Folgeschaden. Ansonsten habe sich nicht viel verändert, sie habe aber "ein anderes Bewusstsein für das Leben".

Saved 23.01.2017 als Tatoo auf einem Arm
Das Tattoo von Ute Hinz zeigt eine Lilie, ihre Lieblingsblume, den Schriftzug "Saved" (zu dt. "gerettet") und das Datum, als sie das letzte Mal aus dem künstlichen Koma geweckt wurde. Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart

Quelle: MDR/cb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 18.09.2018 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2018, 10:34 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

19.09.2018 11:58 Hercule 1

Ja die Sepsis kenne ich auch war zwar noch nicht so schlimm wie bei der Dame aber es Verändert auf jeden Fall ein Leben

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen