Interview Klinikum Dresden bildet Pflegekräfte verstärkt selbst aus

Klatschen allein reicht nicht, um die Personalsituation in den Krankenhäusern zu verbessern. Das ist auch in der Politik angekommen. Die Situation kann sich aber nur verbessern, wenn auch in der Zukunft gut ausgebildetes Pflegepersonal zur Verfügung steht. Viele Kliniken sind bei der Ausbildung auf der Suche nach eigenen Wegen. MDR SACHSEN hat mit Petra Vitzthum, der Pflegedirektorin des Klinikums Dresden, gesprochen.

Petra Vitzthum, Pflegedirektorin des Klinikums Dresden, ist eine Frau mithalblangen Haaren und Brille
Petra Vitzthum, die Pflegedirektorin des Klinikums Dresden Bildrechte: Klinikum Dresden

Wir sind in einer besonderen Zeit, Frau Vitzthum, Sie brauchen Auszubildende. Wie kann das Städtische Klinikum Dresden Nachwuchs gewinnen?

Werbung für den Beruf erfolgte bisher durch Messen und durch Teilnahme an Berufsorientierungs-Veranstaltungen in den Schulen. Dort sind unsere Praxisleiter hingegangen, weil der wichtigste Teil der Werbung die erlebbare Darstellung der Pflegeberufe ist. Es ist ja doch ein sehr spezieller Beruf und wir wollen damit die Herzen der Schüler öffnen, die sich für den Beruf begeistern sollen. Am 20. Mai war die letzte dieser Veranstaltungen, die wir machen konnten, die "Openair Azubimesse" in Dresden. Pandemiebedingt können wir das aktuell nicht mehr machen. Wir nutzen jetzt die Social-Media-Kanäle, informieren über unsere Angebote und die Aktivitäten, die in der bestehenden Ausbildung derzeit umgesetzt werden. Dazu gehören eine Schülerstation oder die Standortvorteile - zum Kennenlernen der Standorte beim Start in die Ausbildung. Ergänzend kam dazu noch eine Plakatkampagne zur Berufswerbung der Stadt Dresden. Dieses Angebot der Stadt haben wir sehr gern angenommen und freuen uns, auch in der Stadt präsent zu sein. Und wir sind natürlich auf der Suche nach Möglichkeiten, noch weitere Werbung für unsere Ausbildungsplätze zu machen.

Pflegeberufe - das klingt immer sehr pauschal. Welche Spezialisierungen gibt es? Oder oder gibt es eine Art Grundausbildung?

Es gibt ja seit diesem Jahr die generalistische Pflegeausbildung. Das ist eine sehr breit gefächerte Ausbildung, bei der die bisherigen Gesundheitsberufe, also Gesundheits- und Krankenpflegerin, Kinderkrankenpflegerin und Altenpflegerin zusammengeführt wurden. Das ist eine sehr herausfordernte Tätigkeit. Es ist aber ein wunderschöner Beruf, weil man ganz viel mit Menschen interagieren kann. Man kann sich in der Ausbildung spezialisieren für bestimmte Fachbereiche, zum Beispiel Intensivtherapie, direkt für die Arbeit im OP, für die Altenpflege oder die Kinderkrankenpflege. Es stehen alle Möglichkeiten offen. Wir sind auch als Klinikum sehr interessiert, unsere Pflegerinnen und Pfleger dahingehend zu unterstützen. Man kann zum Beispiel noch ein Studium an die Ausbildung dranhängen.

Was für ein Feedback bekommen Sie, wenn Sie mit den Interssenten sprechen? Wie ist das Image des Pflegeberufs? Macht man eine solche Ausbildung, weil man nichts anderes findet oder weil man den Beruf völlig verklärt? Irgendwo dazwischen liegt ja mit Sicherheit die Wahrheit.

Wie der Beruf wahrgenommen wird, ist sehr subjektiv. Ich bin immer der Meinung, es ist mehr als ein Job, weil er anspruchsvoll und erfüllend ist. Und das Berufsbild an sich ist ja von den Medien geprägt. Ich habe beobachtet, dass derzeit unsere eigenen Auszubildenden auch sehr gespalten sind. Bei einem Teil überwiegt eine gewisse Ängstlichkeit der Pandemie gegenüber. Infiziere ich mich selbst, nehme ich was in meine Familie mit hinein? Andere betrachten das als sehr spannende Herausforderung und geben wirklich alles. Sie unterstützen auch vor Ort die Patientenversorgung, das ist schon großartig. Ich denke, wir müssen als Ausbildungseinrichtungen noch mehr an dem Image arbeiten, um den Beruf auch wirklich so darzustellen, wie er wirklich ist. Der Beruf ist eigentlich schöner, als er in der Öffentlichkeit dargestellt wird.

Wie ist zurzeit die Situation bei den Pflegekräften? Haben sie genügend Personal? Wie praxisnah ist eigentlich die Ausbildung?

Wir haben derzeit die Pandemie. In einer solchen Situation haben wir natürlich nie genügend Pflegekräfte. Aber wenn die Pandemie vorbei ist, sind wir sehr gut aufgestellt, was den Pflegebereich betrifft. Wir haben in den letzten Jahren, nachdem es politisch gewollt, einen sehr harten Personalabbau gegeben hat, wieder permanent Personal aufgebaut. Wir haben einen großen Bedarf in den Intensivbereichen und vor allen Dingen im OP-Bereich, weil dort altersbedingt einige Mitarbeiterinnen ausgeschieden sind. Unser Ziel ist es, diese Bereiche in nächster Zeit zu stärken.

Einige Ihrer Auszubildenden werden die Ausbildung bald mit einer Prüfung abschließen. Von Seiten der IHK heißt es, dass es dabei Schwierigkeiten gäbe. Das bezieht sich auf die theoretische Ausbildung, weil die Berufsschulen geschlossen sind. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Da wir unsere Auszubildenden ganz dringend brauchen, tun wir alles dafür, damit sie die Ausbildung wie geplant abschließen können. An der medizinischen Berufsfachschule findet der Theorieunterricht voraussichtlich bis zum 29. Januar im Homeschooling statt. Ab Februar wird es wahrscheinlich ein Präsenzunterricht-Wechselmodell geben. Und die Praxisanleitung hier vor Ort, die jetzt notwendig ist, um die Ausbildung fachgerecht zu absolvieren, findet nach wie vor statt. Das bedeutet für unsere Praxisanleiter und unser Ausbildungsteam einen wahnsinnigen Organisationsaufwand. Vieles muss umgeplant werden. Zum Beispiel dürfen Auszubildende, die noch nicht volljährig sind, nicht in Infektionsbereichen eingesetzt werden. Und die Zusammensetzung unseres Patientenklientels hat sich ja doch sehr geändert. Unser Ausbildungsteam ist dabei sehr engagiert und bemüht, das alles umzusetzen. Wir gehen davon aus, dass wir alles so umsetzen können, dass die Prüfungen wie geplant absolviert werden können und wir unsere Auszubildenden dann auch in den Beruf übernehmen können.

Wieviele Auszubildende können im Moment übernommen werden? Wieviele bleiben ihrem Haus treu?

Im vergangenen Jahr haben wir ungefähr 80 Prozent unserer Auszubildenden in den Beruf übernommen. Wir haben aber allen einen Arbeitsvertrag angeboten. In diesem Jahr haben wir schon perspektivisch für September und auch März den Besten einen Arbeitsvertrag angeboten. Das sind auch etwa 80 Prozent der Auszubildenden.

Das heißt, wenn es gut läuft, haben sie ihre Nachwuchspflegekräfte auch alle selbst ausgebildet. Das ist doch eigentlich optimal für die Arbeitsabläufe im Haus?

Das ist sicher optimal. Denn bei den Bewerbungen, die wir extern bekommen, ist die Bewerberlage nicht so gut. Wir müssen selbst sehr viel Kraft in die Ausbildung stecken und unseren eigenen Nachwuchs ausbilden.

Ein Auszubildender, der bei Ihnen den Abschluss gemacht hat und dann bei ihnen arbeitet, ist ja sicher die beste Werbung. Der wird ja aus guten Gründen bei Ihnen bleiben.

Das ist für uns die beste Werbung. Da waren wir in den vergangenen Jahren allerdings nicht besonders gut. Jetzt haben wir das zu 100 Prozent auf andere Füße gestellt. Beginnend bei der Organisation, bei der Übernahme und auch, was die praktische Ausbildung vor Ort betrifft.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.01.2021 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Dresden

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