11.06.2019 | 21:32 Uhr Expertin: Russlandnähe zeigt ostdeutsches Selbstbewusstsein

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin.
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Dass sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin getroffen hat, zeige ostdeutsche Identitätspolitik. Das hat die Politikwissenschaftlerin der Universität Leipzig, Astrid Lorenz in einem Interview erklärt. Das Treffen hatte bundesweit Empörung ausgelöst. Die Politikwissenschaftlerin wertete den Besuch allerdings nicht als Fehltritt, sondern als ein Zeichen für Sachsens neues Selbstbewusstsein.

Vordergründig Wirtschaftspolitik

Astrid Lorenz
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Ministerpräsident Kretschmer hatte immer wieder die besondere Verbundenheit Ostdeutschlands mit Russland betont. "In Kretschmers Fall geht es zunächst um die Vertretung wirtschaftlicher Interessen. In Ostdeutschland kritisieren viele Unternehmensvertreter nicht nur, dass die Sanktionen gegen Russland politisch nicht effektiv seien, sondern auch, dass sie die Entwicklung der ohnehin noch immer relativ schwachen ostdeutschen Wirtschaft behinderten", erklärte Prof. Lorenz. Traditionelle Netzwerke und Standortvorteile könnten im Osten nicht genutzt werden, "was gerade angesichts der zu erwartenden Folgen des Brexit in Zukunft noch stärker zu Buche" schlagen könnte.

Neues Selbstbewusstsein gegenüber der EU

Laut Lorenz sei in ganz Ostmitteleuropa in den vergangenen Jahren ein neues Selbstbewusstsein gegenüber der EU entstanden, die oft als westlich dominiert wahrgenommen werde. "In Ostdeutschland äußert sich das in ähnlicher Weise in einem Aufbegehren gegenüber der Bundespolitik. Ich denke, dass Kretschmer diese Stimmungen in der Bevölkerung ansprechen will, die man dort unabhängig von der politischen Selbstverortung als 'rechts' oder 'links' erkennen kann."

Welche Abgrenzungsstrategie Kretschmer noch mit seinem Russland-Besuch verfolgt und welche Wähler er damit ansprechen möchte, erklärt die Politikwissenschaftlerin hier ausführlich im Interview und in dieser Analyse den Thüringenkorrespondenten des Deutschlandfunks.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm des MDR MDR AKTUELL | 11.06.2019 | 16:06 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

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9 Kommentare

13.06.2019 11:59 Mediator an Werner (2) 9

Vielleicht sollten sie sich ein wenig über das Wesen der EU kundig machen, statt irgendwelche Vorurteile wiederzukäuen.

Wo bestimmt die EU denn einfach etwas von oben? Alle Befugnisse der EU gegenüber den Mitgliedsstaaten wurden der EU von genau diesen Mitgliedsstaaten einstimmig übertragen, weil man der Meinung war, dass man damit die gemeinsamen Zielen am besten fördern kann.

Ansonsten sind NATO und EU zwei völlig unterschiedliche Institutionen, in die unser Land seit Jahrzehnten völlig freiwillig und erfolgreich eingebunden ist.

Es sit übrigens dumm die EU für niedige Zinsen vernatwortlich zu machen, denn diese findet man aktuell ja nicht nur in der EU, sondern auch in den USA, JP oder der Schweiz. Schauen sie sich einfach Länder an, in denen es aktuell hohe Zinsen gibt und entscheiden sie, ob sie dort gerne Anleihen erwerben würden.

Insgesamt ist ihr Beitrag von Vorurteilen und oberflächlichen Betrachtungen geprägt.

13.06.2019 10:31 Mediator 8

Was hat bitte Selbstbewusstsein mit Wirtschaftspolitik zu tun? Niemand hindert einen daran mit Russland Handel zu treiben, solange die verhängten Sanktionen nicht verletzt werden. Der Grund für die Sanktionen sollte jedem bekannt sein.

Ansonsten haben viele Länder in Osteuropa durch die sozialistischen Regime die sie lange Zeit regierten ein gewaltiges Defizit was das einüben demokratischer Spielregeln angeht. Die EU hat diesen Ländern Wohlstand nach der Unsicherheitsphase des Zerfalls der Sowjetunion gebracht. Dementsprechend häufig fällt man in diesen Ländern aktuell auf Populisten herein, die vom EU initiierten Wohlstand profitieren und eine politische Stabilität jenseits von wechselnden Mehrheiten vorgaukeln. Da muss man in Osteuropa und in der ehemaligen DDR durch. Letztendlcih hinkt dprt die demokratische Tradition Jahrzehnte hinterher.

12.06.2019 21:53 Regina 7

Ich beglückwünsche Herrn Kretschmer zu diesem Schritt. Er ist mutig und handelt im Sinne seines Volkes. Die Abhängigkeit von Herrn Trump und seinen gefährlichen Entscheidungen gefährden den europäischen und Weltfrieden. Dem muss Einhalt geboten werden. Frau Merkel in Co befinden sich bereits in den Fängen von Trumps Wahnsinn. Das Handeln von Herrn Kretschmer und u.a. auch Frau Schwesig st ein erster Schritt in die Europäische Unabhängigkeit.

12.06.2019 14:03 Jimmy 6

@Kirchenmitglied, das ist richtig was Sie schreiben. Auch ein Herr Kretschmar könnte damit Erfolg haben, wenn er seine Koalitionsaussagen überdenkt. Kretschmar ist in Sachsen nicht unbeliebt, doch ein zusammengewürfeltes Regierungsbündnis bringt den Freistaat nicht weiter und die Wähler kommen sich verschaukelt vor. Haben eventuell konservativ gewählt und bekommen plötzlich Ökopopulisten gratis dazu ...

12.06.2019 13:35 Wolf 5

Ich habe bis 1990 immer in der DDR gelebt, war weder in der Partei noch habe ich vorauseilenden Gehorsam gezeigt (wie heute manche Intellektuelle). Die Nachteile des sowjetischen Systems habe ich voll gespürt, weder einen Mercedes gefahren noch meinen Urlaub in Italien verbracht. Trotzdem habe ich akzeptiert, dass diese Situation eine Folge des selbstverschuldeten 2. Weltkrieges war. Heutzutage ist alles viel besser, der Umgang mit Russland aber ist ein Skandal. Als die USA unter Bush jr. den zweiten Golfkrieg wwegen einer nichtvorhandenen Wasserstoffbombe begann, hätten bei gleicher Wichtung wie der Krim-Annektion durch Russland Sanktionlen gegen die USA verhängt werden müssen. Nichtsdergleichen geschah. Nichts dergleichen geschah, sondern die Presse lobte vielmehr die ausschließlich aus wirtschaftlichen Interessen handelne USA. Seit dieser Zeit weiß ich, dass die Presse immer die Meinung ihrer Auftraggeber vertritt und Journalisten erst dann glaubhaft sind, wenn sie im Ruhstand sind.

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12.06.2019 12:10 Kirchenmitglied 4

Die Bayern mussten nach 1945 auch erst mal ihr eigenes Selbstbewusstsein aufbauen. Im überheblichen Rest der BRD galten sie damals als die Dorfdeppen der Nation. So stuft sie heute nach dem wirtschaftlichen Aufstieg der letzten Jahrzehnte niemand mehr ein. Die Ministerpräsidenten des Freistaates, vor allem Strauss, sind auch für politische Alleingänge bekannt, wurden dafür ungehörig beschimpft und haben letztendlich Erfolg gehabt.

12.06.2019 09:17 Heissluftbubi 3

" SELBSTBEWUSSTSEIN
G E G E N die EU ".

Das kommt einem doch sehr bekannt vor. In Warschau und Budapest pflegt man das mit Inbrunst.

Dennoch sind das gerade diejenigen, die seit Jahrzehnten
am Brüsseler Finanztropf hängen.

Selbstbewusstsein muss man sich leisten können. Ansonsten ist das nur substanzlose Großmäuligkeit.

12.06.2019 08:14 Werner 2

Die Überschrift "Amerikanähe zeigt westdeutsches Selbstbewusstsein", wäre genau so ungenau, und mit einem diffamierenden Unterton als "Russlandversteher" oder gar "Putinfreund". 89 war keine "Wende", um nur paar Jahre später wieder, "von Oben" aus der EU (damit zwangsweise Nato), verordnet zu bekommen, was sie zu tun und zu lassen haben. Möglicherweise ist hier aus Erfahrung das Unrechtsbewusstsein stärker ausgeprägt. Fest steht, dass die Ami´s mit zich ausgebufften Anwälten und Gummi-Verträgen, die Russen ausgetrickst haben. Arbeitsplätze sind Arbeitsplätze mit Wohlstand, Geschäft ist Geschäft - Wohlstand mit dem EURO ist mit 0-Zinsen nachweislich eine Falschaussage. Wichtigster Punkt, der bitte noch eineindeutig zu beantworten ist: haben wir die politisch-medial permanent beschworene "freie Marktwirtschaft, oder haben wir Keine? = schon wieder Diktat - vom anderen "Großen Bruder"?

11.06.2019 22:24 mare nostrum 1

Russlandnähe zeigt ostdeutschen Widerspruchsgeist im Sinne von HAUPTSACHE, WIR SIND GEGEN DIE (BUNDES-) REGIERUNG.

Das Konzept ist alt und nicht bewährt und fand schon in den 70er-Jahren im heutigen Mittelsachsen Anwendung.

Man versuchte auch damals, eine alternative Dorf-/Kleinstadt"diktatur" unter Führung der Ackerbürger zu schaffen ... und wehe dem, der ausscherte!

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