25.09.2019 | 21:23 Uhr Kritik an Wechsel von Ex-Ministerpräsident Tillich zur Mibrag

Nach dem angekündigten Wechsel des ehemaligen sächsischen Regierungschefs Stanislaw Tillich in den Aufsichtsrat der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft Mibrag wird Kritik laut. Die Entscheidung zeuge von "mangelndem politischen Gespür und Anstand", sagte Norman Loeckel von der Organisation Transparency Deutschland. Außerdem forderte Loeckel eine "Karrenzzeit für ehemalige Regierungsmitglieder und Staatssekretäre mit einer ausreichend langen Abkühlphase". Dies solle helfen, Interessenskonflikte zu vermeiden.

Stanislaw Tillich
Am Dienstag wurde Stanislaw Tillich als Aufsichtsratsvorsitzender der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft bestätigt. Dafür erntet der 60-Jährige viel Kritik. Bildrechte: dpa

Parteien kritisieren schnellen Wechsel

Die Linke in Sachsen betitelte Tillich als "gnadenlosen Kohlelobbyisten", der nun sein Geld mit einem Bergbauunternehmen verdiene. Das habe mehr als "nur ein Geschmäckle", hieß es aus der Parteizentrale. Die Entscheidung wirft zudem einen Schatten auf die Politik von Tillich-Nachfolger Michael Kretschmer, so die Linke. Die Grünen forderten Tillich auf, Abstand von der Berufung zum Aufsichtsratschef zu nehmen. "Erst torpediert Stanislaw Tillich wirksameren Klimaschutz, indem er in der Kohlekommission für die Interessen der Kohlelobby streitet", sagte Bundesgeschäftsführer Michael Kellner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Danach lässt er sich den Kompromiss auszahlen", so Kellner weiter.

Tillich soll sich Strukturwandel annehmen

Das Bergbau-Unternehmen Mibrag hatte nach einer Sitzung am Dienstag die Personalie verkündet. Als gebürtiger Sorbe und Lausitzer war Stanislaw Tillich seit seiner Geburt eng mit dem Thema Bergbau verbunden. Als Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft und Ministerpräsident hat sich Tillich für die Belange des Bergbaus und der Energiewirtschaft eingesetzt. Gemeinsam mit der Mibrag-Geschäftsführung soll sich Tillich um die energie- und klimapolitischen Herausforderungen des Unternehmens kümmern, heißt es in einer Mitteilung.

Quelle: MDR/fg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.09.2019 | 20:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2019, 21:22 Uhr

6 Kommentare

W.Merseburger vor 7 Wochen

Wenn ich an das Beispiel Pofalla und die Folgen für die Deutsche Bahn AG denke, dann müssten die Unternehmen doch begreifen, gescheiterte Politiker haben den Unternehmen noch nie genützt. Aber offensichtlich müssen wir uns damit abfinden, dass es Kräfte gibt, die Deutschland außer Zusatzkosten keinen Gewinn bringen.

Dynamo vor 8 Wochen

Alle Berichte werden Herrn Tillich (CDU) kaum interessieren. Er hat den Posten, den er wollte. "Was geht mich das Geschwätz der Leute an." Wer ist eine Woche vor dem Abgang als sächs. Ministerpräsident mit rund 50 Leuten im Gefolge für eine Woche nach China geflogen ? Nun raten Sie mal alle. Gewissen haben solche keins !

DER Beobachter vor 8 Wochen

Die Kombination aus mangelndem Gespür und mangelndem Anstand schon in ihrer Amtszeit lässt sich vermutlich allen bisherigen sächsischen Ministerpräsidenten nachsagen, außer vllt. "BiKo" und Kretzschmar... ;)

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