25.11.2019 | 21:25 Uhr | Update Mit der Axt ins Grüne Gewölbe - Soko "Epaulette" aufgestockt

Nach dem Einbruch im Grünen Gewölbe in Dresden laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Jetzt wurde ein Ausschnitt eines Überwachungsvideos veröffentlicht. Eine Sonderkommission ermittelt. Der Schock ist groß. Über den Schaden gibt es noch keine genauen Informationen.

Vitrine von Juwelen-Ensembles im Grünen Gewölbe
Diese Vitrine wurde aufgebrochen. Bildrechte: https://gruenes-gewoelbe.skd.museum/

Zwei Mitarbeiter der Spurensicherung stehen vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe.
Zur Sonderkommission "Epaulette" gehören inzwischen zehn Polizeibeamte. Die Soko wurde nach einem der gestohlenen Schmuckstücke - einem Epaulette - benannt. Bildrechte: dpa

In Dresden laufen die Ermittlungen zum spektakulären Kunstraub in der Schatzkammer Grünes Gewölbe auf Hochtouren. Polizei, Staatsanwaltschaft und Staatliche Kunstsammlungen informierten am Montagmittag auf einer Pressekonferenz über den Stand der Dinge. Demnach informierten Sicherheitsbedienstete des Museums um 4:59 Uhr die Polizei, als sie über die Videokamera zwei Personen im Juwelenzimmer beobachtet haben. Fünf Minuten später war der erste Einsatzwagen vor Ort. Trotz der schnell eingeleiteten Suchmaßnahmen konnten die Täter entkommen.

Die Polizei hat am Montagabend Sequenzen eines Überwachungsvideos veröffentlicht, auf denen man zwei Täter während des Einbruchs sieht:

Kompletter Schaden noch nicht ermittelt

Die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen, Marion Ackermann, sagte, während des Einbruchs sei eine Vitrine eingeschlagen worden, in der sich drei wertvolle Garnituren aus dem 18. Jahrhundert befanden. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Diamanten-Garnitur, eine Brillant-Garnitur und eine Diamantrauten-Garnitur von August dem Starken. Ob die Garnituren, die insgesamt aus rund 100 Einzelteilen bestehen, komplett gestohlen wurden, ist derzeit noch unklar. Die Ensembles bestehen aus Knöpfen, Schnallen, Hutzier, Orden, Achselschleifen oder Stockknöpfen und sind mit Brillanten, Diamanten, Rubinen, Smaragden oder Saphiren besetzt.

Wir werden uns Fragen stellen, was man an der Sicherheit verschärfen muss. Wir waren auf dem Stand, das ist das, was man tun kann. Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.

Marion Ackermann Generaldirektorin Staatliche Kunstsammlungen

Bildergalerie Diese Kostbarkeiten verschwanden aus der Vitrine im Grünen Gewölbe

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben nun mitgeteilt, welche Schmuckstücke am Montagmorgen gestohlen worden. Für die Schäden haftet der Freistaat, eine eigene Versicherung gibt es nicht.

Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Das Juwelenzimmer in der Schatzkammer des sächsischen Kurfürsten mit der Schmuckvitrine, als sie noch vollständig war. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Das Juwelenzimmer in der Schatzkammer des sächsischen Kurfürsten mit der Schmuckvitrine, als sie noch vollständig war. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur
Die Diamantrosengarnitur Überblick über alle Teile der Diamantrosengarnitur Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinski
Degen (Diamantrosengarnitur)
Diamantrosengarnitur Degen aus der Diamantrosengarnitur Bildrechte: Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Jürgen Karpinski
Zwei gewölbte Schuhschnallen aus der Diamantrosengarnitur
Diamantrosengarnitur Zwei gewölbte Schuhschnallen aus der Diamantrosengarnitur Bildrechte: Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Kleinod des Polnischen Weißen Adler-Ordens: Er trägt 225 größere und kleinere Diamanten. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Hutagraffe: Der Diamant in der Schleife oben hat 24,98 Karat. Der Mittelstein unten in der Rosette zeichnet sich durch 16,5 Karat aus. Die Hutkrempe besteht aus 13 großen und 103 kleineren Diamanten, aus Silber und Gold. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Große Diamantrose (Diamantrosengarnitur)
Diamantrosengarnitur Große Diamantrose Bildrechte: Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Achselschleife (Epaulette) - Teilstück vorhanden: Das Schmuckstück trägt 20 große und 216 kleine Diamanten, besteht aus Gold und Silber. Die größte Diamantrose in der Mitte der Doppelschleife hat 31,5 Karat. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
10 Rockknöpfe aus der Diamantrosengarnitur
Diamantrosengarnitur 10 Rockknöpfe aus der Diamantrosengarnitur (einzelne erhalten) Bildrechte: Jörg Schöner
Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Überblick über die Brillantgarnitur Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinski
Hutschmuck, sogenannter Reiherstutz aus der Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Hutschmuck, sogenannter Reiherstutz Bildrechte: Jürgen Karpinski
Epaulette mit dem sog. "Sächsischen Weißen" aus der Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Epaulette mit dem sog. "Sächsischen Weißen" Bildrechte: Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Brillantgarnitur Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinksi
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Diese große Brustschleife gehörte Königin Amalie Auguste. Der Schmuck stammt aus dem Jahr 1782 und trägt 51 große und 611 kleine Brillanten. Die Steine werden von Gold- und Silbereinfassungen gehalten. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Aigrette für das Haar in Form einer Sonne Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
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Wert nicht finanziell zu beziffern

Dirk Syndram
Dirk Syndram Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Laut Ackermann lässt sich der Wert des Diebesguts nicht beziffern. Die besondere Bedeutung liege weniger im Materialwert als in der Vollständigkeit des Ensembles. Sie hoffe, dass das Diebesgut aufgrund der "internationalen Bekanntheit" dem Kunstmarkt entzogen sei. Die Vorstellung, dass die Garnituren möglicherweise aufgebrochen würden, um die Teile einzeln zu verkaufen, sei eine "schreckliche Vorstellung", so Ackermann. Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes, sagte MDR SACHSEN, diese drei gestohlenen Garnituren seien die kostbarsten von allen zehn gewesen, die sich in dem Raum befunden haben.

Am Abend sagte Ackermann im Gespräch mit dem RBB, der Schaden sei möglicherweise geringer als befürchtet. "Wir wissen erst seit ein paar Minuten, nachdem der Tatort nochmal untersucht und die Spurensuche durchgeführt worden ist, dass zum Glück ( ... ) doch eine ganze Menge Objekte noch da sind."

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da diese berühmten, etwas durchgeknallten Menschen gibt, die sich sowas dann in den Panzerschrank legen. Es ist uns noch niemand begegnet in der Art.

Dirk Syndram Direktor Grünes Gewölbe

Genauer Tathergang noch unklar

Ein vergittertes Fenster
An dieser Stelle verschafften sich die Täter Zugang zum Juwelenzimmer. Bildrechte: TNN

Über die Täter und ihr Vorgehen gibt es noch keine detaillierten Informationen. Laut Polizei ging um 4:59 Uhr der Notruf des Sicherheitspersonals bei der Polizei ein. Die Wachleute, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Sicherheitszentrale befanden, beobachteten über eine Videokamera die beiden Täter in dem Zimmer und schlugen Alarm. Ob zuvor ein technischer Alarm ausgelöst worden war - als die Täter das Außenfenster eingeschlugen und das Gitter beseitigten - ist derzeit noch unklar. Nachdem die Täter gezielt auf die Vitrine zugegangen waren, das Sicherheitsglas mit einer Axt zertrümmert und die Kunstgegenstände geraubt hatten, gelangten sie laut Polizei vermutlich über das eingeschlagene Fenster wieder nach außen.

Dort entkamen sie offenbar mit einem Fluchtauto. Ob neben den beiden Personen weitere Täter beteiligt waren, ist ebenfalls noch unklar. Die Polizei geht allerdings davon aus.

Dass das Sicherheitspersonal nicht eingeschritten ist, erklärte Generaldirektorin Marion Ackermann damit, dass es angehalten ist, in solchen Fällen die Polizei zu rufen. "Menschenleben geht vor allem anderen", so Ackermann. Zum Zeitpunkt der Tat waren zwei Wachleute anwesend.

Parallelen zu Kunstraub in Berlin?

Die Dresdner Polizei hat nach eigenen Angaben auch Kontakt zu Ermittlern in Berlin aufgenommen. Sie stünden in Kontakt mit Berlin, um zu sehen, "was gibt es für Zusammenhänge, was gibt es für ähnliche Tatmuster", sagte der Leiter der Kriminalpolizei, Volker Lange. In Berlin hatten Unbekannte im Frühjahr 2017 aus dem Bodemuseum eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze gestohlen.

Brände in Stromverteiler und Tiefgarage

Feuerwehr beim Löschen am Terrassenufer
Kurz nach dem Einbruch brannte es in einem Stromverteiler an der Augustusbrücke - unmittelbar neben dem Grünen Gewölbe. Bildrechte: MDR/Tino Plunert

Geprüft werden auch zwei weitere Vorfälle am Morgen in Dresden. Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang zu einem Brand am Montagmorgen. Die Feuerwehr war gegen 5:21 Uhr zu einem Feuer eines Stromverteilerkastens am Terrassenufer in unmittelbarer Nähe des Grünen Gewölbes gerufen worden. Dadurch war die Straßenbeleuchtung ausgefallen. Ob dieser Brand möglicherweise auch die Sicherheitssysteme im nahegelegenen Grünen Gewölbe beeinträchtigt hat, ist Gegenstand der Ermittlungen.

In einer Tiefgarage stehen Feuerwehrleute neben einer ausgebrannten Limousine. Sie war am 25.11.2019 in Brand geraten. Die Feuerwehr musste insgesamt vier Autos löschen. Ist unter den Autos auch das Fluchtfahrzeug der Kunsträuber des Grünen Gewölbes Dresden? Spekulationen dazu gibt es. Die Polizei Dresden ermittelt.
Der Brand dieses Autos steht möglicherweise im Zusammenhang mit dem Diebstahl. Bildrechte: Roland Halkasch

Rund 15 Minuten nach dem Notruf aus dem Grünen Gewölbe wurde die Feuerwehr zum Brand in einer Tiefgarage auf der Kötzschenbroder Straße gerufen. Dort stand ein Audi A6 in Flammen. Alle vier Türen standen offen, so Kripochef Volker Lange. Das Fahrzeug sei abgemeldet gewesen. Ob es sich um ein mögliches Fluchtfahrzeug oder ein Ablenkungsmanöver handelt, kann die Polizei noch nicht sagen. Es wurde am Nachmittag von Kriminalisten untersucht und sichergestellt.

So lief der Polizeieinsatz ab - Zeitplan

Der Dresdner Polizeipräsident Jörg Kubiessa stellte auf der Pressekonferenz am Montagmittag den bekannten zeitlichen Ablauf der Tat und des Polizeieinsatzes vor:

  • 4:59 Uhr - Eingang des Notrufes vom Sicherheitspersonal bei der Polizei
  • 5:04 Uhr - erster Funkstreifenwagen vor Ort - Funkrundspruch
  • 5:05 Uhr - erster Hinweis auf Fluchtfahrzeug durch das Wachpersonal (über Videokamera)
  • 5:08 Uhr - Kriminaldauerdienst trifft vor Ort ein
  • 5:09 Uhr - alle verfügbaren 16 Funkstreifenwagen sind vor Ort
  • 5:09 Uhr - erste Hinweise auf Stromausfälle
  • 5:21 Uhr - Meldung über defekten Stromverteiler am Theaterkahn
  • 5:22 Uhr - Bundespolizei, Polizeidirektionen Görlitz und Chemnitz und die Polizei Brandenburg werden informiert
  • 7:00 Uhr - Tatortgruppe des Landeskriminalamtes wird angefordert, um "objektive Spuren" zu sichern

Bildergalerie Großeinsatz der Polizei am Grünen Gewölbe

In einer Tiefgarage stehen Feuerwehrleute neben einer ausgebrannten Limousine. Sie war am 25.11.2019 in Brand geraten. Die Feuerwehr musste insgesamt vier Autos löschen. Ist unter den Autos auch das Fluchtfahrzeug der Kunsträuber des Grünen Gewölbes Dresden? Spekulationen dazu gibt es. Die Polizei Dresden ermittelt.
Etwa 15 Minuten nach dem Einbruch brannte in einer Tiefgarage im Stadtteil Mickten ein Auto. Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang. Bildrechte: Roland Halkasch
In einer Tiefgarage stehen Feuerwehrleute neben einer ausgebrannten Limousine. Sie war am 25.11.2019 in Brand geraten. Die Feuerwehr musste insgesamt vier Autos löschen. Ist unter den Autos auch das Fluchtfahrzeug der Kunsträuber des Grünen Gewölbes Dresden? Spekulationen dazu gibt es. Die Polizei Dresden ermittelt.
Etwa 15 Minuten nach dem Einbruch brannte in einer Tiefgarage im Stadtteil Mickten ein Auto. Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang. Bildrechte: Roland Halkasch
Ausgebrannter Audi wird von LKA sichergestellt
Hinweisen zufolge sind die Einbrecher mit einem Audi A6 vom Tatort geflüchtet. Ein baugleiches Fahrzeug wurde später in der Tiefgarage an der Kötzschenbroder Straße in Brand gesetzt. Bildrechte: MDR/Tino Plunert
Ausgebrannter Audi wird von LKA sichergestellt
Der Audi wurde von Kriminalisten untersucht und sichergestellt. Bildrechte: MDR/Tino Plunert
Feuerwehr beim Löschen am Terrassenufer
Fast zeitgleich brannte es in einem Stromverteilerkasten an der Baustelle Augustusbrücke, gleich neben dem Grünen Gewölbe. Bildrechte: MDR/Tino Plunert
Blick in Kabelschacht
Durch den Brand fiel die Straßenbeleuchtung aus. Auch hier prüft die Polizei einen Zusammenhang. Bildrechte: MDR/Tino Plunert
Feuerwehr beim Löschen am Terrassenufer
Die Feuerwehr löschte den Brand. Bildrechte: MDR/Tino Plunert
Sicherheitsmitarbeiter hängen schwarze Sichtschutzplanen vor die Fassade des Grünen Gewölbes in Dresden auf.
Am Nachmittag wurde der Tatort mit Sichtschutz verhängt. Bildrechte: Christian Essler
Ermittler vor dem Eingang der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Nach dem Kunstraub am Montagmorgen in Dresden ist die Spurensicherung im Einsatz. Das Museum ist geschlossen - möglicherweise öffnet es am Mittwoch wieder. Bildrechte: xcitepress/Christian Essler
Ermittler vor dem Eingang der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Die Polizei hat zunächst eine zehnköpfige Sonderkommission gebildet. Diese wurde inzwischen auf 20 Beamte aufgestockt. Bildrechte: xcitepress/Christian Essler
Polizeieinsatz am Dresdner Grünen Gewölbe.
Die Polizei ist seit dem Morgen mit einem Großaufgebot vor Ort. Bildrechte: xcitePRESS
Polizeieinsatz am Dresdner Grünen Gewölbe.
Kriminaltechniker sichern Spuren. Bildrechte: xcitePRESS
Polizeieinsatz am Dresdner Grünen Gewölbe.
Die Schadenshöhe ist noch unklar, wie die Polizei mitteilte. Bildrechte: xcitePRESS
Polizeieinsatz am Dresdner Grünen Gewölbe.
Der Tatort wird penibel untersucht. Bildrechte: xcitePRESS
Polizeieinsatz am Dresdner Grünen Gewölbe.
Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und die Dresdner Polizei haben für 13 Uhr eine Pressekonferenz im Residenzschloss angekündigt. Bildrechte: xcitePRESS
Polizeieinsatz am Dresdner Grünen Gewölbe.
Der Einbruch betrifft den historischen Teil der wertvollen Sammlung. Bildrechte: xcitePRESS
Polizeieinsatz am Dresdner Grünen Gewölbe.
Nach den Tätern wird gefahndet. Bildrechte: xcitePRESS
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Zeugenhinweise gesucht Die Polizei Dresden sucht Zeugenhinweise. "Wer hat Wahrnehmungen im Zusammenhang mit der Straftat gemacht? Wer hat verdächtige Personen am Tatort gesehen? Wer kann Hinweise zum Verbleib der gestohlenen Gegenstände geben? Hinweise nimmt die Polizeidirektion Dresden unter der Rufnummer (0351) 483 22 33 entgegen."

"Kronjuwelen der sächsischen Könige"

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer zeigte sich bestürzt über den Einbruch in das Grüne Gewölbe. "Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen", sagte der CDU-Politiker. "Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss zu finden sind, sind von den Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet worden."

Man kann die Geschichte unseres Landes, unseres Freistaates nicht verstehen, ohne das Grüne Gewölbe und die Staatlichen Kunstsammlungen Sachsens.

Michael Kretschmer Ministerpräsident von Sachsen

Kunstministerin Eva-Maria Stange sagte, auch wenn das genaue Ausmaß noch nicht bekannt ist, sei ein "immenser kunst- und kulturhistorischer Schaden entstanden". "Die gestohlenen Schmuckstücke gehören gewissermaßen zu den Kronjuwelen der sächsischen Könige. Sie gehören nach Sachsen. Die Ermittlungsbehörden unternehmen alles, um die Gegenstände möglichst unbeschädigt zurückzubekommen." Innenminister Roland Wöller sprach von einem "bitteren Tag für das historische Erbe Sachsens". "Wir müssen nach dem Stand der Dinge davon ausgehen, dass es sich bei den Kunsträubern um Profis gehandelt hat, die exakt wussten was sie wollten und was sie tun."

Linke verlangen Aufklärung im Landtag

Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärte in Berlin, die Nachricht von dem Diebstahl sei "erschütternd und schockierend". Der Diebstahl von Stücken, "die unsere Identität als Kulturnation ausmachen, trifft uns ins Herz". Angesichts organisierter, hochkrimineller Täter sei der noch stärkere Schutz von Museen und Kultureinrichtungen "eine Aufgabe von höchster Priorität", betonte Grütters. Sie schließe nicht aus, dass es sich um ein Auftragswerk handele.

Die Linken fordern eine Auskunft von CDU-Regierungschef Michael Kretschmer im Sächsischen Landtag. "Natürlich gibt es offene Fragen zur Sicherheitstechnik und überhaupt zur Sicherung des Grünen Gewölbes. Es erschüttert und macht fassungslos, wie ein solch krimineller Zugriff auf weltbekannte Kunstschätze zugelassen wurde", teilte die Landtagsfraktion am Montag mit: Das Parlament könne angemessene Aufklärung erwarten: "Wenn laut offiziellen Statements der Staatsregierung ganz Sachsen betroffen ist, dann ja wohl auch sein Parlament."

Auch Alexander Prinz von Sachsen bestürzt

Auch Alexander Prinz von Sachsen zeigte sich nach dem Kunstdiebstahl im Dresdner Grünen Gewölbe bestürzt. "Wir waren immer davon ausgegangen, dass das gesamte Grüne Gewölbe zu den sichersten Räumen auf der Welt gehören würde", sagte der Präsident der Freunde des Grünen Gewölbes am Montagnachmittag. Er hoffe, dass es der Polizei gelinge, "diese einzigartigen Schätze unserer sächsischen Geschichte und Identität aufzufinden und sicher in die Sammlungen zurückzubringen". Alexander Prinz von Sachsen ist der Chef des früheren sächsischen Herrscherhauses Wettin.

Besucher im Juwelenzimmer des Grünen Gewölbes im Dresdner Schloss
Bildrechte: imago/momentphoto/Robert Michael

Das Dresdner Grüne Gewölbe Das Dresdner Grüne Gewölbe zählt zu den bedeutenden und ältesten Kunstsammlungen der Welt. Es befindet sich im Westflügel des Dresdner Residenzschlosses. Präsentiert werden mehrere tausend Meisterwerke der Juwelier- und Goldschmiedekunst von der Renaissance bis zum Klassizismus. Die Sammlung geht auf den sächsischen Kurfürsten August dem Starken (1670-1733) zurück. Er ließ die barocke Schatzkammer zwischen 1723 und 1730 anlegen. Heute gehört sie zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Seit 2006 wird die Sammlung wieder am historischen Ort im wiederaufgebauten Residenzschloss präsentiert. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss zerstört. Zuvor waren die Kunstgegenstände ausgelagert und nach Kriegsende von der Roten Armee beschlagnahmt worden. Erst 1958 wurde die Sammlung zurückgegeben und von 1959 bis 2004 im Dresdner Albertinum gezeigt.

Das Historische Grüne Gewölbe im Erdgeschoss des Schlosses umfasst rund 3.000 Kunstwerke in acht Räumen. Vom Bernsteinkabinett wird der Besucher ins Elfenbeinzimmer und weiter ins Weißsilberzimmer und das Silbervergoldete Zimmer geführt. In einem Pretiosensaal werden unter anderem vergoldete Gefäße mit Edelsteinen und kostbare Naturalien wie Straußeneier und Bergkristalle gezeigt. Eine Etage höher befindet sich das Neue Grüne Gewölbe mit Hunderten besonderen Einzelstücken.

Konsequent wurde bei der Neueinrichtung auf Vitrinen verzichtet. Die Objekte stehen frei auf Konsolen vor aufwendig gestalteten Wänden. Nur im Juwelenzimmer, dem Highlight der Schatzkammer, liegen die Schmuckstücke unter Glas, darunter komplette Juwelengarnituren mit bis zu 40 Teilen.

Der Name Grünes Gewölbe leitet sich von den ehemals malachitgrün gestrichenen Säulen und Kapitellen der ursprünglichen Schatzkammer August des Starken her. Schon 1724 war die Sammlung öffentlich zugänglich.

Quelle: MDR/lam/dk/dpa/AFP/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.11.2019 | ab 09:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus Dresden

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.11.2019 | 20:00 Uhr im Kulturmagazin "Aufgefallen"

MDR SACHSENSPIEGEL |25.11.2019 | 19:00 Uhr

477 Kommentare

Altmeister 50 vor 48 Wochen

Werte Ines,
dass die Exponate der Schatzkammer von einmaligem ideellen und materiellen Wert und nicht mit einem wertvollen Kirchen- Altarbild vergleichbar sind dazu sollte es keine zwei Meinungen geben. Wer das anders sieht, hat seine Meinung exklusiv.
Persönlich habe ich an der Planung und Ausführung von Alarmanlagen in einem mittelständischen Handelsbetrieb verantwortlich mitgewirkt. Dort ging es um Lagerbestände in der Größenordnung von ca. 300.000 €. Wir hatten dort ein System, das nachts schon bei Annäherung an das Gebäude über Bewegungsmelder Alarm auslöste und die Beleuchtung einschaltete. Bei Stromausfall wurde generell Alarm ausgelöst und die Notbeleuchtung aktiviert. Das System verfügte dafür über automatische Batteriezuschaltung und eine Betriebsdauer von mindestens 24 Stunden. Es gibt noch viel weitergehende Sicherungstechnik aber nach der bekannten Faktenlage wurden offenbar nicht mal die einfachsten verwendet.
Das Ganze war kein Glück und von mir kein nachtreten.

Sachse vor 48 Wochen

Verehrtes MDR-Team, nun tun Sie doch bitte, bitte, bitte DEM Beobachter den Gefallen und führen Sie den Daumen-runter-button (nicht Botton) wieder ein. Besser er hämmert fleißig darauf, als zu kommentieren.

martin vor 48 Wochen

@wwdd: Ich finde es mutig, dass Sie Ihre Meinung hier so offen schreiben. Ich habe zwar ein anderes Verständnis von Kulturgütern - aber das ist dann halt meine Meinung.

Übrigens: Ich finde es durchaus legitim darauf hinzuweisen, woher der gute August denn die Kohle hatte, die Schätze anzuhäufen. Von eigener Hände Arbeit vermutlich eher nicht .... Allerdings führt genau diese Betrachtung meiner Meinung nach dazu, dass die Sachsen das Eigentum daran zu Recht als gemeinsames Eigentum für sich reklamieren und sich auch persönlich beraubt fühlen.

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