Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing blickt in der Kreuzkirche in Dresden (Sachsen) zu den Gästen.
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21.10.2019 | 19:51 Uhr Landesbischof Rentzing tritt Ende Oktober zurück

In einer Sondersitzung hat die Leitung der sächsischen Landeskirche das Rücktrittsangebot von Bischof Carsten Rentzing angenommen. Vorausgegangen war eine politische Debatte um Rentzing. Nachdem bekannt geworden war, dass er bis heute Mitglied in einer schlagenden Studentenverbindung ist, wurde öffentlich, dass Rentzing als Student Texte für eine rechte Zeitschrift verfasst hatte.

Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing blickt in der Kreuzkirche in Dresden (Sachsen) zu den Gästen.
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Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing legt sein Amt zum 31. Oktober nieder. Das hat die Kirchenleitung am Abend bekanntgegeben. Synodalpräsident Otto Guse betonte auf einer Pressekonferenz in Dresden, es sei die Entscheidung des Landesbischofs gewesen. Aus dessen Sicht sei nur so die Einheit der Landeskirche wiederherzustellen. Ein neuer Landesbischof oder eine neue Landesbischöfin soll am 29. Februar und 1. März gewählt werden.

Landeskirche ringt um Einheit

Guse sagte, man müsse sich in der Landeskirche grundsätzlich darüber verständigen, wo die Grenzen zwischen rechtsextremen Äußerungen und den Positionen wertekonservativer Christen liegen. Darüber will die Landesynode am 2. November auf einer erweiterten Präsidiumssitzung sprechen. Es liege ein langwieriger Prozess vor der Kirche, so Guse. Es gebe keine fertigen Antworten. "Die Einheit der Kirche erschaffen wir nicht heute neu, sondern sie muss täglich erarbeitet werden." Landeskirchenamtspräsident Hans-Peter Vollbach betonte, in der Landeskirche hätten sowohl konservative, als auch liberale Christen ihren Platz.

Weiterer Weg Rentzings unbekannt

Rentzing ist derzeit im Urlaub und will danach eine Erklärung abgeben. Mit der Kirchenleitung hatte er in den vergangenen Tagen telefonisch Kontakt. Synodalpräsident Guse versicherte sich demnach noch einmal bei Rentzing, ob er sein Rücktrittsangebot aufrecht erhalten will. "Ich bedaure den Rücktritt maßlos", sagte Guse. "Ich habe selten so einen wunderbaren Geistlichen kennengelernt und werde mich jederzeit unter die Kanzel setzen, in der er das Wort auslegt." Wie es für Rentzing künftig in der Landeskirche weitergeht, will die Kirchenleitung gemeinsam mit ihm nach dessen Urlaub entscheiden. Unterstützer Rentzings hatten noch während der Pressekonferenz für den Verbleib Rentzings im Amt demonstriert.

Bildergalerie Unterstützer von Landesbischof Rentzing demonstrieren in Dresden

Demo der Bekenntnisinititative für den Verbelib von Landesbischof Rentzing im Amt
Anhänger der konservativen Bekenntnisinitiative demonstrierten am Montag in Dresden für den Verbleib von Landesbischof Rentzing im Amt. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Demo der Bekenntnisinititative für den Verbelib von Landesbischof Rentzing im Amt
Anhänger der konservativen Bekenntnisinitiative demonstrierten am Montag in Dresden für den Verbleib von Landesbischof Rentzing im Amt. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Demo der Bekenntnisinititative für den Verbelib von Landesbischof Rentzing im Amt
Die Bekenntnisinitiative hatte dazu aufgerufen, Instrumente und Kerzen mitzubringen. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Demo der Bekenntnisinititative für den Verbelib von Landesbischof Rentzing im Amt
Die Demonstranten nahmen mit dieser Aktion Bezug auf Worte aus der Bibel: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein." Jesus stellt sich an dieser Bibelstelle vor eine Frau, der wegen Ehebruch der Tod durch Steinigung droht und konfrontiert die Umstehenden mit der Frage nach ihrer eigenen Schuld. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
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Mitgliedschaft in Studentenverbindung bringt Stein ins Rollen

Rentzing hatte seinen Verzicht auf das Amt am 11. Oktober angeboten. Zuvor war bekannt geworden, dass der 52-Jährige bis heute Mitglied in der schlagenden Studentenverbindung "Alte Prager Landsmannschaft Hercynia" ist und 2013 einen Vortrag in der Berliner "Bibliothek des Konservatismus" gehalten hatte, die dem Umfeld der "Neuen Rechten" zugeordnet wird. Nach Rentzings Rücktrittsgesuch wurde zudem öffentlich, dass er als Student zwischen 1989 und 1992 Texte für die extrem rechte Zeitschrift "Fragmente" verfasst hat. Darin drückt er seine Verachtung für die liberale Demokratie aus, kritisiert die multikulturelle Gesellschaft und die Emanzipation von Frauen.

Screenshots aus Aufsätzen von Landesbischof Carsten Rentzing.
Auszug aus einem Aufsatz Rentzings Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Kirche distanziert sich von den Texten

Die Landeskirche hatte die Texte als "unvertretbar" bezeichnet. "Die der Kirchenleitung vorliegenden Texte sind als elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich einzustufen", hieß es in einer am 13. Oktober veröffentlichten Erklärung. Die Distanzierung des Landesbischofs von seinen damaligen Positionen hält die Kirche für glaubwürdig: Ein Mensch entwickle sich im Laufe seines Lebens, gerade auch der Glaube an Jesus Christus könne Menschen verändern. Wie die Landeskirche mitteilte, entschied sich Rentzing eigenen Angaben zufolge erst Mitte der 1990er-Jahre für den Pfarrerberuf. 1999 wurde er ordiniert. 2000 trat er eine Pfarrstelle in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge an, von 2010 bis 2015 war er Pfarrer in Markneukirchen im Vogtland.

In der Erklärung hatte die Kirche zugleich bedauert, dass es die Faktenlage und der persönliche Umgang Rentzings mit seiner Biografie erschwerten, den Landesbischof zu unterstützen.

Landeskirche ist gespalten

Wie gespalten die Landeskirche ist, zeigt sich auch an den Reaktionen auf Rentzings Rücktrittsgesuch. Im Internet tauchte vergangene Woche eine anonym verfasste Petition auf, die sich für den Verbleib des Bischofs im Amt einsetzt. Sie zählt inzwischen mehr als 19.500 Unterstützer - allerdings lässt das Portal auch Mehrfacheingaben zu. In Kirchgemeinden im Vogtland und im Erzgebirge stellten sich Christen hinter Rentzing. Mitglieder der Kirchgemeinde Markneukirchen initiierten eine Unterschriftensammlung. Im Vogtland und im Erzgebirge gelten viele Kirchenmitglieder als besonders konservativ. Liberale Christen aus Leipzig waren es wiederum, die Rentzing Ende September in einer Petition aufgefordert hatten, sich von der schlagenden Studentenverbindung Hercynia, der "Bibliothek des Konservatismus" sowie allen "nationalen, antidemokratischen und menschenfeindlichen Ideologien" zu distanzieren.

Rentzing steht seit 2015 an der Spitze der sächsischen Landeskirche. Die Entscheidung war damals knapp und fiel erst im sechsten Wahlgang. Viele Mitglieder der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen lehnen Rentzings konservative Ansichten ab. So hat er sich unter anderem gegen eine kirchliche Trauung homosexueller Paare ausgesprochen. Die gleiche Haltung vertritt er in Bezug auf homosexuelle Pfarrer, die mit ihrem Partner im Pfarrhaus leben wollen.  

Quelle: MDR/jr/dpa/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.10.2019 | ab 07:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 21.10.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2019, 19:51 Uhr

39 Kommentare

L.E. vor 3 Wochen

und jetzt sitzt er auf dem "heiligen Stuhl" ? Oder was wollen Sie den geneigten Mitkommentatoren hier verkünden,
@ Beobachter?
Was hat das BfV Ihrer Meinung nach in der Kirche zu tun?
Man bediene sich der "Ringelwürmer-Theorie" oder nach new speech: WHATABOUTISM?

DER Beobachter vor 3 Wochen

Wenn der Mann nicht gelogen hat, hat er sich trotz besserer Kenntnis der Sachlage (Analyse der sächsischen Polizei, Kretzschmar) wiederholt falsch geäussert. Es war im übrigen ziemlich schnell bekannt, dass mehrere der Filmsequenzen gesichert von einem Chemnitzer AfDler aus dem Mob heraus gefilmt waren!

DER Beobachter vor 3 Wochen

Mal abgesehen von der Themenrelevanz: Marx ist Trierer, genoss eine katholische Erziehung, gilt trotz des ML als einer der bedeutendsten Philosophen des 20.jh., studierte selbst auch Kirchenlehrer. Der kirchenfeindliche impetus des Kommunismus ist mehr Lenins als Marx' Erbe. Die katholische Soziallehre schon des 19.jh. ist ihrerseits u.a. auch von Marx' Sozialkritik inspiriert. Ich halte nicht viel von dem Spruch, dass Jesus der erste Kommunist gewesen sei, aber wären sie Zeitgenossen gewesen, hätten sie sich vermutlich als Partner derselben Sache verstanden...

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