19.05.2019 | 12:03 Uhr Rassismuskritik: Gerichtsverfahren von Leiharbeiter aus Dresden geht weiter

Hab ich zuviel riskiert? – diese Frage stellt sich der ehemalige Leiharbeiter Ronny aus Dresden. Anfang März gibt das Arbeitsgericht München seiner Klage gegen seine Kündigung zwar statt. Doch jetzt geht die Gegenseite in Widerspruch – und zweifelt seine Version der Geschichte an.

von Stephan Hönigschmid

Ein illustratives Foto eines als Justitia gekleideten Frauenmodells, der römischen Göttin der Justiz und des Rechtssystems, in den Händen hält sie ein Schwert und eine Waage.
Bildrechte: dpa

Anfang März war die Welt für den Dresdner Leiharbeiter Ronny noch in Ordnung. Das Münchner Arbeitsgericht hatte gerade seiner Klage gegen seine Kündigung stattgegeben. Wie das Gericht mitteilte, hatte sich Ronny bei BMW in München gegen rassistische Äußerungen eines Vorgesetzten gegenüber Kollegen zur Wehr gesetzt. Daraufhin war er von BMW nicht weiter beschäftigt und von seiner Leihfirma entlassen worden – angeblich wegen schlechter Arbeitsleistung.

Schlaflose Nächte, weil Leiharbeitsfirma Widerspruch eingelegt hat

Allerdings will die Leiharbeitsfirma Brunel das Urteil nicht akzeptieren und legte vor Kurzem Berufung ein. Für Ronny war das ein schwerer Schlag. "Ich weiß nicht, ob ich die Kraft habe, das weiter durchzuboxen. Ich habe schon viele schlaflose Nächte gehabt, aber das interessiert ja keinen", ärgert sich der frühere Leiharbeiter und zweifelt, ob es richtig war, den Missstand anzusprechen. "Vielleicht hätte ich lieber meinen Mund halten und einfach rauchen gehen sollen, dann wäre mein Leben jetzt einfacher."

Der Dresdner hatte bei BMW gerade einmal zwei Wochen gearbeitet. Er war noch in der Probezeit. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi soll sein Vorarbeiter immer wieder andere Kollegen mit Sprüchen wie "Bimbo", "Nigger", "diese Juden", "Behinderte" und ähnlichem beleidigt haben. Und das vollkommen ungeniert unter Nennung des jeweiligen Namens. Der Leiharbeiter hörte sich das eine Weile an, bis es ihm zuviel wurde. Er sagte, dass er solche Töne nicht mehr hören wolle.

Angst, auf sich allein gestellt zu sein

Obwohl ihn Verdi bei dem Prozess unterstützte, hat er Angst, in Zukunft auf sich allein gestellt zu sein. Vor allem seine Stammgewerkschaft IG Metall habe ihn enttäuscht. "Ich möchte nicht generell gegen die Gewerkschaft wettern, aber ich bin seit 20 Jahren IG-Metall-Mitglied und habe von dieser Gewerkschaft keine Unterstützung bekommen." Nachdem Ronny rausgeflogen sei, habe er sich an die IG-Metall-Mitglieder im Betriebsrat gewandt, um die Hintergründe zu erfahren, aber keine Antwort erhalten. "In meiner Not bin ich dann bei Verdi eingetreten, weil mir eine sehr engagierte Gewerkschafterin Hilfe angeboten hat. Aber die haben mir vielleicht nur geholfen, weil sie die Zusammenhänge nicht kannten", so Ronny.

Auf Nachfrage von MDR SACHSEN verneint dies die Gewerkschaft. "An unserer Unterstützung gibt es keinen Zweifel", sagte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Hedwig Krimmer. Obwohl alle gesagt hätten, bei einer Kündigung in der Probezeit habe man vor Gericht kaum eine Chance, habe man es wegen des rassistischen Hintergrundes dennoch durchgezogen. "Wir sind auch bereit, bis zum Bundesarbeitsgericht zu gehen", sagte Krimmer, die darauf hinweist, dass Verdi für den Fall zuständig sei, weil es sich um das Thema Leiharbeit handelt.

Leiharbeitsfirma: Kündigung hatte andere Gründe

Anders als Verdi hat sich der zuständige IG-Metall-Sekretär aus München trotz mehrfacher Anfragen gegenüber MDR SACHSEN nicht geäußert. Dafür legte die Leiharbeitsfirma Brunel ihre Sicht dar. Man weise darauf hin, dass es im besagten Fall keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Kündigung und den Rassismusvorwürfen gebe. Die Kündigung sei ausschließlich anderweitig begründet. Daher werde man sich rechtlich zur Wehr setzen, wenn falsch behauptet werde, die Entlassung sei im Eintreten des Mitarbeiters gegen Rassismus begründet gewesen, teilte Sprecher Daniel Günther mit. Weitere Details wollte er mit Blick auf das laufende Verfahren nicht nennen.

BMW hat Vorwürfe untersucht

Auch BMW nimmt den Fall sehr ernst. Sprecher Jochen Frey sagte dazu: "Ja, wir haben die Vorwürfe sehr gründlich untersucht. Wir waren zwar nicht am Prozess beteiligt und wurden auch nicht angehört, aber Rassismus wird bei der BMW Group auf keinen Fall geduldet, deshalb sind wir der Sache intensiv nachgegangen. Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass die im Prozess geäußerten und auf einem Flugblatt und in Medien berichteten Vorwürfe nicht zutreffen und es im Arbeitsumfeld, in dem der Kläger beschäftigt war, keine rassistischen Äußerungen oder etwa ein rassistisches Klima gegeben hat." Gerne hätte man auch mit dem Kläger selbst gesprochen, was dieser jedoch mit Blick auf das laufende Verfahren abgelehnt habe, so Frey.  

Wie es nun weitergeht, ist noch unklar. Laut Ronny ist die Frist, um den Widerspruch zu begründen, bis Mitte Juni verlängert worden. Erst danach werde ein neuer Gerichtstermin verkündet. Die psychische Anspannung bleibe für ihn damit bestehen, sagte er MDR SACHSEN. "Aus finanziellen Gründen werde ich wohl meine Verdi-Mitgliedschaft kündigen, die ich nur für den Rechtsschutz abgeschlossen hatte. Möglicherweise kann ich dann nur mit Hilfe der Prozesskostenhilfe weitermachen – oder ich gebe eben auf", sagte Ronny, der aktuell arbeitslos ist.

Dieses Thema im Programm des MDR MDR AKTUELL | 17.05.2019 | 04:27 Uhr

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23 Kommentare

21.05.2019 11:49 Ekkehard Kohfeld 23

@ Hippie 22
Ekki lass es doch einfach. Du machst dich hier mit deinen Umdeutungsversuchen komplett lächerlich...
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Schon ärgerlich wenn man auf dem falschen Fuß erwischt wird:-))))))))))))))
Armer Hippie.

21.05.2019 10:16 Hippiehooligan 22

Ekki lass es doch einfach. Du machst dich hier mit deinen Umdeutungsversuchen komplett lächerlich...

21.05.2019 09:26 Ekkehard Kohfeld 21

@ Ronny 19
Danke Hippiehool!
##
Ich fasse es nicht sie danken jemand der sie verspottet.
Ja so ist das,einige wählen sich sogar ihren Henker selber.

20.05.2019 21:53 Freiheit 20

20.05.2019 19:39 Ronny 》Meine Hoffnung ist auch, das wie bei NSU u.a. die Nachkommen früher oder später (NSU: 120 Jahre) die Wahrheit erfahren.《

Ich würde die Wahrheit zum NSU gern heute schon erfahren!

20.05.2019 19:39 Ronny 19

Danke Hippiehool!
Meine Hoffnung ist auch, das wie bei NSU u.a. die Nachkommen früher oder später (NSU: 120 Jahre) die Wahrheit erfahren.
Danke.

20.05.2019 16:45 Hippiehooligan 18

Ach Ekki komm... das ist jetzt selbst für dich zu billig. Ein Arbeitnehmer macht sich gegen Rassismus stark und wird wegen angeblich schlechter Leistung gefeuert. Statt das Vorgehen der Konzerne zu verurteilen, treten die hier schreibenden Rechten (sorry Ekki, dich hatte ich in der Aufzählung vergessen) noch mal gegen den couragierten Mitarbeiter nach.
Wenn dir das etwas Licht in dein sonst so braunes Leben zaubert, kannst du dir den Kommentar gern abspeichern...

20.05.2019 16:27 Ronny 17

@12 Kirchenmitglied: ...und zeigt welch erbärmlich Menschenbilder durch diese Gesellschaft in 2018/ 19 schwirren dürfen.

Arbeitsleistung: nach 1,5 Wochen beurteilen das die Profis also schon endgültig- aha.

Noch Richtigstellung:
Ver.di ist NICHT ALLEIN für Zeitarbeit zuständig.
Natürlich wäre das auch bei IGM möglich.
Keine Ahnung, was dieser Satz bezwecken sollte.

Guddmachn.

20.05.2019 16:24 Ronny 16

@8. Tina: Gewonnen, weil an Erfahrung? Klingt auch nicht gut! Warum wird so etwas nicht mal öffentlich debattiert? Warum können Verantwortliche so einfach alles deckeln und unterdrücken?

@9. R.Krellmann: Mein Beileid! Konnten Sie wieder Fuß fassen? Danke. Ja, ist nur etwas verdächtig, das man jetzt sehr viele Absagen in diesem Bereich bekommt... Wird natürlich ausschließlich an Qualifikationen liegen [...].
Nur was bedeutet das? Somit wäre deren Rechnung komplett aufgegangen! Es würde immer weiter so geschehen. Eine gewisse schützende Inzucht wäre die Aussage.
Auch weil gerade die kritischen Demokratieschützer*innen eher im Niedriglohnsektor "hinvegetieren", die Rechten aber mit hochdotierten, geschützten Industrie-Arbeitsstellen, in u.a. den Betrieben, ihr Geld verdienen.
MDR berichtete über hohe Anzahl der rechten Grundstückskäufe. Genau hier muss die Herkunft des Geldes endlich thematisiert werden!!!

20.05.2019 16:22 Ronny 15

@ 1. Anton: Was wurde daraus? Einfach hingenommen, weggesteckt und weiter gemacht, als wäre nix geschehen? ...ja, das scheint wohl die aktuelle Hohe-Schule-Lösung in Jahr 70 der Grundrechte im Grundgesetz zu sein. Verrückt.
Wahrscheinlich beweihräuchern sich in Karlsruhe alle zur Feierstunde, weil Rechte sind ganz normal und in Minderheit- NEIN, sind sie mittlerweile nicht mehr! Augen auf!

@Sachse, Mikro & Thore (kennen wir uns? ;-o) Sachse43: Übrigens, ein Hohes Gericht eröffnet erst ein Verfahren, wenn`s überzeugt ist... Auch ist es eher selten, das sich Jemand ohne Beweise gegen Mammut, der „Heiligen Kuh“ Automobilindustrie, hechtet...einen Brand mit Schnapsgläsern löschen wöllte. Nur mal so...

@7. Querdenker: aber ohne jegliche Konsequenz. Wie Hr. Steinmeier grad wieder in LE sagte: „...Arbeitsplätze, Arbeitsplätze,...“ *gähn*
...

20.05.2019 14:37 Ronny, III. 14

...
Welche Zeichen mit dem heutigen Besuch vom Bundespräsidenten in Leipzig gesendet werden sollen, weiß ich auch nicht so recht.
Gerade weil so ein Besuch bislang einmalig war/ ist. Dann noch nicht mal bei dem „Staatsbetrieb“ VW...
Die letzten fraglichen Inszenierungen der Wirtschaft mit Politikgrößen, erinnern mich an ganz, ganz dunkle Zeiten in diesem Land!

Besonders fragwürdig aber, weil Hr. Steinmeier über seine „Adjutanten“ ausrichten ließ, das die gesagten diskriminierenden „N-Worte“, „Sinti und Roma“-, Antisemitismus-Beleidigungen „...als Meinungsäußerungen in der Demokratie hingenommen werden müssten...“.
...

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