Doppelstockzüge der zweiten Generation des InterCity stehen 2016 auf den Gleisanlagen vor dem Hauptbahnhof Leipzig.
Endlich wieder nach Berlin: Ab Dezember dieses Jahres soll es etwa jede Stunde einen Fernverkehrszug von Dresden nach Berlin geben. Der neue Doppelstock-Zug IC2 fährt laut Bahn direkt an die Ostsee nach Rostock weiter. Bildrechte: dpa

Verkehr Bahn will jede Stunde von Dresden nach Berlin fahren

Wenige Züge, lange Fahrtzeiten: Die schlechten Zugverbindungen von Dresden nach Berlin lassen die Hauptstadt für viele fern wie einen anderen Planeten wirken. Seit Jahren beschweren sich Wissenschaftler, Politiker, Geschäftsleute und Privatreisende. Jetzt scheint eine erste Besserung in Sicht. Ab Dezember will die Bahn einen neuen Intercity einsetzen.

Doppelstockzüge der zweiten Generation des InterCity stehen 2016 auf den Gleisanlagen vor dem Hauptbahnhof Leipzig.
Endlich wieder nach Berlin: Ab Dezember dieses Jahres soll es etwa jede Stunde einen Fernverkehrszug von Dresden nach Berlin geben. Der neue Doppelstock-Zug IC2 fährt laut Bahn direkt an die Ostsee nach Rostock weiter. Bildrechte: dpa

Die Deutsche Bahn will den Fernverkehr zwischen Dresden und Berlin zum nächsten Fahrplanwechsel "erheblich ausbauen". Ein neuer Intercity soll ab Dezember 2019 von Dresden über Berlin bis an die Ostsee nach Rostock fahren. "Damit verbinden wir die sächsische Landeshauptstadt und Berlin etwa im Ein-Stunden-Takt. Das Angebot wird faktisch verdoppelt", sagte ein Sprecher der Bahn MDR SACHSEN. Der neue Intercity werde ergänzend zur bestehenden Eurocity-Linie Prag – Dresden – Berlin – Hamburg angeboten. Zum Einsatz kommen sollen laut Bahn die neuen Doppelstockzüge des Intercity 2.

Deutliche Verbesserung

Bislang fahren nur alle zwei Stunden Fernzüge von Dresden nach Berlin. Sie brauchen knapp zwei Stunden. Zum Vergleich: Von Leipzig startet jede Stunde ein ICE nach Berlin, er braucht lediglich eine Stunde und 13 Minuten. Die Ostsee ist von Dresden derzeit gar nicht mit einem Fernzug zu erreichen. Um nach Rostock zu gelangen, müssen Fahrgäste mindestens einmal umsteigen und Teilstrecken mit dem Regionalzug zuckeln. Die neue IC-Verbindung würde somit eine deutliche Verbesserung bedeuten. Die Bahn hatte die neue Linie bereits vor zwei Jahren angekündigt.

Ein Doppelstockzug der zweiten Generation des InterCity fährt 2016 über die Gleisanlagen vor dem Hauptbahnhof Magdeburg.
Der Intercity 2 rollt seit Dezember 2015 durch Deutschland und erreicht Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometer pro Stunde. Bildrechte: dpa

Ausbau der Strecke auf Tempo 200

Die schlechten Fernverkehrsverbindungen ab Dresden sorgen seit Jahren immer wieder für Anstoß. Seit 2012 wird die Strecke nach Berlin laut Bahn für das Tempo 200 saniert. Im kommenden Jahr sollen die umfangreichen Arbeiten auf der 125 Kilometer langen Strecke mit über 20 Bahnübergängen abgeschlossen sein. Bislang konnte durch die neuen Streckenabschnitte die Fahrtzeit des EC von zwei Stunden und 20 Minuten immerhin um knapp eine halbe Stunde gesenkt werden. Derzeit wird die gesamte Strecke mit dem neuen europäischen Zugsicherungs- und Steuerungssystem (ETCS) ausgerüstet.

Chemnitz ist vom Fernverkehr abgeschnitten

Doch nicht nur Dresden kämpft mit einer schlechten Anbindung. Chemnitz ist gänzlich vom Fernverkehr abgekoppelt. Auch hier ist Besserung in Sicht: Die Strecke Leipzig-Chemnitz soll jetzt endlich elektrifiziert werden. Das Bundesverkehrsministerium hatte das Projekt schon im November in den "vordringlichen Bedarf aufgenommen. Damit könnte Sachsens drittgrößte Stadt Chemnitz wieder an das Fernverkehrsnetz der Bahn angeschlossen werden. Eine Umsetzung des Projekts wird jedoch nicht vor 2025 erwartet.

Politiker begrüßt stündliche Zugverbindung

Der Dresdner Grünen-Abgeordnete Johannes Lichdi begrüßte die Pläne der Bahn. "Ich kann es kaum glauben!", kommentierte der Stadtrat aus der Dresden-Neustadt. Besonders Politiker, Wissenschaftler und viele Geschäftsreisende, die sich beruflich schnell zwischen den Städten bewegen müssen, hatten immer wieder eine bessere Bahnverbindung nach Berlin gefordert. Die schlechte Verbindung wird als negativer Standortfaktor seit Jahren diskutiert. Besonders für die Ansiedlung von Kongressen und Messen spielen gute Bahnverbindungen eine wichtige Rolle.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Sachsen zeigte sich noch skeptisch: "Ich glaube das erst, wenn es im Fahrplan steht", schrieb er bei Twitter. "Auf dieser Strecke soll es tatsächlich mal ein attraktives Angebot geben!"

Diskussionen um EC-Strecke

Spekulationen hatte es im Internet in der vergangenen Woche auch um die Zukunft der populären EC-Linie Prag – Dresden – Berlin – Hamburg gegeben. Die mögliche Einstellung der Verbindung dementierte die Bahn: "Es gibt keine Planungen, die Zahl der Züge zwischen beiden Ländern zu reduzieren", hieß es auf Anfrage von MDR SACHSEN. "Derzeit laufen Gespräche mit der Tschechischen Staatsbahn (CD) zur Angebotsplanung im neuen Fahrplan ab Dezember 2019. Ziel ist die Weiterentwicklung attraktiver Verbindungen zwischen Deutschland und Tschechien." Die Euro-City-Linie sei eine erfolgreiche Kooperation der Deutschen Bahn mit der Tschechischen Staatsbahn (CD). Mit dem Einsatz von neuen Mehrsystemloks entfalle zudem der zeitraubende Lokwechsel in Dresden. Das trage weiter zu einer steigenden Attraktivität der Verbindung bei.

Eine blaue E-Lok steht mit einem Eurocity an einem Bahnsteig.
Das "Blaue Wunder" aus Tschechien zieht den Europacity auf der Strecke von Prag über Dresden bis nach Hamburg. Bildrechte: Tschechische Staatsbahn ČD

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.03.2019 | 16:0 Uhr in den Nachrichten

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2019, 18:38 Uhr

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17 Kommentare

18.03.2019 15:55 Naumann 17

Toll, die Dredner S-Bahn fährt demnächst bis nach Berlin.
Hoffentlich dann auch zum VVO-Tarif. Oder will man dafür jetzt IC-Aufschlag haben?

18.03.2019 12:38 Scherrenberg 16

Das ganze ist so absurd, dass man es kaum fassen kann:

Die Strecke Dresden - Berlin wird mit großem finanziellen Aufwand für 200 Stundenkilometer ausgebaut. Ein Mammut-Projekt, das bis zu einer Milliarde Euro kostet.

Aber die Deutsche Bahn lässt dann Züge fahren, die nur höchstens 160 schaffen. Weiß lackierte Doppelstock-Wagen, die von der Dresdner S-Bahn abstammen. Das kann doch alles nicht wahr sein! Das Geld hätte man auch einfacher verbrennen können ....

18.03.2019 10:53 Mane 15

Die Bahn ist genau so ein Sauhaufen ,wie die Regierung in Deutschland. Was hatten wir für gute Verbindungen in Chemnitz und andere Städte,Dresden ,Görlitz.Jetzt muß man ja alles wieder neu erfinden.Was bei der Bahn so richtig gefördert wird,die Leute in der 1Kl.sollen fressen und saufen so viel wie möglich. Da wird alles dafür zurückgestell.Wurde selber bestraft,da ich was anderes gemacht habe.

18.03.2019 08:12 na so was 14

Warum feiern sich die DB und die Politiker eigentlich selbst, dass in Zukunft ein ICE stündlich von Dresden nach Berlin / Rostock fahren soll ? Kennen diese Damen und Herren die Fahrzeit der Fernzüge von Dresden nach Berlin vor Beginn des 2. Weltkrieges ? Anscheinend nicht, denn sonst würden sie nicht so einen Aufriss darüber machen. Für Ende 2019 ist diese Fahrerei aller einer Stunde eingeplant. Eine sehr sportliche Aufgabenstellung, immerhin liegen "nur noch Frühling, Sommer und der halbe Winter dazwischen". Ich hoffe, alle Interessierte heben sich diesen Artikel gut auf und lesen ihn Ende 2019 noch einmal laut, deutlich und gründlich einem möglichst großen Zuhörerkreis vor. Welche Sprüche werden da so kommen ? Von, "steht das wirklich in diesem Artikel ?" bis, "der BER, Autobahn Chemnitz -Leipzig in seiner "fristgerechten Fertigstellung", "Ausbau der A4 Dresden - Görlitz" usw. sind die Vorbilder dieses Bauvorhabens.

17.03.2019 23:08 DER Beobachter 13

Früher gabs ja auch mal die ganz gut angenommene häufigere Direktverbindung Dresden-Chemnitz-Plauen-Nürnberg mit ein paar fahrten weiter nach München... Der DB und dem Bundesverkehrsministerium würde ich am Abhängen Sachsens nicht die Alleinschuld oder Hauptschuld geben, hier hat entscheidend auch unser Verkehrsministerium versagt. In anderen Bundesländern gehts auch, da war man willens und intelligent genug, auch die Bundes- und EU-Fördertöpfe besser auszunutzen...

17.03.2019 23:07 Harzfeuer 12

Ein Fall für extra3 - Realer Irrsinn. Man baue eine Strecke für viel Geld zw. Dresden und Berlin auf 200 km/h aus, schließt und baut Bahnübergänge um, um danach Züge fahren zu lassen, die höchstens nur 160 km/h fahren können. So ein Irrsinn ist nur in Deutschland möglich. Die IC2-Züge sind nichts anderes, wie die Dresdner-S-Bahn, nur mit Teppich.

17.03.2019 23:01 DER Beobachter @ Paulchen 11

200 geht aber gerade mit denen nicht, eben weil sie umgebaute S-Bahnen sind. Sonderlich komfortabel finde ich die auch nicht ;) Erzgebirgstunnel ist in der Tat längst überfällig, da können auch die Container- und Autozüge durch. Man könnte ja auch ggf. die RoLa wiederbeleben. Ob sich die Elektrifizierung nach Bautzen rentiert, weiß ich nicht, aktuell ist wohl bis Klotzsche, evtl. bis Radeberg? elektrifiziert, ansonsten fahren lediglich stündlich bis Bautzen diese dieselelektrischen Triebwagen und Güterverkehr fiel mir lange nicht mehr auf. Die Weiterführung hinter Görlitz nach Wroclaw oder Krakau gibts ja auch nicht mehr, obwohl sie wohl relativ gut angenommen wurde, gerade auch auf polnischer Seite bzw. ducrh polnische Grenzgänger. Mich würde ja mal interessieren der Vergleich der Energie- bzw. Klimakosten einer relativ gering betriebenen elektrifizierten Strecke zum modernen dieselelektrischen Antrieb...

17.03.2019 22:48 Wueb 10

Einerseits gute Nachrichten. Anderseits: was hilft mir ein Stundentakt, wenn der Zug über 2h bis Berlin braucht? Der FlixBus fährt (z.m. vormittags) 1h50min bis SXF. Für Pendler immer noch unmöglich und nutzlos.

17.03.2019 22:43 Leutascher 9

So, so. Die Strecke Dresden-Berlin mit 25 Bahnübergängen wird also seit 2012 für Geschwindigkeit von 200 km/h fit gemacht! Respekt!
Die Eisenbahnbau- und Betriebsordnung regelt im § 11 Bahnübergänge, Absatz 2: "Auf Strecken mit einer zugelassenen Geschwindigkeit von mehr als 160 km/h sind Bahnübergänge unzulässig."
Glückwunsch an den MDR zu diesem toll recherchierten Beitrag, oder kommen solche Informationen von Bahnverstehern wie Pofalla & Co? Das wiederum wäre nachvollziehbar.

17.03.2019 21:44 Jörg Schiller 8

Die Meldung stinkt. LeoExpress aus Tschechien will selber Prag-Dresden-Berlin anbieten. Damit ist das "Angebot" der Bahn ein Trassen wegnehmen.

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