14.06.2020 | 15:32 Uhr Mohnblumenrausch: Fototrampel und Nackte zerstören Kornfeld bei Radebeul

Ein Weizenfeld ist über und über rot durchzogen von leuchtenden Mohnblumen. Vorn im Bild sieht man mehrere Trampelpfade und Schneisen, die ins Feld führen. Viele Menschen sind da schon entlange gelaufen und haben auf das Getreide keine Rücksicht genommen.
Bildrechte: Tino Plunert

Der Radebeuler Bauer Christoph Schlitter ärgert sich über rücksichtslose Hobbyfotografen. Seit Wochen zertrampeln ihm Menschen ein Weizenfeld, auf dem auch viele Mohn- und Kornblumen wachsen. Vor zwei Jahren hatte der 32 Jahre alte Landwirt seinen Betrieb auf Ökolandwirtschaft umgestellt und verwendet seither keine Herbizide. Nebeneffekt: Auf seinen insgesamt 120 Hektar Feldern wachsen im Getreide auch viele Wildblumen. Vor allem an den Mohnblumen begeistern sich viele und fotografieren sich davor und darin für soziale Netzwerke.

Es ist nervenaufreibend, ständig die Leute anzusprechen und es zu erklären. Ich kann nicht den ganzen Tag am Feld stehen.

Christoph Schlitter Landwirt

Ertappte ziehen sich peinlich berührt zurück

"Natürlich sieht das wunderschön aus, da verstehe ich auch die Leute", sagt Schlitter und ärgert sich über die Zerstörung seines Eigentums. Wie hoch der Schaden ist, kann der Landwirt derzeit noch nicht beziffern. Beinahe gebetsmühlenartig spreche er die Menschen an, die Tag für Tag an und auf seine Feldern herumliefen. "Wenn ich ihnen das Problem erkläre, sind sie peinlich berührt und verlassen das Feld. Wir haben auch schon nackige Paare aufgeschreckt", erzählt Christoph Schlitter. Die Ausreden der Leute klängen in seinen Ohren immer gleich.

Ein Mann kniet in einem Getreidefeld und zeigt zertrampelte Stellen. Hobbyfotografen haben wahre Schneisen ins Bio-Feld getrampelt - auf der Suche nach tollen Mohnblumenbildern mit Sicht auf Radebeul-.
Zertrampelte und abgeknickte Ähren kann Biobauer Christoph Schlitter nicht mehr ernten und verabreiten. Er ärgert sich über Ignoranten mit Handykameras. Bildrechte: Tino Plunert

Wir haben so etwas noch nie gesehen und wollten da ein paar Fotos machen. Wir sind nur den Spuren gefolgt die schon im Feld waren, es war schon sehr viel zertrampelt, sonst wären wir gar nicht auf das Feld gegangen.

Samira B. und Ramona S. Touristinnen auf dem zertrampelten Feld

Mehrere junge Frauen stehen im Getreidefeld und fotografieren sich, die Radebeuler Weinberge und einen vorbeifahrenden Zug am Mohnblumenfeld. Das Problem: Sie zertrampeln Biogetreide und bringen Biobauer Christoph Schlitter in Rage damit.
Bildrechte: Tino Plunert

Appell an Vernunft für mehr Rücksicht

Bauer Schlitter appelliert an die Vernunft der Menschen, umsichtiger zu sein: "Es können natürlich Fotos gemacht werden. Aber bitte vom Feldrand aus."

Appell von anderen Fotografen

Von der Faszination der Mohnblumenfelder sind auch die Dresdner Fotografen von ddpix inspiriert. Doch sie appellieren an ihre Fans: Zertrampelt nicht die Felder!

Quelle: MDR/tp/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.06.2020 | ab 05:30 Uhr mit weiteren Nachrichten aus der Region Radebeul in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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