Gummistiefel für Kinder
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19.06.2019 | 18:29 Uhr Nach Todesfall: Antibiotika für die anderen Kinder

Ein drei Jahre altes Mädchen stirbt in Dresden tragisch nach einer Infektion mit Meningokokken. Jetzt bekommen die anderen Kita-Kinder zur Vorsorge Antibiotika.

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Nach dem Tod eines mit Meningokokken infizierten Mädchens aus einer Dresdner Kita haben die Behörden mit der vorsorglichen Behandlung weiterer Kinder begonnen. 37 Krippenkinder erhalten ab Mittwoch zwei Tage lang Antibiotika in Saft- oder Drageeform, teilte die Stadt Dresden mit. "Da wir eine Infektion durch das Meningokokken-Bakterium nicht ausschließen können, haben wir uns entschlossen, vor Ort zu beraten und eine Antibiotikaprophylaxe anzubieten", sagte Jens Heimann, Leiter des städtischen Gesundheitsamtes. Falls es zu einer Übertragung der Erreger auf andere Kinder gekommen sein sollte, könne mit Antibiotika verhindert werden, dass weitere Erkrankungsfälle auftreten. Vor Ort seien die Eltern beraten und ihnen Antibiotika durch sechs Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen angeboten worden. "Besonders für Krippenkinder ist eine Antibiotikaprophylaxe empfohlen", sagte Heimann.

Das Mädchen starb im Krankenhaus

Meningokokken sind Bakterien, Infektionen führen häufig zu schweren Blutvergiftungen und Hirnhautentzündungen. Das drei Jahre alte Mädchen hatte den Angaben zufolge am Freitag letztmalig die Krippe besucht. In den folgenden Tagen verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. Am Montag wurde das Kind in ein Krankenhaus gebracht - dort starb es. Auch die Familie des Kindes erhält laut Behörden nun vorsorglich Antibiotika. Allen 150 Kindern und 24 Erziehern der Kita - auch die, die selbst nicht direkt zur Gruppe gehören - wurden diese außerdem "auf Wunsch" angeboten.

Bakterien können durch Kuscheln übertragen werden

Meningokokken-Infektionen erfolgen durch sehr engen Kontakt zwischen Menschen über kurze Distanzen. Meist geschieht dies in Form von Tröpfcheninfektionen über Nase und Mund. "Die Bakterien werden nicht über die Luft übertragen, sondern es braucht einen sehr nahen Kontakt wie Umarmungen, Kuscheln oder gleiche Trinkgefäße", sagte Heimann. Deswegen sei eine Prophylaxe besonders für Menschen im engsten Umkreis geboten. Erste Beschwerden zeigen sich zwei bis zehn Tage nach Ansteckung, in der Regel nach drei bis vier Tagen. Es beginnt sehr häufig mit Fieber, Gliederschmerzen und schwerem Krankheitsgefühl.

Meningokokken führen zu Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen

In etwa zwei Dritteln der Fälle verlaufen Meningokokken-Erkrankungen als Hirnhautentzündungen. Für die Meningitis ist die Nackensteifigkeit charakteristisch. Bei einem Drittel kommt es zu Blutvergiftungen, in etwa jedem siebten bis zehnten Fall gar zu schweren lebensbedrohlichen sogenannten septischen Schocks. Meningokokken-Infektionen sind in Deutschland sehr selten, die Krankheit tritt vor allem bei kleineren Kindern im Alter von bis zu fünf Jahren sowie bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren auf. Ansteckungen sind aber in jedem Alter möglich. Es gibt Impfungen gegen Meningokokken, für alle Kinder ab zwei Jahren werden sie in Deutschland offiziell empfohlen. Die Sächsische Impfkommission empfiehlt die Impfung ab dem 3. Lebensmonat bis zum vollendeten 18. Lebensjahr gegen die Meningokokken Typ B und C.

Quelle: MDR/AFP/ks/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.06.2019 | 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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