Schüler der Umweltschule
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach Gerichtsurteil Natur- und Umweltschule Dresden schließt

Sieben Jahre kämpften die Natur- und Umweltschule Dresden und ihre Unterstützer um eine offizielle Anerkennung und finanzielle Mittel vom Freistaat. Nun scheint der Kampf aussichtslos geworden und verloren zu sein. Nachdem Sachsens oberstes Verwaltungsgericht das Schulkonzept vergangene Woche als nicht genehmigungswürdig eingestuft hat, organisieren die Verantwortlichen nun die Abwicklung. Die Eltern wollen dagegen noch nicht aufgeben.

Schüler der Umweltschule
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Die Natur- und Umweltschule Dresden (NUS) bereitet ihre Schließung zum Ende des laufenden Schuljahres vor. Das bestätigte Leiterin Julia Pörschke am Dienstag MDR SACHSEN. Grund ist die Entscheidung des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts in der Vorwoche, dass das Landesamt für Schule und Bildung der freien Grundschule keine Genehmigung erteilen muss. Sie wurde seit der Gründung 2011 lediglich befristet geduldet.

Die Zeit läuft davon

Das Logo der Natur- und Umwelschule Dresden
Seit 2011 gibt es die Natur- und Umweltschule Dresden. Bildrechte: Natur- und Umweltschule Dresden

Der Trägerverein "Verbund Sozialpädagogischer Projekte" (VSP) hat zwar noch die Möglichkeit einer Beschwerde, weil keine Revision gegen das Urteil zugelassen wurde. Die Vorsorgepflicht gebiete jedoch, die Schließung in die Wege zu leiten und nicht auf Eventualitäten zu setzen, sagte Pörschke. Sie verwies auf Fristen für die Beendigung von Schul-, Miet- und Arbeitsverträgen. Eine Beschwerde sei erst nach Eingang der schriftlichen Urteilsbegründung möglich, was bis zu sechs Wochen dauern könne.

Bitterkeit und Stolz

Pörschke sprach bei MDR SACHSEN von einer sehr bitteren und traurigen Entscheidung. Das gesamte Personal und der Trägerverein seien überzeugt, in den vergangenen sieben Jahren eine sehr gute schulpädagogische Arbeit geleistet zu haben. Dies hätten auch die Eltern der Kinder immer wieder bestätigt. VSP-Geschäftsführerin Katrin Förster verwies auf 59 Grundschüler, die in den vergangenen Jahren erfolgreich den Übergang an die weiterführenden Einrichtungen bewältigt hätten.

Die NUS ist nicht nur Bildungsort für Kinder. Wir ermöglichen Lehramtsanwärter*innen Hospitationen und Praktika. […] Auch an der Entwicklung der Landesstrategie 'Bildung für nachhaltige Entwicklung' sind wir aktiv beteiligt.

Julia Pörschke Leiterin der Natur- und Umweltschule Dresden

Alles für die Kinder

Die derzeit 65 Schüler an der Natur- und Umweltschule Dresden können das Schuljahr dort noch beenden. Die Schulleiterin betonte, der Betrieb sei solange durch Spenden, Drittmittel und Geld vom Trägerverein abgesichert. Unabhängig von den Vorbereitungen zur Schulschließung wollen alle Beteiligten vor allem den Kindern einen guten Abschied und reibungslosen Wechsel an andere Einrichtungen ermöglichen. Das Landesamt für Schule und Bildung hatte bereits erklärt, es seien für alle betroffenen Schüler Plätze vorhanden.

Wir bedauern sehr, dass wir die von Eltern, Schülern und Lehrern mit viel Engagement getragene Idee einer Natur- und Umweltschule aufgeben müssen.

Katrin Förster Geschäftsführerin des Verbunds Sozialpädagogischer Projekte

Kinder spielen im Wald.
Mindestens 50 Prozent naturnaher Unterricht unter freiem Himmel - mit diesem Konzept überzeugte die Schule seit ihrer Gründung die Eltern von mehr als 100 Kindern. Bildrechte: Förderverein NUS

Eltern geben nicht auf

Die Eltern der Schüler und der Förderverein sind dagegen immer noch auf Kampf eingestellt - und empört über die Pressemitteilung des Oberverwaltungsgerichts zum Urteil. Darin steht, selbst das vom Trägerverein vorgelegte Gutachten sage aus, Schulkonzept eines überwiegend im Freien stattfindenden naturnahen Unterrichts könne nicht sinnvoll umgesetzt werden. Der betreffende Gutachter erklärte dagegen jetzt, er habe dem Konzept "ein Höchstmaß an pädagogischer Bedeutung" bescheinigt. Eltern und Förderverein wollen nun Kultusminister Christian Piwarz eine Expertenpetition übergeben. Ihr erklärtes Ziel ist weiterhin der Erhalt der Natur- und Umweltschule.

Für uns steht das besondere pädagogische Interesse unserer Schule außer Frage. Wir möchten von schulbehördlicher Seite für unsere Entscheidung, die Kinder an der NUS beschulen zu lassen, geachtet werden. Unsere Kinder sollen auch zukünftig dort lernen können.

Elternsprecherin der Natur- und Umweltschule Dresden

Quelle: MDR/stt

Dieses Thema auch im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.05.2018 | 15:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2018, 15:39 Uhr

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7 Kommentare

17.05.2018 08:41 Na so was 7

5@ Bernd L.: Wenn es um fehlende Kenntnisse fürs Studium usw. gehen soll, müssen wir erstmal beim sächs. Kultusministerium nachfragen, weshalb es in den letzten Jahren versäumt wurde, einen ordentlichen , entsprechend den Fachrichtungen passenden Lehrernachwuchs, zahlenmäßig ausreichenden Lehrerbestand heranzuziehen. Da das keine Jahresaufgabe ist, sondern eine kontinuierliche Entwicklung darstellt, wäre es schon mal interessant, was die betroffenden Kultusminister der letzten Jahre dazu sagen und welche Schwierigkeiten sie bei der Lösung dieser Aufgabe hatten. Aus letzter Zeit fallen mir da jetzt nur Herr Wöller und Frau Kurth (beide CDU) ein. Falls da mal ein Spruch von diesen Personen kommen sollte, was ich nicht glaube, dann bitte die betreffenden Namen nennen und nicht nur allgemeine Sätze, die kennen alle schon zur Genüge.

16.05.2018 17:14 Susanne 6

Die Natur und Umweltschule ist eine kleine Schule,
mit nur 65 SchülerInnen insgesamt, die von der ersten bis zur vierten Klasse in der NUS lernen. Das sind ca. 16 SchülerInnen pro Jahrgang. In den ersten Jahren waren es etwas weniger. So konnten 59 GrundschülerInnen erfolgreich auf die weiterführenden Schulen wechseln. Das ist kein Scherz! Auch kein Scherz ist, das 65 Kinder, ihre Eltern und ein sehr motiviertes tolles pädagogisches Team, zum Ende des Schuljahres ihre Schule verlieren. Die Kinder verlieren ihr vertrautes Umfeld in dem sie mit großer neugierig alles gelernt haben was im sächsischen Lehrplan steht. Sie werden von ihren Freunden getrennt, aus einer über Jahre gewachsenen Schulgemeinschaft gerissen, Sie verlieren ihre geliebten Waldplätze, ihre Patenbäume, ihre vertrauten Lernzimmer am Manfred von Ardenne Ring, ihre selbstgebauten Buden, ihren neuen Bauwagen, sie verlieren ihre selbst angebauten Beete im Golgi Park...und noch so vieles mehr.

16.05.2018 12:24 Bernd L. 5

Na so was:
Der Punkt ist, dass dieses und viele andere "moderne" Konzepte zwar Umwelt, Natur oder anderes gut berücksichtigen, aber nicht die Qualität des ganzen Schulstoffes sichern. Damit haben die Kinder etwa später beim Studium nicht die gleichen Vorkenntniss und Vorausetzungen.

16.05.2018 07:57 TR 4

"VSP-Geschäftsführerin Katrin Förster verwies auf 59 Grundschüler, die in den vergangenen Jahren erfolgreich den Übergang an die weiterführenden Einrichtungen bewältigt hätten."

In 7 Jahren?! Das kann doch nur ein Scherz sein.

15.05.2018 23:21 Na so was 3

Manchmal ist es schon eigenartig, welche Maßnahmen die "Oberen" so treffen. Dass nicht jede Schule eine Natur- und Umweltschule werden kann, ist ganz klar und das will auch keiner. Warum jetzt aber nun diese eine Natur-- und Umweltschule ihre Schotten dicht machen soll, verstehe wer will. Die Schüler und deren Eltern scheinen begeistert zu sein von "der schulpädagogischen Arbeit" in dieser Einrichtung. Was soll daran falsch sein, einige Stunden täglich im Freien lernen zu können. Angeblich kann das "Schulkonzept" nicht durchgesetzt werden. Lernt es sich besser in einer Schule, in die 1 000 Schüler gehen, die an einer vielbefahrenen Hauptstraße liegt, wo der Schulhof ausgelegt ist für max. 500 Schüler, die anderen verbringen ihre "Hofpause" im Klasssenzimmer. Aber: "Das Beste was wir haben, sind unsere Kinder". Dieser Satz ist wieder mal ein Beweis, dass Theorie und Praxis in den seltesten Fällen übereinstimmen.

15.05.2018 16:51 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff) 2

(Darin steht, selbst das vom Trägerverein vorgelegte Gutachten sage aus, Schulkonzept eines überwiegend im Freien stattfindenden naturnahen Unterrichts könne nicht sinnvoll umgesetzt werden.)

Aber natürlich nicht! Das ist ja eine ganz unnatürliche Umgebung! Ich schlage vor, die Schule in einer VW-Verkaufsniederlassung weiterzubetreiben und die segensreiche Wirkung des Benzols zum Unterrichtsgegenstand zu machen. Oder das arbeitsplatzfördende Abbaggern von Quadratkilometern Gelände - da könnte der Genosse Tillich sicherlich mit Unterrichtsmaterial aushelfen. Jetzt darf er es ja auch ganz offiziell verteilen.

15.05.2018 16:51 Staatstreu bis zum Tod 1

Weil nicht sein darf, was nicht sein soll werden solchen freien Einrichtungen bürokratische Felsen in den Weg gelegt bis diese schließlich aufgeben! Nicht das so was noch "Schule macht", wo kommen wir den dann hin? Dann lernen die Kinder noch das eine Kartoffel unter der Erde wächst und eine Tomate am Strauch! Diese Kinder würden womöglich noch die Lebensmittel im Discounter hinterfragen? Nein, das darf wirklich nicht sein! Vielleicht sind sie auch so selten krank und der Absatz von Antibiotika schwächelt, das bei Pharmalobby auch Interresse besteht, solche Einrichtungen verschwinden zu lassen! Na ja, dass Landesamt für Schule und Bildung sitzt jedenfalls am längeren Hebel!