29.06.2020 | 10:19 Uhr | Update Karl-May-Museum wagt mit neuem Vorstand Neuanfang

Ein Porträt des Schriftstellers Karl May hängt im sächsischen Radebeul bei Dresden an einer Laterne vor seinem einstigen Wohnhaus und jetzigem Museum.
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Personalwechsel bei der Karl-May-Stiftung: Nach dem Zerwürfnis mit dem ausgeschiedenen Direktor Christian Wacker und öffentlichen Beschuldigungen ist nahezu der komplette Vorstand der Stiftung ausgewechselt worden.

Krisensitzung im Radebeuler Rathaus

Léontine Meijer-van Mensch, Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen
Mit Léontine Meijer-van Mensch sitzt erstmals eine Frau im Stiftungsvorstand des Karl-May-Museums. Bildrechte: MDR/Hanna Romanowsky

Wie die Karl-May-Stiftung am Sonntagabend mitteilte, besteht der neue Vorstand aus dem früheren Radebeuler Oberbürgermeister Volkmar Kunze, dem Radebeuler Baubürgermeister Jörg Müller, der Direktorin der Staatlichen Ethnografischen Sammlungen Léontine Meijer-van Mensch und Thomas Grübner. Grübner wollte den Vorstand verlassen, bleibt aber nach dem Personalwechsel im Amt. Nicht mehr im Vorstand vertreten sind der Radebeuler Oberbürgermeister Bert Wendsche, der Publizist Ralf Harder und Anwalt Klaus Voigt. Wendsche und Harder wechseln vom Vorstand ins Kuratorium, Voigt scheidet komplett aus der Stiftung aus.

Das Gremium hatte sich am Sonnabend im Radebeuler Rathaus zur Kuratoriumssitzung getroffen, um nach den schwerwiegenden Vorwürfen gegen die Stiftung das weitere Vorgehen zu beraten. Bei der Sitzung soll es nach Informationen von MDR SACHSEN heftige Auseinandersetzungen gegeben haben.

Früherer OB Volkmar Kunze hilft für ein Jahr aus

Dr. Volkmar Kunze, Oberbürgermeister Stadt Zeitz
Volkmar Kunze Bildrechte: imago/Köhn

Volkmar Kunze soll laut MDR-Information für ein Jahr interimsmäßig die Geschäftsführung übernehmen. Er tritt sein Ehrenamt offenbar zum 1. Juli an und löst damit René Wagner ab, der nach Wackers Entlassung die Geschäfte kurzzeitig übernommen hatte. Den Informationen zufolge soll der Kurator des Museums, Robin Leipold, in den kommenden Monaten an die inhaltliche Leitung des Museums herangeführt werden.

Für die Belegschaft sind die Entscheidungen der Kuratoriumssitzung ein Teilerfolg. "Ralf Harder verbleibt in der Stiftung, im Kuratorium", heißt es von dort. "Uns wäre es lieber gewesen, er hätte die Stiftung ganz verlassen. Aber es ist ein Neuanfang."

Stiftung: Wackers Vorwürfe nicht belegbar - Thema abgeschlossen

Anfang Mai hatte die Kündigung von Museumsdirektor Christian Wacker eine Debatte über die Ausrichtung und dem Umgang zwischen Stiftung und Museum entfacht. Wacker warf Teilen der Stiftung rückwärtsgewandtes Handeln und auch Mobbing vor. In einem offenen Brief kritisierte er dabei neben etlichen anderen Punkten eine nicht ausreichende Auseinandersetzung mit kritischen Aspekten im Leben und Werk von Karl May. Die Belegschaft stellte sich hinter Wacker und forderte ebenfalls eine umfassende Erneuerung und eine kritische Auseinandersetzung mit Karl May.

Wackers Vorwürfe hätten auf der Sitzung am Sonnabend "nicht substantiiert belegt" werden können, hieß es in der Mitteilung vom Sonntag. "Die Stiftung betrachtet dieses Thema als abgeschlossen und wird insofern nach vorne schauen, um sich ihren anstehenden Kernaufgaben zu widmen."

Das Karl May Museum
Bildrechte: MDR JUMP

Die Stiftung muss in einer schwierigen wirtschaftlichen Zeit, die durch Corona und in den letzten Jahren zurückgehende Museumsbesucherzahlen geprägt ist, mit einer intelligenten Mischung aus vorhandenen Eigenressourcen, Kontinuität und Erneuerung an die Zukunft herantreten. Es wurde klar, dass im Gegensatz zu staatlichen Museen der finanzielle Spielraum hier sehr begrenzt ist.

Karl-May-Stiftung

Wie geht es weiter?

In den kommenden Monaten soll unter Federführung von OB Bert Wendsche eine sogenannte Organisationsuntersuchung für Struktur- und Finanzfragen durchgeführt werden. Dafür hatten Professor Thomas Bürger und Professor Holger Kuße als Vertreter des Museumsbeirates Empfehlungen erarbeitet, die nun in Workshops besprochen werden sollen. Erste Ergebnisse sollen auf einer vorgezogenen Kuratoriumssitzung Anfang Oktober präsentiert werden. Der Abschluss der Untersuchung ist für das erste Quartal 2021 vorgesehen.

Wendsche: Demut tut allen gut

Mit Blick auf die geplanten Umbaumaßnahmen sagte Wendsche MDR SACHSEN, zunächst müssen organisatorisch im Karl-May-Museum nun Ruhe einkehren, bevor man wieder auf die Baumaßnahmen blicken könne. Zunächst tue "Demut allen gut", so der Rathauschef. Die Stadt arbeite unterdessen weiter am Vorhaben, erwerbe die Tankstelle an der Meißner Straße, reiße sie ab und bereite damit das Areal für die Erweiterung vor. Wendsche forderte noch einmal, dass wieder mindestens 50.000 Museumsbesucher jährlich angestrebt werden müssen. Das sei auch 2019 nicht erreicht worden.

Karl-May-Stiftung Die Karl-May-Stiftung wurde 1913 von Karl Mays zweiter Ehefrau Klara May gegründet. Sie kam damit dem testamentarischen Willen Mays nach. Die Stiftung ist Trägerin des Karl-May-Museums und Herausgeberin der Schriftenreihe. Seit 2007 ist die Stiftung neben dem Karl-May-Verlag und der Karl-May-Gesellschaft an der Herausgabe der Historisch-kritischen Ausgabe beteiligt. Die Stiftung besteht aus dem Vorstand und dem Kuratorium.

Quelle: MDR/dk/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.06.2020 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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