Ein illustratives Foto eines als Justitia gekleideten Frauenmodells, der römischen Göttin der Justiz und des Rechtssystems, in den Händen hält sie ein Schwert und eine Waage.
Justitia ist die Göttin der Gerechtigkeit. Sie wird oft blind dargestellt - denn die Gerechtigkeit soll ohne Ansehen der Person entscheiden. Was gerecht ist, sehen die europäischen Länder aber unterschiedlich. Bildrechte: dpa

09.10.2019 | 21:44 Uhr Im Namen der Gerechtigkeit: Fiktive Verhandlung am Oberlandesgericht Dresden

Ein illustratives Foto eines als Justitia gekleideten Frauenmodells, der römischen Göttin der Justiz und des Rechtssystems, in den Händen hält sie ein Schwert und eine Waage.
Justitia ist die Göttin der Gerechtigkeit. Sie wird oft blind dargestellt - denn die Gerechtigkeit soll ohne Ansehen der Person entscheiden. Was gerecht ist, sehen die europäischen Länder aber unterschiedlich. Bildrechte: dpa

Es ist ein Fall, wie er so oder so ähnlich fast jeden Tag an deutschen Gerichten verhandelt wird. Ein Mensch beleidigt einen anderen Menschen. Es gibt eine Anzeige und dann landet das Ganze vor Gericht. Vor dem Oberlandesgericht in Dresden wurde so ein konkreter Fall am Mittwoch verhandelt. Diesmal war der Prozess aber nur gespielt.

Tag der Justiz

Die Anklage ist fiktiv: Ein 30-Jähriger soll eine Straßenmusikerin beleidigt haben und hat dabei den Hitlergruß gezeigt. Richter, Staatsanwältin und Verteidiger sind aber echt. Zweimal müssen sie urteilen - einmal nach deutschem und einmal nach tschechischem Strafrecht. Anlass ist der Europäische Tag der Justiz. Ziel sei es, den Bürgern "das Rechtssystem in Europa, in den verschiedenen Staaten aber auch in anderen Ländern, näherzubringen", erklärt Gilbert Häfner, Präsident des Oberlandesgerichts in Dresden.

Zwei Urteile - Ein Fall

Die Verhandlungen werden von Schülern des deutsch-tschechischen Gymnasiums Pirna verfolgt. Die Jugendlichen sind überrascht, denn obwohl es um die selbe Straftat geht, fällt das Urteil am Ende unterschiedlich aus. Nach deutschem Recht wird der Täter zu einer Freiheitsstrafe von 7 Monaten verurteilt, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Die tschechische Justiz hätte den Angeklagten zu 9 Monaten, ausgesetzt auf 5 Jahre Bewährung, verurteilt. "Ich fand spannend, dass die deutsche Gerichtsverhandlung relativ locker gehalten wurde und die tschechische Verhandlung eher formal war", erklärte Schülerin Sophie im Anschluss. Klassenkameradin Barbora stimmt zu: "Ich denke, dass das Tschechische unpersönlicher und strenger als das Deutsche war."

Mehr Respekt vor Gericht

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Der Tag der Justiz soll nicht nur einen Einblick in die Rechtsprechung in anderen Ländern geben. Er könnte auch helfen, Ideen zu Veränderungen im deutschen Rechtssystem zu entwickeln, erhoffen sich die Initiatioren. Mehr Respekt fordert beispielsweise der Präsident des Bundesamtes für Justiz, Heinz-Josef Friehe: "Auch der deutsche Richter hat sich natürlich Respekt verschafft gegenüber dem Angeklagten. Aber in Tschechien ist gleich die Strafprozessordnung schon so darauf angelegt, dass er aufstehen muss". Diese Form des Respekts sei vor allem im Zuge der zunehmenden Respektlosigkeit gegenüber dem Staat von großer Bedeutung, so Friehe.

Quelle: MDR/fg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR Sachsenspiegel | 09.10.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2019, 21:44 Uhr

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