Zeitungsinterview Olympia-Siegerin beklagt anhaltende Missachtung von DDR-Sportlern

Siegerehrung Kunstspringen 1960: Christiane Lanzke (li.) Ingrid Krämer-Gulbin (beide DDR, Mitte) und Frances Cramp (Großbritannien)
Ingrid Krämer-Gulbin hat drei Gold-Medaillen im Kunst- und Turmspringen gewonnen. Bildrechte: imago/Camera 4

Die ehemalige Wasserspringerin Ingrid Krämer-Gulbin kritisiert den anhaltend schlechten Umgang mit DDR-Sportlern. In einem Gespräch mit der "Welt am Sonntag" äußerte sie sich verärgert, dass auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung erfolgreiche Sportler und Trainer missachtet würden. Als Beispiel dafür nennt sie das Aufnahmeverfahren in die "Hall of Fame" des deutschen Sports: Erst nach "zig Untersuchungen" entscheide sich, ob DDR-Sportler aufnahmewürdig seien.

Einstige Mitglieder der NSDAP und Repräsentanten des Hitler-Regimes werden problemlos aufgenommen, doch die DDR-Athleten werden erst zwei, drei Jahre seziert, bis vielleicht das Okay kommt. Dafür habe ich kein Verständnis.

Ingrid Krämer-Gulbin Wassersprung-Olympiasiegerin
Siegerehrung Kunstspringen 1960: Christiane Lanzke (li.) Ingrid Krämer-Gulbin (beide DDR, Mitte) und Frances Cramp (Großbritannien)
Siegerehrung in Rom: Wasserspringerin Ingrid Krämer-Gulbin beendet die 40 Jahre anhaltende Olympia-Siegesserie der US-Amerikanerinnen. Bildrechte: imago/Camera 4

Sie selbst wurde 2011 in die "Hall of Fame" des deutschen Sports aufgenommen. Da sie nichts mit der Stasi oder Doping zu tun gehabt hätte, seien die Untersuchungen für sie nicht schlimm gewesen, erklärt die 77-Jährige im Zeitungsinterview.

Ingrid Krämer-Gulbin war Athletin beim SC Einheit Dresden. Bei den Olympischen Spielen in Rom 1960 gewann sie Gold im Kunst- und Turmspringen. Vier Jahre später konnte sie in Tokio ihren Titel im Kunstspringen verteidigen. Nach ihrer Sportler-Karriere arbeitete sie bis zur Wende als Trainerin. Danach wurde sie entlassen und habe Jahre gebraucht, um wieder Fuß zu fassen. Dieser Prozess sei schmerzhaft gewesen.

Quelle: MDR/cb/dpa

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