Wissenschaft Dresdner Forscher suchen Mittel gegen Fibrose

Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden forschen derzeit an Fibrose. Einer Krankheit, bei der Bindegewebszellen vermehrt Kollagen bilden und dadurch andere Zellen beim Stoffwechsel stören. Fibrose ist, durch die immer älter werdende Gesellschaft, weit verbreitet. Doch der Forschung fehlt es an Geld.

Stephan Künzel forscht an der Krankheit Fibrose. Eine Krankheit, bei der Bindegewebszellen vermehrt Kollagen bilden und die Zellen so beim Stoffwechsel stört.
Im Labor untersucht Stephan Künzel Bindegewebszellen. Bildrechte: MDR / Florian Glatter

Stephan Künzel hat es sich zum Ziel gesetzt, möglichst nah am Patienten zu arbeiten. Der Assistenzarzt für Pharmakologie und Toxikologie forscht bereit seit 2013 an Fibrose. Ziel der Arbeit ist es, die sogenannten Fibroblasten aus dem Gewebe zu isolieren. "Das sind die Zellen, die das Bindegewebe herstellen und dann im Kontext einer Krankheit dazu führen, dass übermäßig viel Bindegewebe produziert wird", so Künzel. Dafür will der 27-Jährige im nächsten Jahr Visiten bei Patienten durchführen, Blut abnehmen und die Patienten besser über die Krankheit aufklären.

Forschung dank Gewebeproben

Auf einer Arbeitsbank bereitet Stephan Künzel Zellproben auf. Diese werden im Anschluss unter einem Mikroskop untersucht.
Auf einer Arbeitsbank bereitet Stephan Künzel Zellproben auf. Diese werden im Anschluss unter einem Mikroskop untersucht. Bildrechte: MDR / Florian Glatter

Im Fokus der Forschung steht das Herz. Die Fibrose sorgt unter anderem dafür, dass der Herzmuskel steifer wird. Dadurch wird die Funktion des Herzens beeinträchtigt. Die Wissenschaftler sammeln Gewebeproben von Patienten. "Der OP im Uniklinikum Dresden ist dafür der ideale Ort", erklärt Stephan Künzel. Die Gewebeproben würden sowieso anfallen, da Millimeter große Stücke während einer Operation abgeschnitten werden, um technische Geräte anzuschließen. "Die Patienten werden natürlich darüber aufgeklärt", erklärt der Assistenzarzt.

Signalmolekül entdeckt

Bei ihren Forschungen konnte das Team um Stephan Künzel ein Signalmolekül entdecken. Das Enzym könnte die Fibrose verhindern. "In unseren Laborversuchen an den Zellen konnten wir sehen, dass wenn man dieses Enzym ausschaltet, die Zellen anfangen einen Entzündungsbotenstoff zu produzieren. Interessanterweise konnten wir eben diesen Botenstoff im Blut der Patienten mit Vorhof-Flimmern, einer Folge von Fibrose, messen." Die Wissenschaftler wollen nun bereits vorhandene Medikamente testen und so versuchen, den Botenstoff lahmzulegen.

Forschung könnte es an Geld mangeln

"Wir sind schon gut ausgestattet", gibt Stephan Künzel zu. Um Verbrauchsmaterialien, wie Pipetten, Plasteröhrchen und Reagenzgläser braucht er sich keine Sorgen zu machen. Die meisten Produkte werden aus hygienischen Gründen nur einmal genutzt und dann weggeschmissen. "In anderen Laboren ist das nicht so. Meistens werden die Sachen nur kurz ausgewaschen", so Künzel. Doch der 27-Jährige befürchtet, dass seiner Forschung die Gelder ausgehen, wenn die Technische Universität Dresden den Titel als Exzellenzuniversität verliert.

Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es dann durchaus auch Einschnitte geben könnte. Das fängt mit solchen Kleinigkeiten an, dass weniger Verbrauchsmaterial zur Verfügung steht. Solche alltäglichen Sachen, die eben die Grundlagen für exzellente Forschung sind.

Stephan Künzel Assistenzarzt für Pharmakologie und Toxikologie

Bisher werden die Wissenschaftler noch wenig reglementiert. Die Forscher können ihren Ideen fast ohne Einschränkungen nachgehen. Doch nicht nur das könnte sich ändern. Denn der Status als Exzellenzuniversität ist ein Aushängeschild. "Das zieht natürlich aus allen Richtungen Leute an. Patienten, die sich vielleicht auch mit ihren selteneren Erkrankungen dann behandeln lassen wollen. Aber natürlich auch kluge Köpfe, die zur Behandlung beitragen wollen. Das wäre sehr schade, wenn dieses wichtige Kriterium dann wegfallen würde", so Künzel. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft gibt ihre Entscheidung, ob die TU Dresden weiterhin Exzellenzuniversität bleibt, am Freitag bekannt.

Quelle: MDR/fg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.07.2019 | 14:30 Uhr Regionalreport aus dem Studio Dresden/Elbland

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