23.01.2020 | 06:02 Uhr | Update Polizei räumt besetzte Häuser in Dresden - Spontandemo am Abend

Auf einem schrägen Hausdach in Dresden stehen Polizisten einer Sondereinheit und halten zwei liegende Hausbesetzer fest.
Bildrechte: Erik Hoffmann

In Dresden sind an der Königsbrücker Straße zwei besetzte Häuser geräumt worden. Wie die Polizei mitteilte, waren rund 200 Einsatzkräfte vor Ort, um die 21 Hausbesetzer aus den Häusern zu holen. Sechs von ihnen wurden nach der Räumung in Gewahrsam genommen, weil sie ihre Identität nicht preisgeben wollten.

Polizeisprecher Thomas Geithner erklärte, man habe versucht, die Besetzer freiwillig zum Verlassen der Gebäude zu bewegen. Ein MDR SACHSEN-Reporter bestätigte, dass die Einsatzkräfte auf Deeskalation setzten. Am Mittag begann die Polizei dann, in Absprache mit dem Eigentümer, zugemauerte Türen aufzubrechen und holte Besetzer aus den Häusern. Einige gingen freiwillig mit, andere mussten herausgetragen werden.

Bildergalerie Polizei räumt besetzte Häuser in Dresdner Neustadt

Nach knapp sechs Tagen hat die Polizei in Dresden zwei besetzte Häuser und ein benachbartes Grundstück geräumt.

Zwei Polizisten beobachten, wie ein Hausbesetzer in einem Innenhaof verschiedene Sachsen einsaammelt.
Die Besetzer räumen unter Beobachtung der Beamten einen der besetzten Gärten. Bildrechte: xcitepress/Christian Essler
Zwei Polizisten beobachten, wie ein Hausbesetzer in einem Innenhaof verschiedene Sachsen einsaammelt.
Die Besetzer räumen unter Beobachtung der Beamten einen der besetzten Gärten. Bildrechte: xcitepress/Christian Essler
Polizisten stehen in Dresden vor einem Haus, an dem Transparente hängen
Die Königsbrücker Straße wurde mehrere Stunden gesperrt. Bildrechte: Tino Plunert
Polizisten halten eine Hausbesetzerin fest
Am Rande der Räumung kam es zu einzelnen Rangeleien. Bildrechte: Tino Plunert
Poilzisten und Hausbesetzer stehen und sitzen in einem improvisierten "Wohnzimmer" im Innenhof eines Hauses.
Die Besitzer der Immobilien hatten gegen die Besetzer Strafanzeige gestellt. Bildrechte: Tino Plunert
Auf der Königsbrücker Straße in Dresden stehen Polizisten und Einsatzfahrzeuge
Rund 100 Einsatzkräfte der Polizei waren vor Ort. Bildrechte: Margiut Suckut
Polizisten stehen in Dresden vor einem Haus, an dem Transparente hängen
Eine Demonstration zur Unterstützung der Hausbesetzer hatte kurzzeitig die Königsbrücker Straße blockiert. Bildrechte: MDR/Stephan Witschas
Polizisten halten eine Hausbesetzerin fest
Polizisten drängten später die Demonstranten zurück auf den Fußweg. Dort war die Kundgebung genehmigt. Bildrechte: MDR/Stephan Witschas
Poilzisten und Hausbesetzer stehen und sitzen in einem improvisierten "Wohnzimmer" im Innenhof eines Hauses.
Während des Polizeieinsatzes wurden die Straßenbahn-Linien 7 und 8 umgeleitet. Bildrechte: MDR/Stephan Witschas
Auf einem schrägen Hausdach in Dresden stehen Polizisten einer Sondereinheit und halten zwei liegende Hausbesetzer fest.
Am Nachmittag holten SEK-Beamte die letzen beiden verbliebenen Hausbesetzer vom Dach. Bildrechte: Erik Hoffmann
Polizisten in Dresden
Am Abend haben sich Sympathisant der Hausbesetzer vor dem Gelände versammelt. Die Bereitschaftspolizei sichert den Bereich mit etwa 50 Einsatzkräften ab. Bildrechte: Erik Hoffmann
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SEK-Einsatz am Nachmittag

Mehrere Personen hatten sich zwischenzeitlich auf die Dächer der Häuser zurückgezogen. Ein weiterer Mann kletterte auf einen Baum auf dem Privatgrundstück. Die angeforderte Feuerwehr erklärte, sie könne den Einsatz der Polizei nicht unterstützen, da keine Menschen in Gefahr seien. Daraufhin wurde eine Polizei-Spezialeinheit nach Dresden beordert. Das sogenannte Höheninterventionsteam traf am Nachmittag ein und holte die letzten Besetzer von den Dächern.

Linke-Stadtrat meldet Demo an

Vor den besetzten Häusern hatten sich nach Angaben der Polizei etwa 50 Menschen zu einer Solidaritätskundgebung für die Besetzer eingefunden. Die Versammlung war offiziell vom Linke-Stadtrat Christopher Colditz angemeldet worden, durfte aber nur auf dem Fußweg stattfinden. Da sich die Teilnehmer auch nach drei Aufforderungen nicht daran hielten, wurden sie von den Einsatzkräften zurück auf den Gehweg geschoben. Die Königsbrücker Straße war deshalb am Vormittag gut zwei Stunden gesperrt. Dadurch gab es Verspätungen und Umleitungen auf zwei Straßenbahnlinien.

Am Mittwochabend waren nach Angaben eines Polizeisprechers rund 200 Menschen zu einer nicht angemeldeten Spontandemonstration vor den geräumten Grundstücken erschienen. Dabei flog Pyrotechnik. Die Polizei setzte daraufhin Reizgas ein, um die Demonstranten von der Straße zurückzudrängen. Zwischen 19 und 21 Uhr gab es deshalb abermals Behinderungen auf der Königsbrücker Straße.

Besetzer wollten nicht gehen

Die Besetzer hatten vor der Räumung in einer Presseinformation betont, nicht freiwillig gehen zu wollen. Weiter hieß es: "Das Haus und das Gelände wurden über die letzten Tage mit Leben gefüllt, und es wurde unglaublich viel getan, um das Gelände für alle zu einem schönen Ort zu machen." Die Polizei erklärte, die Personalien der Besetzer würden erfasst. Dies sei wegen der Strafanzeige des Eigentümers nötig.

Polizei vor besetztem Haus
Die Polizei hat den Gehweg vor den besetzten Häusern abgesperrt. Bildrechte: Stephan Witschas

Besetzung aus Protest gegen hohe Mieten

Aus Protest gegen steigende Mieten und Leerstand hatte eine Personengruppe am Freitag zwei leerstehende Villen und ein Grundstück in der Dresdner Neustadt besetzt. Die Gruppe möchte die Objekte als Wohnraum und für Versammlungen und Veranstaltungen nutzbar machen. Der Besitzer der Häuser, die Argenta KG aus München, stellte am Montag Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung. Nach der Räumung ließ die Gesellschaft Fenster und Türen zumauern. Zugleich zeigte sie sich offen für das Anliegen der Hausbesetzer. Man wolle die jungen Leute begleiten, wenn sie ihr Anliegen der Stadt vorstellen, hieß es. Die Dresdner SPD bezeichnete die Hausbesetzung als unrechtmäßig, kritisierte aber auch den Eigentümer für seinen Umgang mit der Immobilie.

Auch private Eigentümer sind in der Pflicht, ihr Eigentum zu entwickeln und nutzbar zu machen. Es wäre besser gewesen, wenn eine klare Perspektive für Wohnraum oder eine Gemeinschaftsnutzung aufgezeigt worden wäre, anstatt seit Jahren den Leerstand und den  zunehmenden Verfall der Gebäude auf dem Gelände beobachten zu müssen.

Vincent Drews Wohnungspolitischer Sprecher und Stadtrat der SPD in Dresden

Quelle: MDR/lam/stt/msu/sw

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.01.2020 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2020, 06:02 Uhr

93 Kommentare

Rennstaedter vor 4 Wochen

Werte Anita L. wenn jemand auf einen Baum steigt und freiwillig nicht runter kommt, wird er auf diese Weise „geerntet“. Man sollte sich halt nicht in Gefahr begeben.

Horst1 vor 4 Wochen

Anita L: Ihre "Wohnsituation" spielt eine ganz große Rolle! Wenn ich nichts habe,dann kann ich mich groß gegen andere aufspielen! Nach Ihren Kommentaren ist immer zu entnehmen, dass Sie diese Besetzungen als toll und richtig empfinden! Ich hoffe, dass gerade Sie sich immer nach den demokratischen und rechtsstaatlichen Bedürfnissen verhalten!

Anita L. vor 4 Wochen

Wie ich dem Artikel entnomme habe, wird der Begriff "Aktivist" zumeist konträr und vor allem je nach Zweckmäßigkeit für den Nutzer. Sie finden in den Diskussionen hier inzwischen verschiedene Beispiele.

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