Einbrecher haben Wertgegenstände in einem Kleiderschrank gesucht und ein Chaos hinterlassen
Nachdem Einbrecher eine Wohnung durchwühlt haben, bleibt Chaos zurück. Viele Einbruchsopfer können das meist schnell beseitigen, kämpfen aber lange gegen Unsicherheit. Bildrechte: IMAGO

Deutscher Präventionstag in Dresden Kein Geld, keine Leute? Ausreden ziehen beim Einbruchschutz nicht mehr

Mehr als 4.000 Wohnungseinbrüche hat die Polizei 2017 in Sachsen registriert. Die Einbrüche gehen zwar zurück, aber für das einzelne Opfer bleibt das Sicherheitsgefühl danach trotzdem gestört. Ängste, Stress, Schlaflosigkeit - Psychologen wissen, dass ein Einbruch den Betroffenen noch jahrelang zu schaffen machen kann. Damit es nicht erst dazu kommt, sind Vorsorge und Prävention wichtig. Eine Brandenburger Gemeinde zeigte beim Präventionstag in Dresden, wie sie mit wenig Aufwand viel erreichte.

Einbrecher haben Wertgegenstände in einem Kleiderschrank gesucht und ein Chaos hinterlassen
Nachdem Einbrecher eine Wohnung durchwühlt haben, bleibt Chaos zurück. Viele Einbruchsopfer können das meist schnell beseitigen, kämpfen aber lange gegen Unsicherheit. Bildrechte: IMAGO

Einbruchschutz und Sicherheitsempfinden der Bürger ist ein Thema beim Deutschen Präventionstag in Dresden gewesen. Bei der weltweit größten Veranstaltung auf dem Gebiet der Kriminalitätsvorbeugung hatten sich mehr als 3.000 Experten aus 50 Ländern getroffen. Darunter waren auch viele Polizeibeamte. So wie Polizeihauptkommissar Carsten Bode aus Cuxhaven. Der Präventionsbeauftragte kennt die Ängste von Einbruchsopfern. "Am meisten verunsichert die Menschen, dass ein Fremder im privatesten Bereich ihres Lebens war. Vor allem für Frauen ist es ein schlimmer Gedanke, dass jemand ihre Kleidung oder ihren Schmuck durchwühlt und damit beschmutzt hat", sagte er.

Keine Ausreden mehr für kleinere Kommunen

Beim Präventionstag in Dresden haben Experten am 11. und 12.6.2018 über Kriminalitätsvorbeugung gesprochen. Mit dabei auch Poldi, das Polizeimaskottchen und ein Polizist als Lego-Figur.
Arbeiteten in einem Modellprojekt zusammen: Janina Meyer-Klepsch (li.) von der Stadt Neuenhagen und Jürgen Schirrmeister von der Polizeiinspektion Märkisch-Oderland. Bildrechte: MDR/Kathrin König

Wohnungseinbrüche waren Ortsgespräch Nummer eins in Neuenhagen in Brandenburg. 18.000 Einwohner zählt die Kommune südöstlich von Berlin. Knapp 70 Einbrüche wurden 2013 gezählt, Tendenz steigend. "Jeder kannte jemanden im Ort, der Einbruchsopfer war. Immer öfter hieß es in den Bürgersprechstunden: Bürgermeister, mach' was", sagte Ordnungsamtleiterin Janina Meyer-Klepsch. Die Stadt erhob das Thema Sicherheit und Vorbeugung zum zentralen Thema und verzahnte ihre Öffentlichkeitsarbeit mit den Präventionsangeboten der Polizei. Das Modellprojekt "Sichere Adresse Neuenhagen" lief drei Jahre lang. Das waren die Kernpunkte:

  • Schulung aller Mitarbeiter der Kommune zu Präventionsangeboten der Polizei
  • Flyer und Plakate bei allen Veranstaltungen der Gemeinde, Mitarbeiter weisen auf Polizeiarbeit hin, auch bei Volksfesten oder im Kindergarten
  • Ansprache von Vereinen als Multiplikatoren, zudem ein jährliches Treffen für Absprache eines Schwerpunkts in der Präventionsarbeit
  • Ausstattung der Ordnungsamtsmitarbeiter mit einheitlicher Kleidung für bessere Wahrnehmung im Ort
  • Aufbau von Schildern, die auf Sicherheitstechnik an kommunalen Gebäuden hinweisen
  • schnelle Reaktion, wenn Bürger melden, dass Straßenlaternen ausgefallen sind oder Gaunerzinken auftauchten, Weiterleitung der Bürgeranfragen an die Polizei
  • Gespräche mit Bauherren und Planern vor Baubeginn, in denen auf sichere Türen und Fenster hingewiesen wird, Verteilung von Infoblättern
  • sicherheitstechnische Aspekte beachten bei der Ausweisung von Bebauungsgebieten, z.B. möglichst keine Sackgassen, schmale Straßen und meterhohe Hecken

Der Bürgermeister, die Bürgermeisterin muss hinter so einem Projekt stehen. Sonst geht gar nichts.

Janina Meyer-Klepsch Kommunalpolitikerin

"Letztlich waren es nur Kleinigkeiten, die nicht die Welt kosteten, aber extrem wirksam waren", sagte die Ordnungsamtsleiterin Meyer-Klepsch und verwies auf den aktuellen Haushalt von Neuenhagen. Der umfasse 36 Millionen Euro. Für die Präventionsarbeit seien 3.000 Euro vorgesehen. Meyer-Klepsch war es in wichtig, in Dresden andere Gemeinden wachzurütteln, mehr gegen Einbrüche zu tun. "Viele kleinere Kommunen sagen: 'Ach, wir haben kein Geld, keine Leute für solche Aktionen'. Nein! Unser Beispiel zeigt, dass man auch mit kleinen Mitteln so viel für mehr Sicherheit tun kann."

Weniger Einbrüche, stärkeres Sicherheitsgefühl

Beim Präventionstag in Dresden haben Experten am 11. und 12.6.2018 über Kriminalitätsvorbeugung gesprochen. Mit dabei auch Poldi, das Polizeimaskottchen und ein Polizist als Lego-Figur.
Das Maskottchen wirbt für Präventionsprojekte der Polizei. Bildrechte: MDR/Kathrin König

In Neuenhagen sind laut Jürgen Schirrmeister von der Polizeiinspektion Märkisch-Oderland die Einbrüche von 69 im Jahr 2013 auf zuletzt 31 gesunken. Jeder zweite Einbruch blieb 2017 im Versuch stecken, Fahrradcodierungen wurden häufiger angenommen, die Polizei für Sicherheitsberatungen viel öfter ins Hause gerufen. "Insgesamt ist das Sicherheitsgefühl der Menschen enorm gestiegen", so Schirrmeister. Und weiter: "41 Prozent der Bewohner haben mehr als 2.000 Euro ausgegeben, um ihre Türen und Fenster sicherer zu machen." Für den Präventionsbeauftragten der Polizei Brandenburg ein Beleg dafür, dass die Bürger bereit sind, ihrer Eigenverantwortung gerecht zu werden - wenn sie sehen, dass auch die Kommune ihrer Verantwortung nachkommt, ergänzte ihn die Politikerin Meyer-Klepsch.

Keine Ausreden mehr für Bauherren

Beim Präventionstag in Dresden haben Experten am 11. und 12.6.2018 über Kriminalitätsvorbeugung gesprochen. Mit dabei auch Poldi, das Polizeimaskottchen und ein Polizist als Lego-Figur.
Referentin Sabrina Mohr (re.) beantwortet Fragen des Polizeihauptkommissars Carsten Bode aus Cuxhaven. Bildrechte: MDR/Kathrin König

Auf Verantwortungsübernahme zielt auch die Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention (DFK), die nach Worten von Sabrina Mohr, den Einbau von Sicherheitstechnik verpflichtend im Baurecht verankern würde. "Aber die Bauherren wollen das nicht. Auch die Bauminister der Länder tun nichts. Als Ausreden hören wir immer: Das Baurecht ist schon viel zu vollgestopft. Das kostet alles zuviel Geld", erklärte die Einbruchschutz-Expertin des DKF. Für Diskussionen mit Politikern hat die Stiftung beispielhaft durchrechnen lassen, was es wirklich kosten würde, einbruchssicherer zu bauen. Bei einem Einfamilienhaus kämen nach Mohrs Worten 2.500 Euro Mehrkosten für sicherere Fenster und Türen zusammen, bei einem Mehrfamilienhaus etwa 6.000 Euro.

Das sind Peanuts im Vergleich zu den Gesamtkosten eines Neubaus.

Sabrina Mohr Referentin Deutsches Forum für Kriminalprävention

Aktuell nutzten immer mehr Wohnungsinhaber und Mieter Fördermittel der KfW-Bank, um ihre Wohnungen sicherer auszustatten, sgate Sabrina Mohr. Langfristig möchte die Stiftung aber Empfehlungen im Baurecht verankert wissen. "Wir wollen Mindeststandards für Sicherheitstechnik. Die Bürger müssen sich darauf verlassen können", sagte die Expertin für Kriminalprävention, Sabrina Mohr.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 12.06.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2018, 13:44 Uhr

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2 Kommentare

12.06.2018 23:41 Kathinka 2

Die Vermieter müssen in die Pflicht genommen werden, ihre Wohnungen sicherheitstechnisch nachzurüsten. Wofür bezahle ich jeden Monat soviel Miete, wenn ich in meiner gemieteten Wohnung nicht mehr sicher bin.

12.06.2018 17:48 Börde54 1

Wer in fremde Häuser einbricht, ist doch geistig völlig gestört.

Da fehlen doch sämtliche Sinne für Menschlichkeit, Anstand und Ehre. Sowas machen echt nur Asoziale.

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