16.02.2020 | 20:30 Uhr Breiter gesellschaftlicher Widerstand gegen Höcke-Auftritt bei Pegida-Demonstration

In Dresden formiert sich breiter gesellschaftlicher Widerstand gegen eine für diesen Montag geplante Pegida-Demonstration, zu der der Thüringer AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke erwartet wird. CDU, FDP und Sächsische Bibliotheksgesellschaft rufen zu einer Kundgebung auf dem Neumarkt auf. Die Frauenkirche und die Kreuzkirche in Dresden laden zu Friedensgebeten ein. Und auch linke Gruppen sowie die Linkspartei wollen protestieren. In der AfD selbst ist Höckes Auftritt umstritten.

Björn Höcke, Vorsitzender der AfD in Thüringen, winkt bei seiner Ankunft zu einer Wahlkampfveranstaltung seiner Partei im Rathaus. Am gleichen Tag hat ein breites Bündnis aus Parteien und Organisationen gegen die Veranstaltung protestiert
Höcke im August 2019 bei einem Wahlkampfauftritt der AfD in Grimma Bildrechte: dpa

Unter dem Motto "Demokratie braucht Rückgrat" wird für Montag in Dresden zu Protesten gegen einen Auftritt des Thüringer AfD-Politikers Björn Höcke auf der wöchentlichen "Pegida"-Demonstration aufgerufen. In einem verbreiteten gemeinsamen Aufruf der Kreisverbände der Dresdner CDU und FDP und der Sächsischen Bibliotheksgesellschaft heißt es, Ziel sei es, gemeinsam mit vielen Einwohnern der Stadt auf dem Dresdner Neumarkt an diesem Tag für demokratische Grundwerte ein- und als Bürgergesellschaft zusammenzustehen.

Die Vergangenheit mahnt uns, nicht wegzuschauen, die Gefahr beim Namen zu nennen, öffentlich aufzustehen und entschieden 'nein' zu sagen, wenn unsere Mitmenschen beleidigt, angefeindet und verletzt werden.

Aufruf "Demokratie braucht Rückgrat"

Auch Roland Kaiser unterstützt Protest

Unterstützt wird der Aufruf demnach unter anderem vom Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden, der katholischen Kirche, der evangelischen Landeskirche und vielen Privatpersonen, darunter Verantwortungsträger aus Politik, Kunst, Sport und Wissenschaft. Erwartet würden etwa 1.000 Teilnehmer.

Zu den Unterzeichnern gehören unter anderen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der neue Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), Schlagerstar Roland Kaiser, der Dresdner evangelische Superintendent Albrecht Nollau und der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP). Die Organisatoren rechnen mit rund 1.000 Teilnehmern.

Kirchen und weitere Gruppen rufen ebenfalls zum Protest auf

Die Frauenkirche und die Kreuzkirche in Dresden laden zudem am Montagabend zu Friedensgebeten ein. Damit solle ein Zeichen für ein wertschätzendes und Demokratie achtendes Miteinander gesetzt werden, hieß es. Im Anschluss an die Gebete in der Kreuz- und Frauenkirche seien die Teilnehmenden eingeladen, "Kerzen als stille Botschafter des Friedens zu entzünden und mit ihnen in der Hand vor die Gotteshäuser zu treten", teilte die Stiftung Frauenkirche am Freitag in Dresden mit.

Gerade in diesen Tagen, in denen Dresden der Schrecken von Krieg und Zerstörung gedenkt, sind das wahrhaftige Erinnern und die bewusste Wertschätzung der demokratischen Grundordnung angezeigt.

Sebastian Feydt Frauenkirchenpfarrer
Demonstranten mit einem Schild mit der Aufschrift "Hallo Höcke, du Faschist."
Mehrere Gruppen wollen gegen den Höcke-Auftritt demonstrieren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aufrufe zum Protest gegen den Höcke-Auftritt bei der inzwischen 200. Pegida-Kundgebung gibt es zudem von Gruppen wie "Nationalismus raus aus den Köpfen", "Herz statt Hetze", "Dresden Place to Be" oder "Dresden nazifrei" sowie der Linken-Fraktion im Sächsischen Landtag.

Erst am Samstag hatten mehrere Tausend Menschen in Dresden gegen eine rechtsextremen sogenannten Trauermarsch protestiert.

AfD befürchtet negative Schlagzeilen

Höckes Auftritt in Dresden ist in seiner Partei umstritten. Dieser Auftritt wenige Tage vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg sei riskant, sagte Bundesvorstandsmitglied Alexander Wolf am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Man wisse nie, wer daran teilnimmt. Das habe die AfD bei ihrem "Trauermarsch" in Chemnitz 2018 festgestellt. Er befürchte, dass nun auch bei dieser Pegida-Kundgebung "möglicherweise negative Bilder entstehen könnten, die der AfD angelastet werden".

Höckes Teilnahme an einer Pegida-Kundgebung dürfte nach Angaben aus Parteikreisen auch bei einer Bundesvorstandssitzung am kommenden Montag Thema sein. Die AfD hatte in ihrem Mitgliedermagazin "AfD Kompakt" im vergangenen Jahr unter Berücksichtigung eines Schiedsgerichtsurteils von 2016 folgende Beschlusslage veröffentlicht: "Der Bundesvorstand beschließt, dass AfD-Mitglieder nicht mit Parteisymbolen bei PEGIDA-Veranstaltungen auftreten sollen. Redeauftritte von PEGIDA-Vertretern und PEGIDA-Symbole auf AfD-Veranstaltungen lehnen wir ab."

Höcke war bereits im Mai 2018 bei Pegida zu Gast. Damals bezeichnete er Deutschland als eine "zu Teilen despotische Bananenrepublik". Für Aufsehen sorgte er auch, als er bei einer Rede in Dresden im Januar 2017 mit Blick auf die Geschichtsaufarbeitung in Deutschland von einer "dämlichen Bewältigungspolitik" sprach und eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" forderte.

Quelle: MDR/dk/epd/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.02.2020 | ab 08:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2020, 20:30 Uhr

312 Kommentare

Janes vor 6 Wochen

@winfried: Und mal sehen, wie viel Zulauf Pegida....ach ja...die werden ja auch Bundesweit ran gekarrt. Da wirbt man mit viel viel Mühe bei Facebook (auf Seiten pegida, afd) und unzähligen Neurechten Verschwöhrungsblocks. Für diesen Aufwand waren es nicht gerade viele Fans der Neurechten Hetze. Wie viele waren es? Knapp 3000 Hanseln?

Aber ihr biegt euch schon eine Alternative Wahrheit zurecht, da bin ich sicher.

Janes vor 6 Wochen

@Atheist: Bitte was?! Eine Demo von diesen Typen auch noch im normalen Fernsehen?! Ist das jetzt Satire, oder sind sie vollkommen daneben?!

Gut, dem MDR trau ich das sogar zu. Und im Anschluss diskutieren Anne Will mit Lutz Bachmann und Bernd Höcke über die Erneuerung des Deutschen Reiches.

Diese pegidatruppe darf (!) sich treffen und ihren Hass auf die Straße bringen und die Radikalisierung der Leute voran treiben. Aber sie haben kein Recht, dass den Schwachsinn auch noch jemand beachten muss.

Janes vor 6 Wochen

Manchmal würde ich mir auch unter dem einen oder anderen Artikel eine Diskussion wünschen.

Und die Berichterstattung nutzt leider natürlich überwiegend der Neuen Rechten. Was soll der MDR aber machen. Weniger berichten ist auch nicht so sinnvoll. Allerding (vlt bekomme ich das aber auch nur nicht mit) würde ich mit bei sowas Journalisten-innen "mit Eiern" wünschen, die auch mal ekelhafte Fragen stellen und die Truppe so zeigen, wie sie sind. Da wird immer nur aus der Ferne der Informationspflicht nachgekommen. Recherchiert doch mal investigativ zu pegida-was macht der Verein? Wie viele Mitglieder, Mittel, Mittelverwendung usw. Bringt mal Licht in den braunen Sumpf.

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