28.09.2019 | 16:37 Uhr Einwohner von Radebeul befürchten Verdrängungswettbewerb

Bauprojekte Radebeul
Das Neubauprojekt am Augustusweg: Durchschnittlich 4.700 Euro kostet der Quadratmeter der Eigentumswohnungen, wie aus der Anzeige des zuständigen Immobilienbüros hervorgeht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Radebeul haben Einwohner eine Protestaktion gegen die Wohnungsbaupolitik der Stadt gestartet. Am Freitagabend befestigten sie auf einem Baukran im Stadtteil Oberlößnitz ein Plakat mit der Aufschrift "Rettet unsere Gartenstadt". 

Protest Radebeul
Seit Freitagabend hängt das Protestbanner am Kran. Bildrechte: Martin Oehmichen

Anlass ist ein aktuelles Bauprojekt auf dem Augustusweg/August-Bebel-Straße. Dort sollen zwei Mehrfamilienhäuser mit sechs beziehungsweise neun Eigentumswohnungen entstehen.

Anwohner des Augustusweges sehen in dem Bauprojekt den "individuellen Charakter der Villen- und Gartenstadt Radebeul" gefährdet, "sowohl aus ästhetischer, sozialer als auch aus ökologischer Sicht". Sie wollen darauf aufmerksam machen, dass ihrer Ansicht nach Einzelinvestoren zunehmend Einfluss auf das Stadtbild nehmen. Damit sehen sie nicht nur die Gestaltungsrichtlinien der Stadt Radebeul missachtet, sondern befürchten auch eine Preissteigerung.

Wer eine der Wohnungen kaufen will, muss viel Geld auf den Tisch legen. Der Quadratmeter kostet laut Immobilienbüro im Durchschnitt 4.700 Euro.

Überhöhte Immobilienpreise führen bei Vermietung zur Steigerung des Mietniveaus von denen letztendlich alle (Mieter) betroffen sind. Überhöhte Immobilienpreise sind nur noch von Investoren und/oder Vielverdienern zu erwirtschaften - Familienunfreundlichkeit, keine soziale Vielfalt und Verträglichkeit.

Aus dem Anwohnerschreiben

Grünen-Stadtrat: Stadt muss mehr Einfluss nehmen

Unterstützung erhalten die Anwohner unter anderem von den Grünen. Stadt- und Kreisrat Martin Oehmichen sagte im Gespräch mit MDR SACHSEN, in der Nachbarschaft mache sich eine gewisse Fassungslosigkeit über dieses und andere Bauprojekte in Radebeul breit. Er begrüße es, dass sich die Anwohner nun zusammengeschlossen haben, um ein sichtbares Zeichen gegen das ihrer Ansicht nach überdimensionierte Bauprojekt zu setzen. "Das Problem hier ist auch, dass viel Grün verschwindet, weil immer mehr Flächen versiegelt werden. Und es findet eine Verdrängung statt." Oehmichen appellierte an die Stadt, sich wieder stärker auf ihre eigene Gestaltungsrichtlinie für die Villengebiete in der Ober-und Niederlößnitz zu besinnen.

Das aktuelle Bauprojekt am Augustusweg sei zwar nicht mehr aufzuhalten, so Oehmichen. Er hoffe aber, dass die Stadt Radebeul bei zukünftigen Bauprojekten "mehr Einfluss nimmt".

Bauprojekte Radebeul
Radebeul im Speckgürtel von Dresden ist schon immer eine beliebte Wohngegend, wo die Nachfrage nach Wohnraum ungebrochen hoch ist. An der Meißner Straße entsteht gerade dieser Wohnpark mit 57 Wohnungen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR/mar/dk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.09.2019 | 05:30 Uhr in den Regionanachrichten aus dem Studio Dresden

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2019, 16:39 Uhr

5 Kommentare

JackHoliday vor 27 Wochen

... der im letzten Bild gezeigt Wohnpark ist leider nicht besonders Beispielhaft für das im Artikel angesprochene Problem. Das ist ein durchaus durchdachter Neubau einer Radebeuler Wohnungsgenossenschaft. WE mit max 4Zi und 95m² und Preislimit lag glaube ich bei 8€/m². Das darf man durchaus als Gegensatz zu den sonstigen Preisen und Neubauten in Radebeul sehen wo sonst jede Klitsche für 10€/m² angeboten wird. Auf Eigentum braucht eigentlich keiner mehr zu schauen - da werden Preise aufgerufen, die früher als Liebhaberpreise verspottet wurden.
Mal sehen wie lange das noch so geht - einige der besonders schönen Angebote werden schon seit Monaten zum immer wieder zum immer gleichen hohen Preis eingestellt. Verkauft (sprich weniger Anzeigen) werden sie scheinbar kaum.

Schenkendorf vor 27 Wochen

Nun erreicht die Geldschwämme Politik der EZB und der Bruch der Maastricht Verträge durch deutsche Politiker(No ballout) auch die "Provinz". Da, wo Sparen schon zum Straftatbestand wird(Verwahrgeld der Banken), suchen sich diese Investoren eben die einzige sichere Geldanlage. Jede Lücke in der Landschaft wird inzwischen zugepflastert, jeder Ruine wieder hergestellt. Ob München, Hamburg oder eben Radebeul. Dies ist erst der Anfang.

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 27 Wochen

die hohen Mietpreise in Radebeul locken natürlich Investoren an, ist nun mal so.

Bisher haben sich doch die Hauseigentümer auch nicht über steigende qm Preise beschwert ;-)

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